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Le Mans: Audi ringt Peugeot nieder

So geht Motorsport: Horrorcrashs, Peugeot-Druck, Jubel am Ende - Andre Lotterer, Benoit Treluyer und Marcel Fässler gewinnen in Le Mans

(Motorsport-Total.com) - Audi hat seinen Titel in Le Mans erfolgreich verteidigt und den zehnten Gesamtsieg an der Sarthe eingefahren. Die Ingostädter bezwangen ihre Rivalen aus Frankreich in einem Krimi, der 24 Stunden lang keine Atempausen bot. Die beiden Dieselteams hatten ihre neuen Boliden perfekt vorbereitet, hatten unterschiedlich Stärken und Schwächen, waren aber jederzeit auf Augenhöhe.

Benoit Treluyer, Marcel Fässler

Und wieder ein Audi vorne: Die Ingolstädter siegen mit dem R18 Zoom

Benoit Treluyer, Marcel Fässler und Andre Lotterer setzten sich letztlich als Audi-Einzelkämpfer gegen alle drei Peugeot 908 durch. Das deutsche Werksteam erlebte in den ersten Stunden des Langstreckenklassikers zwei furchtbare Schreckmomente. Nach nur 14 Runden flog Allan McNish mit seinem Auto im hohen Bogen auf die Reifenstapel im Auslauf der Dunlop-Schikane.

Der Schotte war beim Überrunden mit dem Ferrari von Anthony Beltoise kolldiert (Youtube-Video!), knallte mit voller Wucht in die Barrieren, wäre mit seinem Wrack beinahe hinter der Mauer in Richtung Zuschauer geflogen. Vom R18 TDI des Schotten war kaum noch etwas übrig. Dennoch konnte McNish aussteigen. Nach einem kurzen Check im Krankenhaus gab es endgültige Entwarnung: keine Verletzungen beim Audi-Star.


Schlimme Unfälle mit glimpflichem Ausgang

Das Krankenhauspersonal sollte später noch einem weiteren Piloten im Overall mit vier Ringen begegnen. Während sich an der Spitze ein hartes Duell zwischen Audi und Peugeot entwickelte, landete Mike Rockenfeller brutal in den Leitplanken. Der Vorjahressieger berührte ebenfalls einen Ferrari beim Überrunden, hatte dabei Tempo 307 km/h drauf.

Anthony Beltoise, Allan McNish

Schock nach 14 Runden: Allen McNish hebt mit dem Audi ab Zoom

Nahezu ungebremst knallte der DTM-Pilot in die Leitplanken (Youtube-Video!). Das Wrack des Rockenfeller-Autos war nicht mehr als Audi zu erkennen, sah schlimmer aus als jenes von McNish. Erneut großes Glück: Auch der Pilot aus Neuwied konnte selbstständig aus den Trümmern klettern. Er zog sich Prellungen und eine Schnittwunde am Arm zu. Angesichts der Horrorbilder vom Unfall sind diese eher harmlosen Verletzungen nahezu ein Wunder.

Nach dem ersten Drittel hatte Audi somit nur noch ein Eisen im Feuer. Aber dieses Eisen war perfekt geschmiedet. Treluyer, Fässler und Lotterer konnten ein unglaublich hohes Tempo gehen, zwangen die Peugeots zu einer wilden Aufholjagd. Die größte Gefahr für das Trio lauerte in der Nacht. Bei kühlen Temperaturen wurden die Löwen schneller. Vor allem Alexander Wurz drehte auf, setzte sich zeitweise in Führung.

Mit Sonnenaufgang am Sonntagmorgen bekam Audi wieder Oberwasser. Man setzte sich um rund eine Minute von der Konkurrenz ab, hatte aber einen taktischen Nachteil. Peugeot konnte bei jedem Stint eine Runde mehr fahren, sparte sich auf die Distanz somit einen Service. Die Audianer blieben jedoch cool, fuhren das Rennen ihres Lebens. Die Spannung war in jeder Minute regelrecht greifbar. Besonders dann, als am Vormittag Nieselregen einsetzte.

Und dann noch Regen...

Bei leicht nassen Bedingungen hatte Peugeot erneut Vorteile. Bourdais, Pagenaud und Lamy holten auf, die beiden anderen Peugeots waren zu jenem Zeitpunkt durch Zwischenfälle und Strafen um zwei beziehungsweise vier Runden zurückgefallen. Es lief also letztlich auf ein Duell heraus: Andre Lotterer auf Audi R18 TDI gegen Simon Pagenaud im Peugeot 908.

Nach den abschließenden Tankstopps rund 35 Minuten vor dem Rennende lagen zwischen Lotterer und Pagenaud gerade einmal 6,4 Sekunden. Der Franzose quetschte seinen 908 komplett aus, dennoch baute der Duisburger seinen Vorsprung aus. Erst als in Hitchcock-Manier noch einmal Nieselregen einsetzte, gewann Pagenaud wieder etwas an Zeit.


Fotos: 24 Stunden von Le Mans, Rennen


Der Franzose konnte den Rückstand noch einmal auf etwa zehn Sekunden drücken. Doch Lotterer behielt die Nerven, hatte Glück, dass der Regen schnell wieder abzog. Nach 24 Stunden fuhr der Audi R18 TDI mit der Startnummer zwei mit einem Vorsprung von 13,4 Sekunden über die Linie. Kleine Randnotiz nach dem heutigen Sieg: Ab sofort besitzen alle neun Stammfahrer aus dem Sportwagen-Kader von Audi eine Le-Mans-Sieger-Rolex.

Hinter Pagenaud/Bourdais/Lamy holten deren Peugeot-Kollegen Montagny/Sarrazin/Minassian den letzten Podestrang. Der 908 von Alexander Wurz und seinen Kollegen Anthony Davidson und Marc Gene war zwar zwischenzeitlich in Front, wurde aber nach diversen Problemen nur als Vierter gewertet. Den fünften Rang fuhr der Oreca-Peugeot ein, auf Gesamtrang sechs platzierte sich mit dem Rebellion-Toyota (Jani/Bleekemolen/Prost) der beste Benziner.

Pescarolo: So nahe vor dem Ziel

Die inoffizielle Benziner-Krone hätte eigentlich an Pescarolo gehen müssen. Die "Grünen" aus Frankreich hatten die Konkurrenten sicher im Griff. Mit großem Vorsprung ging man am Sonntagnachmittag auf die Zielgerade des Rennens. Dann der Schock: Emmanuel Collard stopfte den Pescarolo-Judd auf feuchter Fahrbahn heftig in die Reifenstapel. Leerer Blick bei Henri Pescarlo, Tränen in den Augen seiner Frau Madie.

Adrian Fernandez, Harold Primat

Aston Martin schaffte mit beiden Autos zusammen sechs Runden Zoom

Auch OAK hatte kein Glück. Das Team vom Jacquet Nicolet verlor beide LMP1-Autos mit technischen Gebrechen, nur eines der LMP2-Autos schaffte die kompletten 24 Stunden. Noch schlimmer erging es allerdings dem Werksteam von Aston Martin. Nach nur zehn Minuten war der Auftritt mit dem AMR-One eredigt, man reiste ab. "Ich bin schon am Kanal-Tunnel. Wenn ich gewusst hätte, welch tolles Rennen es gibt, wäre ich geblieben", so Darren Turner per Twitter.

"Es war das beste Sportwagenrennen, das ich jemals erlebt habe. Wir hatten einen starken Gegner, der uns alles abverlangt hat. Das war großer Sport", jubelt Audi-Sportchef Wolfgang Ullrich. "Auf diesen Sieg bin ich besonders stolz. Es war ein Sieg der Effizienz", fügt Audi-Motorenchef Ulrich Baretzky schmunzelnd hinzu. Die Verantwortlichen von Peugeot gratulierten nach dem harten Kampf sofort.

"Natürlich bin ich enttäuscht. Wir kommen hierher, um zu gewinnen. Das hat nicht geklappt", gibt Peugeot-Technikchef Bruno Famin zu Protokoll. Mit finsterem Gesichtsausdruck erklärt Lokalmatador Sebastien Bourdais: "Man kämpft 24 Stunden lang, gibt wirklich jederzeit alles. Und am Ende fehlen 13,4 Sekunden. So ist es eben manchmal. Das ist echt hart."

Corvette siegt zum Jubiläum

In der LMP2-Klasse erlebten alle Teams ihre kleinen oder größeren Dramen. Am Ende siegten Lombard/Kimber-Smith/Ojjeh im Zytek-Nissan von Greaves. Die Plätze zwei und drei in der kleinen Prototypenklasse gingen an Signatech-Nissan und den Lola-HDP von Level 5. Der favorisierte Oreca-Nissan schied ebenso aus wie das Strakka-Auto und der Pecom-Lola mit dem Deutschen Pierre Kaffer.

In der GTE-Pro-Klasse zeigte Corvette im Rennen endlich den wahren Speed und fuhr der Konkurrenz teils deutlich davon. Dennoch geriet der Sieg in Gefahr. Jan Magnussen warf sein Auto deutlich in Führung liegend in einen Crash. Der Däne kam wild aus einem Linksknick, erwischte dabei die Fahrertür des Porsches von Horst Felbermayr, der hart einschlug.

Schöne GTE-Fights: Corvette besiegte BMW und Ferrari Zoom

Der Österreicher erlitt bei dem Crash leichte Verletzungen, für Magnussen war das Rennen beendet. Anschließend konnten sich allerdings die Markenkollegen Beretta/Milner/Garcia noch ganz nach vorne kämpfen. Corvette durfte somit also doch noch den heiß ersehnten Le-Mans-Erfolg zum 100-jährigen Jubiläum von Chevrolet feiern.

Platz zwei ging an AF Corse (Fisichella/Vilander/Bruni) vor Priaulx/Müller/Hand im besten BMW. Die Münchener hatten im Rennen zunächst einen guten Speed gezeigt, waren aber aufgrund von Reifenschäden und kleinen technischen Problemen immer wieder ins Hintertreffen geraten. Der M3 von Farfus/Müller/Werner beendete das Rennen aufgrund starker Vibrationen vorzeitig.

Die Vorjahressieger der GT-Klasse hatten 2011 viel Pech. Marc Lieb, Richard Lietz und Wolf Henzler (Porsche) schafften bei der 79. Auflage des Klassikers Rang vier. Stark: Trotz einiger Schwierigkeiten fuhr Jetalliance-Lotus beim Le-Mans-Debüt des neuen Evora auf Anhieb mit einem Auto durch. In der GTE-Am-Klasse siegten Gabriele Gardel, Julien Canal und Patrick Bornhauser in der Larbre-Corvette.

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