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Zitzewitz-Kolumne: Der Underdog

Start unserer Dakar-Kolumne 2012: In der ersten Folge von Dirk von Zitzewitz' Pacenotes blickt der Beifahrer von Giniel de Villiers auf die Rallye Dakar 2012 voraus

Liebe Leser von 'Motorsport-Total-com',

Dirk von Zitzewitz sieht sich 2012 eindeutig in der Position des Underdogs

blättern wir mal im Brockhaus. Dort steht unter "Benachteiligter, Schwächerer" der englische und neudeutsche Begriff Underdog. Und damit die Definition dessen, was wie ich mich selbst bei der Rallye Dakar 2012 einschätze. Eine neue persönliche Zeitrechnung ist für mich angebrochen. Die härteste und herausforderndste Rallye der Welt wird noch härter und herausfordernder für mich. Denn Volkswagen ist aus der Dakar ausgestiegen und mein bisheriger Arbeitsplatz damit perdu. Ein spezialisierter Marathon-Rallye-Beifahrer meines Schlags wird dort nicht mehr gebraucht.

Viele Dakar-Erinnerungen habe ich an meine VW-Zeit, an ein professionelles und eingeschworenes Team und an viele sportliche Erfolge. An einen Dakar ganz besonders: meinen Sieg im Jahr 2009. Damals hat die VW-Presseabteilung den Satz geschrieben: "Dieser Dakar-Sieg wird sie für immer zusammenschweißen." Sie - damit waren mein Fahrer Giniel de Villiers und ich gemeint. Und in der Tat werde ich auch im Jahr eins nach Volkswagen mit Ginny, wie ich ihn nenne, bei der Dakar im Januar ein Duo bilden. Mit ihm werde ich am Neujahrstag 2012 in die Rallye durch Argentinien, Chile und Peru starten.

Das Jahr 2009 stand damals für ein paar Premieren, die auch vier Dakar-Ausgaben später für mich persönlich eine Rolle spielen. Es war der erste Sieg für Ginny und mich, der erste eines Afrikaners - ausgerechnet bei der ersten Dakar außerhalb des Schwarzen Kontinents - und der erste für einen Diesel-Prototyp. Giniels und mein damaliger Erfolg hat damals in Südafrika eine große Euphorie ausgelöst. Das ganze Land war aus dem Häuschen.

Und auch 2012 fiebert Südafrika bei der Dakar richtig mit. Denn erstmals ist das südafrikanische Team Imperial Toyota mit eigens eingesetzten Fahrzeugen am Start: zwei Imperial Toyota Hilux mit V8-Motor. Am Steuer: Giniel de Villiers, der mich unbedingt als seinen Beifahrer beim neuen Dakar-Abenteuer dabei haben wollte. Bei der "neuen" Dakar kennen wir uns gut aus und haben uns einen wertvollen Erfahrungsschatz erarbeitet.

Imperial-Toyota hat Potenzial

Dirk von Zitzewitz und Giniel de Villiers

Vor drei Jahren gewannen Dirk von Zitzewitz und Giniel de Villiers die Dakar Zoom

Und technisch? Dank dreier Diesel-Siege in Folge sind Autos mit herkömmlichem Otto-Kraftstoff etwas besser eingestuft worden, haben einen Luftmengenbegrenzer mit größerem Durchmesser und dürfen ein Sechsgang-Getriebe verwenden - vorausgesetzt sie setzen ein Serienmotor ein, und keinen reinassigen Rennmotor.

Und doch trifft auf uns und unseren V8-Hilux die Definition Underdog voll zu. Denn in weniger als 100 Tagen wurde das gesamte Projekt auf die Beine gestellt - das große Fragezeichen wird die Zuverlässigkeit sein. Das Imperial-Toyota-Gesamtpaket hat ein (unglaublich) großes Potenzial für die Zukunft. Im Hier und Jetzt wird es für uns darum gehen, möglichst viel Erfahrung zu sammeln. Aber hoffentlich können wir ein paar Achtungserfolge erzielen.

X-raid ist der Favorit

X-raid-MINI

Die X-raid-MINI sind in diesem Jahr eindeutig in der Favoritenrolle Zoom

Rein nominell haben wir gegen die Mannschaft des X-raid-Teams kaum eine Chance. Sven Quandt hat mit seinem Team, das in Trebur-Astheim seinen Sitz hat, ein starkes Aufgebot am Start. Gleich fünf MINI Countryman im Dakar-Trim hat Sven für den Dakar-Rekordsieger Stephane Peterhansel, Joan "Nani" Roma, Krzysztof Holowczyc, Leonid Novitskiy und Ricardo Leal dos Santos vorbereiten lassen. Doch jeder dieser fünf wittert seine große Chance, diesmal als einer der Favoriten die Dakar zu gewinnen und dem X-raid-Team den ersten Sieg zu schenken. Teamintern wird ein Konkurrenzkampf entstehen. Und vielleicht, ja vielleicht wird die Verlockung, etwas Historisches zu leisten, zu groß sein. Lässt sich einer von ihnen eventuell zu Fehlern hinreißen?

Zum Fünfer-Pack Minis kommen von Seiten X-raids noch drei der traditionell starken BMW X3 CC, die in den vergangenen Jahren VW-Gegner Nummer eins waren. Und auch die weiteren Gegner sind mindestens für eine gute Show zu haben. Denn in Sachen Schaueffekt hat Robby Gordon mit seinen Hummer-H3-Prototypen eine Art Monopol.

Keiner versteht es derart gut, für so viel Action zu sorgen. Das durfte ich als (einer) seine(r) Beifahrer erleben, bevor ich zu Giniel ins Cockpit wechselte. Und Robby hat schon vor der Dakar einen echten Coup gelandet: Titelverteidiger Nasser Al-Attiyah wird mit Lucas Cruz im Hummer starten - zwei meiner Ex-Teamkollegen. Gordon und Al-Attiyah, also zwei "Mister-120-Prozent" in einem Team - Fanherz, was willst du mehr?

Der größte Gegner ist die Rallye selbst

In diesem Reigen den ein oder anderen zu ärgern, ist Giniels und mein sportliches Ziel für 2012. Doch das ist nur die zweite Priorität. Nummer eins wird sein: ankommen. Giniel und ich sind ohnehin nicht dafür bekannt, permanent über das fahrerische und technische Limit hinauszugehen. Wir sind eben die "Mister-98-Prozent".

Unser erster Gegner wird die Rallye selbst sein. Und auch dieser Gegner ist stärker geworden: Sand vom ersten bis zum letzten Tag, mit Peru ein neuer Dakar-Gastgeber auf der Landkarte und damit ein neues, unbekanntes Terrain. Gerüchte sagen: Die Dünen im letzten Abschnitt der Rallye Dakar 2012 sind kleiner und gemeiner als alle anderen in Südamerika. Eben: Africa-Style. Die nächste wird eben immer die härteste Dakar. In dieser Hinsicht ist jeder - vom Favoriten bis zum Amateur - der Underdog.

Drückt uns die Daumen,

euer Dirk

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