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Pharaonen-Rallye: Brennend heißer Wüstensand

06. Oktober 2008 - 17:50 Uhr

Die diesjährige Auflage ist gestartet: Sieben Tage lang gehen Männern und Maschinen in der Wüste am Fuße der Pyramiden an ihre Grenzen

Pharaonen-Rallye Start
Am Fuße der berühmten Pyramiden: Der Start zur diesjährigen Pharaonen-Rallye
© MST

(Motorsport-Total.com) - Die Pyramiden von Gizeh haben in den 4500 Jahren ihres Bestehens schon einiges erlebt, aber was sich inzwischen jedes Jahr im Oktober auf dem Gelände abspielt, ist sogar für ein antikes Weltwunder etwas Besonderes. Bei Sonnenaufgang sammeln sich weit über 100 Motorräder, Geländewagen und Trucks vor der erhabenen Kulisse der ägyptischen Pyramiden.

Die elfte "Rallye des Pharaons" ist dieses Jahr am gestrigen Sonntag, 5. Oktober, in Gizeh bei Kairo gestartet und führt in sieben Tagesetappen 2966,65 Kilometer durch die Wüste im nördlichen Ägypten. Das Teilnehmerfeld ist international, die überwiegende Mehrheit der Fahrer und Teams kommt jedoch - wie der Veranstalter JVD - aus Italien. Aus Deutschland kommt der Copilot Thomas Holzknecht (im Buggy mit dem Ägypter Abou Youssef Abdul Hamid).

Staunend betrachten die ägyptischen Motorsport-Fans die Szene am Start, als die Enduros von der Startrampe in die Wüste davonbrausen, alle Fahrer guter Laune, alle noch blitzsauber und erholt, frisch aus dem Kairoer Luxushotel. Vor ihnen liegen sechs Tage Wüste mit Zelt, Waschen am Trog aus zersägten Öltonnen und, wie die Einheimischen sagen, einer für die Jahreszeit ungewöhnlichen Hitzwelle.

Etappe zum "warm werden", Infusionen inklusive

Pharaonen-Rallye
Wüste, Staub und Hitze: Das gehört bei der Pharaonen-Rallye dazu
© MST

101 Motorräder und Quads, 20 Autos und vier Trucks gingen im großen Rennen an den Start. Die erste Etappe von Kairo führte am Sonntag über sandiges und steiniges Gelände sowie einige Dünenpassagen in das Oasendorf Baharija. Eine Etappe zum "warm werden", mit abwechslungsreicher Strecke, wüstentypischem Gelände und gut verteilten Schwierigkeiten. Der hoch favosisierte Franzose David Casteu (auf KTM 690 Rally, Team Vectra) sah nach 389,24 Kilometern und 3:36.05 Stunden erwartungsgemäß als erster das Ziel, ebenso erwartungsgemäß gefolgt von seinem niederländischen Rivalen Frans Verhoeven (KTM, Team Vectra) und dem Italiener Oscar Polli (KTM, Team Free Racing).

Bei den Autofahrern konnte sich der Chilene Carlo de Gavardo mit dem französischen Beifahrer Jean Brucy (im Chevrolet D-Max, Team GT Offroad) um eine Minute und 15 Sekunden von seinen Verfolgern absetzen und erreichte vor dem französischen Dessoude-Team mit Fahrer Christian Lavieille (Nissan Hardbody) das Etappenziel. Holzknecht und Hamid fuhren den schnellsten Buggy.

Warm war danach allen Teilnehmern - und die Rennärzte im Camp hatten jede Menge überhitzte Köpfe zu kühlen und Infusionen gegen akuten Flüssigkeitsmangel zu legen. Die Laune im Camp war dennoch entspannt - vor allem im großen arabischen Beduinenzelt, Treffpunkt, Infozentrale, Kantine und Wasserstelle in einem.

Aus der "schwarzen" in die "weiße Wüste"

Die erste Etappe sollte aber nur die Vorspeise sein für die Wüstenrunde des zweiten Tages. In Baharijy gestartet führte die anspruchsvolle Strecke nach Süden zur Durchquerung der "schwarzen Wüste", geprägt durch ihre mit dunklen Steinen bedecken weiten Sandflächen, um schließlich die "weiße Wüste" um das Oasendorf Farafra zu führen, wo schneeweiße Tektit-Kristalle und erodierte Felsen aus dem sandigen Boden ragen. 442 anspruchsvolle Kilometer später hatte sich Frans Verhoeven diesmal vor seinen Konkurrenten David Casteu geschoben. In der Gesamtwertung führt Casteu weiterhin vor Verhoeven.

Dessoude-Team
Bei den Autofahren liegt das Dessoude-Team nun in Führung
© MST

Bei den Autofahrern kam heute Christian Lavieille mit einem Vorsprung von einer halben Stunde vor dem zweitplatzierten Franzosen Jerome Pelichet ins Ziel. Der Sieger der ersten Etappe, Carlo de Gavardo, war im Pech: In seinem Turbolader brach bei Kilometer 310 eine Schraube und er musste die restlichen Kilometer ohne Power zu Ende fahren. Schwarz vor Ärger und vor allem vom Ruß, der ins Cockpit fegte, kam er als Letzer im Camp an - als bereits der Grill für das Abendessen angefacht war. Zwar konnte er die Etappe beenden, der Gesamtsieg scheint nun aber in weiter Ferne.

Vielleicht gibt die Wut im Bauch ihm Power für die folgenden Tage? Die nächsten Etappen führen nach Westen über die Oasen Sitra und Siwa, in die wegen ihrer Hitze gefürchtete Kattara-Senke bis zur libyschen Grenze. Das Finish ist am Samstagmittag vor den Pyramiden - eine so schnelle Karawane, die das ganze Pharaonenreich in einer Woche durchfährt, hat es vor dieser Rallye noch nicht gegeben.

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