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Kolumne: Alles richtig gemacht, WTCC!

19. Mai 2015 - 12:15 Uhr

Eine Sternstunde der Tourenwagen-WM: Redakteur Stefan Ziegler schildert seine Eindrücke zur Rennpremiere der WTCC auf der Nürburgring-Nordschleife

Jose-Maria Lopez
Jose-Maria Lopez auf der Nordschleife: Die WTCC hat einen neuen Saisonhöhepunkt
© Citroen

(Motorsport-Total.com) - Liebe Leser,

ich lege mich fest: Das Rennwochenende an der Nürburgring-Nordschleife war eine Sternstunde der Tourenwagen-WM (WTCC). Denn mit ihrem Auftritt auf der vielleicht schwierigsten Rennstrecke der Welt hat die Meisterschaft sehr viele Pluspunkte gesammelt. Vor allem aber hat sie ihre Kritiker eines Besseren belehrt und selbst diejenigen positiv überrascht, die zunächst skeptisch gewesen waren.

Denn entgegen aller pessimistischen Erwartungen, wonach das WTCC-Debüt auf der Nordschleife einem "Crashfestival" gleichen würde, blieben schwere Unfälle aus. In den Rennen gab es sogar nur zwei kleine Abflüge und beide Male hielt sich der Schaden an den Fahrzeugen in Grenzen. Alle Piloten kehrten unverletzt von ihrer Fahrt, die 'Eurosport' perfekt in Szene gesetzt hatte, zurück.

Die TV-Aufnahmen begeistern restlos

Und ich muss sagen: Die TV-Bilder haben mich restlos begeistert! Wer sich bei den Hubschrauber-Aufnahmen an die Tour de France erinnert fühlte, der lag übrigens richtig: 'Eurosport' hat eigens für die Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife die Crew des berühmten Radrennens engagiert. Die Inszenierung der WTCC in der "grünen Hölle" hat hervorragend funktioniert. Eine glatte Eins für diese Bemühungen!

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Ja, das Starterfeld der WTCC hätte größer sein dürfen und es wohl auch sein müssen. 17 Autos im ersten Rennen, nur 15 Fahrzeuge in Lauf zwei - das ist ganz klar zu wenig für eine WM. Allerdings, und das muss man den Machern wiederum zugutehalten, hat die TV-Übertragung die geringe Anzahl an Rennwagen geschickt kaschiert. Und die befürchtete Langeweile ist auch nicht eingetreten.

Natürlich hat sich das Feld auseinandergezogen. Und natürlich kam es auf der Nordschleife nicht zu engen Rad-an-Rad-Duellen. Das lässt diese Rennstrecke aber auch nur sehr eingeschränkt zu. Für mich haben die klasse TV-Bilder jedenfalls schon ausgereicht, um gebannt zu verfolgen, was auf dem Kurs vor sich ging. Und das zweite Rennen hat dann ja auch noch einiges an Action ausgepackt.

Vier Autos in einer Sekunde!

Die Schlussphase war erste Sahne: Die Positionen eins bis vier waren derart umkämpft, dass erst auf dem Zielstrich die Entscheidung fiel. Vier Autos in einer Sekunde nach insgesamt 75 Kilometern auf der Nordschleife: Wer hätte denn schon mit einem solch engen Finish gerechnet? Das war Werbung in eigener Sache für die Tourenwagen-WM und den Sport, den sie bietet. Zumindest auf dem Papier.

Tatsache ist leider auch: Die Überlegenheit von Citroen ist erdrückend, die offensichtliche Topspeed-Schwäche von Honda ein großes Problem. Dieses Ungleichgewicht der Kräfte im Starterfeld steht der Rennserie nicht gut zu Gesicht. Es war zwar sehr spektakulär, wie Jose-Maria Lopez auf den letzten Metern beide Honda-Werksfahrer vernascht hat, doch darin zeigte sich auch die große Baustelle der WTCC.

Trotzdem hat die Tourenwagen-WM an der Nordschleife viele Pluspunkte gesammelt. Ein Beispiel: Die WTCC-Autos wurden seit eher als "Einkaufswagen" statt als Rennwagen wahrgenommen. Das hat sich auch mit dem Wechsel zum TC1-Reglement kaum verändert. Ein Porsche-Cup-Fahrzeug hingegen gilt als klassischer und guter Rennwagen mit starkem Motor und solider Aerodynamik.

Die WTCC poliert ihr Image auf

Und auf einmal fahren diese beiden so unterschiedlich bewerteten Autos auf der Nürburgring-Nordschleife fast auf die Zehntelsekunde genau die gleichen Rundenzeiten! Auch das hat für eine positive Überraschung gesorgt, wobei dieser Vergleich natürlich ein bisschen hinkt: Für den Porsche-Cup galt an manchen Stellen das neue Tempolimit, für die Tourenwagen-WM galt eben dieses nicht.

Das Image der WTCC dürfte dieser Umstand dennoch aufpoliert haben. Und positiv wahrgenommen wurde sicher auch das Auftreten im Fahrerlager. Denn die Tourenwagen-WM hat sich vor Ort nicht als "Headliner" gesehen, sondern war auf einer kleinen Fläche im Fahrerlager in einer Zeltstadt untergebracht. Eine WM zum Anfassen, ohne Absperrungen, frei zugänglich - so gewinnt man neue Fans!

Die große Hoffnung von Serienchef Francois Ribeiro ist aber auch, dass bald neue Marken und neue Fahrer zur WTCC stoßen - inspiriert vom TC1-Reglement und hauptsächlich von den Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife. Das könnte auch funktionieren. Denn das Interesse an der Meisterschaft ist alleine durch diesen Austragungsort spürbar angestiegen. Und das schon vor dem ersten Rennwochenende!

Die Tourenwagen-WM kommt wieder!

Man darf also gespannt sein, was die WTCC-Premiere in der "grünen Hölle" in naher Zukunft bewirkt. Zumal es nicht bei einem einmaligen Auftritt bleibt: Mindestens bis 2017 fährt die Tourenwagen-WM im Rahmenprogramm des 24-Stunden-Rennens. Und einige Beobachter glauben schon jetzt: Die WTCC-Rennen an der Nordschleife haben das Potenzial, zu einem echten Klassiker zu werden.

Davon bin auch ich überzeugt. Sofern es Ribeiro und Co. gelingt, ein größeres und vor allem besser ausgeglichenes Starterfeld zu schaffen. Das ist die Hauptsache, dass die WTCC langfristig auf der Nordschleife funktioniert. Denn alles andere passt - auch das Rennformat. Drei Runden reichen völlig aus und entsprechen dem Spirit der Rennserie. Für alles andere gibt es ja noch das 24-Stunden-Rennen.

Und so lautet mein Nordschleifen-Fazit für die WTCC: Alles richtig gemacht! Und das auf einer der größten Bühnen, die der Motorsport kennt. Der Mut, es einfach zu probieren, wurde belohnt. Jetzt wäre es den Verantwortlichen zu wünschen, dass "mehr" daraus wird. Eine Sternstunde war der Auftritt auf der Nürburgring-Nordschleife in jedem Fall. Und wahrscheinlich der größte Meilenstein in der Geschichte der WTCC.

Beste Grüße & schon jetzt viel Vorfreude auf 2016!

Euer

Stefan Ziegler

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