Aktuelle Bildergalerien
ANZEIGE
Folgen Sie uns!
Motorsport-Total.com bei Facebook Motorsport-Total.com bei Google+ Motorsport-Total.com bei Twitter RSS-Feeds von Motorsport-Total.com
ANZEIGE
Apps zu Formel 1, MotoGP, DTM und Co. für Android, iOS und Windows Phone
Apps zu Formel 1, MotoGP, DTM und Co. für Android, iOS und Windows Phone
Motorsport-Total Business-Club
Sie sind hier: Home > WTCC > Newsübersicht > Kolumne

Kolumne zur WTCC-Saison 2015: Es war nicht alles schlecht

26. Dezember 2015 - 14:24 Uhr

Redakteur Markus Lüttgens zieht eine durchwachsene Saisonbilanz der WTCC 2015 und erklärt, warum es 2016 Grund zur Hoffnung gibt

Start
Die WTCC steuert - wieder einmal - auf ein entscheidendes Jahr zu
© WTCC

(Motorsport-Total.com) - Verehrte Freunde der umgekehrten Startaufstellung,

die Tourenwagen-Weltmeisterschaft wird 2016 zwölf Jahre alt. Bei einem Kind würde man sagen, es sei jetzt in den Flegeljahren. Doch Flegeleien hatte das Kind WTCC in diesem Jahr kaum zu bieten - sieht man einmal von gelegentlichen Verbalinjurien von Tom Coronel oder Rempeleien von Gabriele Tarquini ab. Vielmehr wirkte die WTCC in dieser Saison teilweise wie ein etwas lethargischer Teenager.

ANZEIGE

Das lag vor allem am sportlichen Geschehen, dass ziemlich einseitig und vorhersehbar war. Denn wer gehofft hatte, die Konkurrenz würde den Rückstand auf die im Vorjahr dominierenden Citroen verkürzen, wer erwartet hatte, Honda könne mit dem Civic einen Sprung nach vorne oder Lada mit dem neuen Vesta das trostlose Mittelfeld verlassen, der wurde 2015 enttäuscht. Das Gegenteil war der Fall.

"Pechito" Lopez ein verdienter Weltmeister

Der französische Hersteller war in dieser Saison noch stärker als 2014, was nicht zuletzt an dem größeren Aufgebot von ingesamt fünf Fahrzeugen lag. Gerade einmal drei der 24 Rennen wurden von Honda gewonnen, alle anderen Triumphe sackte Citroen ein. Erinnerungen an die Dominanz der "Blue Boys" von Chevrolet wurden wach.

Nun muss die Vormachtstellung eines Herstellers per se nichts schlechtes sein, wie der Blick zurück ins Jahr 2012 beweist. Dort dominierte Chevrolet, doch ob Rob Huff, Alain Menu oder Yvan Muller Weltmeister wird, entschied sich erst beim Saisonfinale in Macau. Drei Jahre später war hingegen frühzeitig klar, wohin die Reise gehen und dass Jose-Maria Lopez nur durch äußere Einflüsse den zweiten Titelgewinn in Folge verpassen kann.

Pole-Position und Start-Ziel-Sieg in Rennen eins - das war das Erfolgsrezept, mit dem "Pechito" frühzeitig den Kurs Richtung Meisterschaft setzte. Und es gibt wohl kaum jemandem im Fahrerlager, der dem sympathischen und stets fröhlichen Argentinier diesen Titel nicht gönnt. Vielleicht auch, weil seine aufgeschlossene und freundliche Art im krassen Gegensatz zum Auftreten seines Arbeitgebers Citroen steht.

Citroen verspielt alle Sympathien

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Die Leistung von Citroen verdient allerhöchsten Respekt. Ihr Auftritt ist professioneller (aber auch deutlich kostspieliger) als der ihrer Konkurrenten. Sie haben die Möglichkeiten optimal ausgenutzt, ein erstklassiges Fahrzeug auf die Räder gestellt und mit Spitzenfahrern reichlich Pokale abgestaubt. Doch Sympathien haben sie in den vergangenen beiden Jahren nicht gewonnen.

Dazu trägt zum einen der völlig abgekapselte Auftritt im Fahrerlager bei, der im völligen Kontrast zu allen anderen Teams steht, bei denen die Tür der Box für uns Journalisten stets offen steht. Aber auch das Verhalten auf der Strecke hatte einen Imageschaden zur Folge, und hier spreche ich vor allem die Mätzchen im Qualifying von Vila Real an, wo sich Yvan Muller und Qing-Hua Ma mit Runden im Schleichtempo in die erste Startreihe des zweiten Rennens bremsten und dabei Konkurrenten behinderten.

Da fragt man Citroen wirklich: Was soll das? Sind euch 20 Saisonsiege nicht genug? Müsst ihr mit einem überlegenen Auto zu solch schmutzigen Tricks greifen? Muss man der Konkurrenz mit solchen Machenschaften die seltenen Chancen auf einen Moment im Rampenlicht versauen? Offensichtlich schon, denn wie wenig Citroen am Wohle der Meisterschaft gelegen ist, zeigt ihre Entscheidung, nach nur drei Jahren Ende 2016 wieder auszusteigen und schon im nächsten Jahr einen Weltstar wie Sebastien Loeb zu schassen.

Kann der schwedische Weg von Volvo funktionieren?

Volvo S60 Polestar auf der Rennstrecke
Mit zwei schwedischen Fahrern steigt Volvo in die WTCC ein
© Polestar Cyan Racing

Die Beschlüsse von Citroen sind auch für WTCC-Promoter Eurosport Events wie ein Schlag ins Gesicht. In Paris dürfte man sich überlegen, ob man Neueinsteigern gegenüber zukünftig zu ähnlichen Zugeständnissen bereit ist, wie es bei Citroen der Fall war. Für sie hatte die WTCC die Einführung des TC1-Reglements um ein Jahr auf 2014 vorgezogen. Damit hatte man nicht nur den Mitbewerbern vor den Kopf gestoßen, sondern gleichzeitig auch die Basis für die aktuelle Citroen-Dominanz gelegt.

Immerhin stehen die Chancen ganz gut, dass eine Wiederholung des Citroen-Szenarios beim nächsten Neueinsteiger nicht droht. Denn nachdem der Einstieg von Volvo bei mir zunächst für große Vorfreude gesorgt hatte, sehe ich die Vorbereitungen der Einsatzmannschaft Cyan mittlerweile etwas skeptisch. Das fängt schon mit der Fahrerfrage an.

Ich hätte erwartet, dass Volvo für die Entwicklung des S60 Polestar auf die Expertise eines gestandenen WTCC-Profis vertraut. Stattdessen setzt man mit den beiden Schweden Fredrik Ekblom und Thed Björk auf zwei Piloten, die zusammen auf die Erfahrung von gerade einmal acht WTCC-Rennen zurückblicken können, die im Fall von Ekblom aber auch schon acht Jahre her sind.

Highlights 2015: Nordschleife und Vila Real

Für Stirnrunzeln im Fahrerlager sorgte dann auch eine Stellenanzeige von Volvo, in der ein Ingenieur für das WTCC-Team gesucht wurde. Zum Anforderungsprofil gehörte unter anderem, dass der Bewerber schwedisch spricht. Da muss man Volvo fast schon zurufen: Viel Glück, ihr werdet es brauchen. Bei allem Charme, den ein Nationalteam hat, scheint das für mich kein sonderlich erfolgversprechender Weg zu sein. Ich bin gespannt, wie sich Volvo in der Saison 2016 schlagen wird.

Die Flop 10 der WTCC-Saison 2015

Öder Rennen, schwache Leistungen, fragwürdiges Verhalten: Das hat uns in der WTCC-Saison 2015 gar nicht gefallen


2015
Foto 1 von 10
Losail: Ein Nachtrennen unter Flutlicht hat zwar seinen Reiz, aber wenn dabei nicht einmal 2.000 Zuschauer auf der Tribüne sitzen, kommt trotzdem keine Stimmung auf. Losail kann als Saisonfinale nicht einmal ansatzweise Macau ersetzen und ist abgesehen von ein paar schönen TV-Bildern keine Bereicherung im Rennkalender der WTCC.
Losail: Ein Nachtrennen unter Flutlicht hat zwar seinen Reiz, aber wenn dabei nicht einmal 2.000 Zuschauer auf der Tribüne sitzen, kommt trotzdem keine Stimmung auf. Losail kann als Saisonfinale nicht einmal ansatzweise Macau ersetzen und ist abgesehen von ein paar schönen TV-Bildern keine Bereicherung im Rennkalender der WTCC.

Am Ende des Jahres möchte ich aber nicht nur kritisieren oder skeptisch in die Zukunft blicken, denn die WTCC hat im Jahr 2015 auch einiges richtig gemacht. Allem voran mit der Umstellung des Rennkalenders. Auf der Nürburgring-Nordschleife zu fahren, war ein Wagnis, das sich ausgezahlt hat. Die Rückkehr einer Weltmeisterschaft in die "Grüne Hölle" war ein Erlebnis, das alle Beteiligten nachhaltig geprägt hat. Ich freue mich schon sehr auf die Wiederholung im nächsten Jahr.

Auch der Stadtkurs im portugiesischen Vila Real ist eine Bereicherung für die WTCC und mit seinen schnellen Passagen und dem Wechsel von Bergauf- und Bergabpassagen ein wirkliches Highlight. Motegi ist für Tourenwagen sicherlich eine deutlich geeignetere Strecke als Suzuka, was auch für den Kurs in Buriram gilt. Allerdings ist es schon ein bisschen peinlich, groß mit einem Rennen in der Abenddämmerung zu werden und dieses dann abzubrechen, weil es nach einer Verzögerung zu dunkel wird.

Kann die Konkurrenz 2016 den Citroen-Durchmarsch stoppen?

Und was erwartet uns im nächsten Jahr? Höchstwahrscheinlich ein Titelhattrick von Jose-Maria Lopez. Alles andere würde mich sehr überraschen. Der Argentinier ist ein exzellenter Fahrer, der Citroen C-Elyssee klar das schnellste Auto. Und Citroen wird trotz des reduzierten Engagements sicherlich nicht so weit nachlassen, dass die Konkurrenz Lopez und Muller um die Ohren fahren wird.

Allerdings, und das darf der Konkurrenz Grund zu Hoffnung geben, setzen die Franzosen nur noch zwei Werksautos ein. Und ob ein Mehdi Bennani, Gregoire Demoustier und wer auch immer in ihren privaten Citroens des Teams von Sebastien Loeb konstant vorne mitfahren können, muss sich erst zeigen. Daher könnte die Konkurrenz ein größeres Stück vom Kuchen abbekommen, auch aufgrund der Umstellung des Rennformats mit der umgekehrten Startaufstellung im ersten Lauf.

Für Honda wird das Jahr 2016 zu einer Bewährungsprobe. Wenn es den Japanern in der nächsten Saison nicht gelingt, konstant um Siege zu fahren, bleiben eigentlich nur noch zwei Möglichkeiten: Den Civic durch ein geeigneteres Modell ersetzen oder das WTCC-Engagement zu beenden. Lada hat 2015 immer wieder angedeutet, was mit dem Vesta möglich ist. Hier würde eine professionellere Arbeit des Teams vielleicht schon den entscheidenden Schritt nach vorne bringen.

Die Zutaten für eine ausgeglichenere Saison sind also vorhanden, nun kommt es darauf an, was die Chefköche der WTCC daraus bereiten. Eine neuerlicher Citroen-Markenpokal mit internationaler Beteiligung wäre auf jeden Fall fatal. Dann könnten auch die letzten treuen Fans der Serie den Rücken kehren und sich andere Plattformen wie die TCR suchen. Daher WTCC: Mach was draus!

Markus Lüttgens

Artikeloptionen
Artikel bewerten