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Heidfeld-Interview: Ruhiger Schlaf und Hulk im Audi

26. Dezember 2012 - 08:42 Uhr

Vor dem Mythos Le Mans machen auch die Stars der Formel 1 nicht Halt: Nick Heidfeld über seine besonderen Erlebnisse und Erfahrungen an der Sarthe

Nick Heidfeld
Nick Heidfeld feierte 2012 seine erste Le-Mans-Zielankunft
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Die 24 Stunden von Le Mans stehen für technischen Wettbewerb, für lange Tradition, für Triumphe und Tragödien. Im Mittelpunkt dieses unvergleichlichen Events stehen die Piloten, die an der Sarthe nicht nur Fahrer, sondern auch automatisch Helden sind. Das größte Rennen der Welt wird seit 1923 auch geprägt durch echte Typen. 2012 kehrte ein ehemaliger Formel-1-Star nach Le Mans zurück. Nick Heidfeld wollte eine alte Rechnung begleichen.

Frage: "Nick, denkst du oft an Le Mans?"
Nick Heidfeld: "Ja, klar. Le Mans ist etwas Großes, etwas wirklich Besonderes. Ich war 1999 schon einmal dort, als damals der Mercedes geflogen ist. In diesem Jahr war es ein komplett anderes Erlebnis. Ich war kürzlich bei der Jahresabschluss-Feier von Rebellion. Ich musste dort auf die Bühne und sollte dort eine Anekdote vom diesjährigen Rennen erzählen. Da habe ich mir absolut den Kopf zerbrochen. Das wirklich Außergewöhnliche in diesem Jahr war, dass es keine echte Anekdote gab. Ich habe auch mit den anderen Rebellion-Teammitgliedern darüber gesprochen."

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"Da sind einige wirklich erfahrene Leute dabei. Die sagten, dass man eigentlich viele, viele Jahre in Le Mans fahren muss, um so etwas mal zu erleben. Von Anfang bis Ende ging es bei uns relativ problemlos. Wir hatten am Ende leichte Schwierigkeiten mit der Kupplung und auch andere Kleinigkeiten. Aber insgesamt war es technisch ohne großen Stress. Ich habe nachts durchgeschlafen wie ein Baby, es lief alles wie am Schnürchen. So etwas ist in Le Mans wirklich außergewöhnlich."

Frage: "Der Event in Le Mans ist auch vom Umfang her außergewöhnlich. Es zieht sich über eine Woche. Gab es im Verlauf dieser Zeit einen Moment, der dir besonders haften geblieben ist?"
Heidfeld: "Eigentlich finde ich es übertrieben, es über eine gesamte Woche hinzuziehen. Das geht ja schon mit der technischen Abnahme eine Woche vor dem Rennen los."

"Auf der anderen Seite ist das aber auch cool, dort durch die Stadt zu fahren. Das Wetter war zwar bescheiden, aber trotzdem war es rappelvoll. Das macht schon Spaß. Im Verlauf einer solchen Le-Mans-Woche gibt es aber natürlich auch so einige Leerlaufphasen. Genau diese Momente zählen aber dazu. Dort baut sich die Spannung bis hin zum Rennstart so richtig auf."

Sebring als beeindruckender Schauplatz

Frage: "In Le Mans und in der dortigen Region ist man stolz auf das traditionsreiche Rennen. Gibt es einen anderen Schauplatz, an dem ein Rennen so dermaßen geliebt und gelebt wird?"
Heidfeld: "Das ist dort wirklich beeindruckend. Aber so ähnlich gibt es das auch in der Formel 1. Dort ist es aber völlig unterschiedlich. An manchen Locations denkst du, das es höchstens einen Toten interessiert, an anderen Orten ist die Begeisterung riesig. In Kanada ist dies beispielsweise so. Dort in Montreal ist die Stadt auch immer richtig voll, ähnlich wie in Le Mans."

"Der Event in Le Mans ist glücklicherweise so dermaßen groß, sodass dort natürlich nicht nur Menschen aus der Region sind, sondern die Fans kommen aus der ganzen Welt. Wenn ich in diesem Jahr mit Menschen gesprochen habe, dann kam fast immer das Thema Le Mans. Das ist bei diesem Rennen eben so, dass selbst Menschen, die nicht so Motorsport-affin sind, Le Mans als etwas ganz Besonderes wahrnehmen. Das hat schon einen unglaublichen Stellenwert."

Frage: "Du hast Sebring als Vorbereitung auf Le Mans absolviert, hast dann später auch die 24 Stunden auf dem Nürburgring absolviert. Du hast dir also 2012 den Traum von der Teilnahme an echten Langstreckenklassikern erfüllt. Welcher Event ist am meisten in Erinnerung geblieben?"
Heidfeld: "Am meisten haften geblieben ist von Le Mans, aber überraschender war für mich Sebring. Le Mans hatte ich 1999 zumindest teilweise miterlebt. Das war auch der Zeitpunkt, an dem ich gesagt habe, dass ich unbedingt noch einmal dorthin zurück muss, weil es ganz anders und viel toller ist, als ich es mir vorher vorgestellt hatte."

"Ähnlich bin ich in diesem Jahr nach Sebring gekommen, ohne genau zu wissen, was mich dort in den USA erwartet. Die Atmosphäre bei diesem 12-Stunden-Rennen ist mit den amerikanischen Fans unglaublich gut. Da war es auch anders und toller, als ich es vorher erwartet hatte. Vom Nürburgring ist leider hauptsächlich hängengeblieben, dass wir nach vier Stunden schon raus waren. Das war natürlich ein bisschen schade."

Frage: "War der Eindruck aus Le Mans so nachhaltig, dass du dort noch einmal antreten möchtest?"
Heidfeld: "Auf jeden Fall. Ich hatte zwar nach 1999 gesagt, dass ich nur nochmal dorthin zurück möchte, um dort zu Ende zu fahren und etwas erfolgreicher zu sein. Genau das habe ich in diesem Jahr geschafft. Wir sind zu Ende gefahren, sind Vierter geworden und waren bestes Privatteam - mehr kann man nicht verlangen. Aber es ist jetzt nicht so, dass ich es damit nun abgehakt hätte. Der Spaßfaktor ist einfach zu groß. Das möchte ich nicht nur noch ein Mal, sondern am liebsten noch ziemlich oft erleben. Nach Möglichkeit möchte ich dort eines Tages gewinnen."

Wie "Hulk" seinen Audi zerrupft

Frage: "Alex Wurz hat mal gesagt, dass er sich immer ein bisschen wie Steve McQueen fühlt, wenn er in Le Mans ist. Hast du dieses heroische Gefühl auch?"
Heidfeld: "Es stimmt schon, dass man sich als Fahrer dort anders fühlt. Man kann es halt micht gar nichts anderem vergleichen. Bei einem solchen 24-Stunden-Rennen geht man üblicherweise deutlich mehr durch Höhen und Tiefen, man muss gewisse Entscheidungen treffen. Ich erinnere mich zum Beispiel in diesem Zusammenhang an die Szene, als der Audi mit der Startnummer 3 in der ersten Schikane in den Reifenstapeln gelandet ist."

"Wir dachten in diesem Moment, dass wir vielleicht mit Glück - aufgrund des Pechs eines anderen - noch einen Platz nach vorne rutschen könnten. Da springt der Romain Dumas aus seinem Auto, reißt wie ein Hulk mit aller Kraft vorne die kaputte Verkleidung weg und fährt wieder zurück auf die Strecke. Das sind Szenen, die sieht man nur bei einem solchen Rennen. So etwas gibt es nur in Le Mans. Für die Zuschauer und die gesamte Atmosphäre ist so etwas fantastisch - auch wenn es für uns in diesem Fall nicht toll war, dass die Audis nach allen Rückschlägen immer wieder zurückkamen."

Frage: "Wie war für dich die Umstellung auf den Langstreckensport?"
Heidfeld: "Der größte Unterschied zur Formel 1 ist, dass man sich ein Auto mit mehreren Fahrern teilt. Das ist schon ganz anders. Bei so etwas kommt es wirklich ganz stark darauf an, wen du an deiner Seite hast. Da konnte ich mich wirklich glücklich schätzen, denn ich hatte mit dem Neel und dem Nicolas zwei absolute Topleute mit im Wagen. Jeder kann mal Mist bauen. Aber bei den beiden wusste ich, dass niemand irgendwelchen Blödsinn macht. Wenn dann doch etwas passieren sollte, dann schaut man darüber hinweg."

Frage: "Drei Mann pro Auto heißt auch, dass du phasenweise in Le Mans nicht fahren konntest, sondern Zuschauer warst..."
Heidfeld: "Ja, ganz genau. Und das war begeisternd. Wenn man gesehen hat, wie Audi und Toyota n der Spitze phasenweise gekämpft haben, dann war das unglaublich. Nicht nur, weil Toyota im ersten Jahr dabei war, fand ich das beeindruckend. Was mich vom Hocker gerissen hat: Es ist ein 24-Stunden-Rennen und dann siehst du Szenen, wie einer den anderen über die Wiese überholt, der andere sich in der nächsten Kurve wieder nach vorne bremst. Das war dramatisch aus Zuschauersicht."

Frage: "Wie steht es um die Saison 2013? Sehen wir dich in der WEC?"
Heidfeld: "Es gibt zurzeit Gespräche. Ich kann noch nicht sagen, in welche Richtung es geht. Aber es wird nicht mehr lange dauern, dann werden wir mehr wissen."

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