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Nissen: "Unsere Chancen sind besser als 2006"

VW-Motorsportdirektor Kris Nissen im Interview über die Chancen seines Teams bei der 29. Rallye Dakar, die am Wochenende beginnt

(Motorsport-Total.com/sid) - Drei, zwei, eins, meins! Frei nach diesem Werbemotto will der Wolfsburger Automobilkonzern Volkswagen 2007 endlich die begehrte Siegertrophäe der Dakar-Rallye gewinnen und beim Wüstenklassiker den ersten Erfolg eines Dieselautos feiern. Nach Platz drei von Jutta Kleinschmidt 2005 und dem zweiten Rang des Südafrikaners Giniel de Villiers 2006 will VW-Motorsportdirektor Kris Nissen mit seinem Team Seriensieger Mitsubishi bei der 29. Auflage der Rallye (6. bis 21. Januar) vom Thron stoßen.

Jutta Kleinschmidt

Volkswagen hat sich vorgenommen, den Dakar-Pokal nach Wolfsburg zu holen

Frage: "Kris, wäre nach Platz drei 2005 und Platz zwei 2006 der erste Platz 2007 der logische Schritt oder anders gefragt: Muss VW die Dakar 2007 gewinnen?"
Kris Nissen: "Auf dem Papier könnte man natürlich sagen, VW wird gewinnen, weil sie sich Jahr für Jahr verbessert haben. Aber wir dürfen nie vergessen, dass auch alle anderen besser werden. Die Konkurrenten bauen neue Autos, trainieren hart, verbessern sich ständig. In jedem Sport ist es schwierig, jemanden einzuholen, wenn man nicht schon vorne dabei ist. Im Motorsport ist es manchmal noch schwieriger, weil die Technik dazu kommt. Und zu guter Letzt ist die Dakar ein extrem langes Rennen. Dafür ein Auto zu entwickeln, dauert länger als ein normales Rallyeauto, ein DTM-Auto oder sogar ein Formel-1-Auto zu bauen."#w1#

Dakar härter als alle anderen Motorsportevents?

Frage: "Warum?"
Nissen: "In den anderen Kategorien kann man Teile wie eine Aufhängung entwickeln, die 200 oder 400 Kilometer halten muss. Wenn das funktioniert, kann man damit Rennen fahren. Für die Dakar brauchen wir einen Antriebsstrang, ein Getriebe, einen Motor, Stoßdämpfer, Aufhängungen, die für tausende Kilometer und viele Stunden getestet wurden. Anhand der Weltcupresultate 2005 und 2006 kann man sehen, dass wir immer näher an Mitsubishi herangekommen sind. Vielleicht sind wir jetzt in vielen Bereichen auf dem gleichen Level. Aber ich will nicht sagen, wir fahren dahin und gewinnen. Es wird eine harte und schwierige Aufgabe. Unsere Chancen sind besser als 2006. Wenn sich die Rallye ähnlich entwickelt wie im vorigen Jahr, wird es ein großer Kampf vom Start bis ins Ziel."

Frage: "Ist der Druck größer, wenn man ein ganzes Jahr für quasi ein einziges Event arbeitet - wie auch bei den 24 Stunden von Le Mans?"
Nissen: "Bei Volkswagen betreiben wir Motorsport, weil wir gewinnen wollen. Es liegt daher ein gewisser Druck auf uns allen, und da ist es natürlich viel schwieriger, wenn man nur einmal im Jahr fährt. Wir sind alle gespannt darauf, was nach elf, zwölf Monaten harter Arbeit passiert. Die Dakar 2007 hat für uns am 16. Januar 2006 mit dem Briefing nach der letzten Dakar begonnen. Wir haben die Meinungen der Fahrer und Beifahrer aufgenommen und mit vielen Leuten an einem großen Tisch gesessen. Seitdem waren es lange Wochen und Monate, und jeder im Team will nun sehen, wie gut wir gearbeitet haben. Die Dakar zieht sich mit den ganzen Vorbereitungen über fast zwei Monate. Dazu hat man nicht wie in Le Mans nur von Samstag bis Sonntag, sondern mindestens 15 Rallye-Tage lang Aufmerksamkeit und Medienpräsenz. Gemessen daran ist der Ertrag viel höher als bei anderen einzelnen Rennveranstaltungen. Dennoch wäre es natürlich schöner für uns, zwei oder drei große Events im Jahr zu haben."

Frage: "Was habt ihr an eurem Auto von der Dakar 2006 zur Dakar 2007 verändert?"
Nissen: "Die größte Verbesserung hat es im Chassisbereich gegeben. Das Auto ist einfacher zu fahren. Wir haben viele einzelne Dinge geändert. Jede kleine Verbesserung bringt einem vielleicht zwei Hundertstelsekunden. Aber wenn zehn oder 15 Kleinigkeiten zusammenkommen, sind es plötzlich zwei, drei oder vier Zehntelsekunden pro Kilometer, was bei 5.000 Dakar-Kilometern eine Menge ist. Auf der Motorenseite haben unsere Jungs mit dem neuen Vierventilmotor einen guten Job gemacht. Wir haben ein bisschen mehr PS und Drehmoment und einen größeren Bereich, in dem der Motor fahrbar ist."

Dubai war ein guter Test für die Dakar

Frage: "In Dubai gab es noch technische Probleme. Macht Ihnen das Sorgen für die Dakar?"
Nissen: "Nicht wirklich. Dieses Problem haben wir mehr oder weniger selbst herbeigeführt. Wir hatten beim letzten Test vor Dubai einige Dinge ausprobiert und entschieden, das auch in Dubai zu testen um zu sehen, ob es uns besser macht. Aber dieses Teil schien noch nicht standfest genug für viele Kilometer. Es beanspruchte die Aufhängung zu sehr, so dass es einen Schaden am Antriebsstrang gab. Wir haben dadurch viel Zeit verloren und sind am nächsten Tag zum alten System zurückgekehrt, mit dem wir die Rallye zu Ende gefahren sind und das wir jetzt auch bei der Dakar einsetzen werden. Es war besser, das in Dubai auszuprobieren als bei der Dakar."

Frage: "Es gibt Leute, die nach der Trennung von Jutta Kleinschmidt einen deutschen Fahrer in eurem Team vermissen, der für ein noch größeres Medieninteresse sorgen könnte. Was sagst du dazu?"
Nissen: "Ich gebe diesen Leuten Recht, aber man kann nie alles hundertprozentig perfekt haben. Volkswagen verkauft seine Autos weltweit, nicht nur in Deutschland. Wir hatten von Beginn an viel Sympathie in der Öffentlichkeit. Volkswagen ist eine starke Marke, viele Leute freuen sich, uns im Motorsport auf höchstem Niveau zu sehen. Es gab nicht wirklich deutsche Piloten, die die Leistung und das Tempo gehabt hätten wie die Fahrer in unserem Team. Wir wollen die besten Fahrer und Beifahrer, die wir finden können, denn wir wollen das bestmögliche Resultat erreichen."