Sie sind hier: Home > Motorrad > Newsübersicht > MotoGP

Valencia 2006: Troy Bayliss und das Ducati-Wunder

10. November 2017 - 11:33 Uhr

Sieg beim MotoGP-Gaststart: Troy Bayliss und die Ducati-Verantwortlichen erinnern sich an Valencia 2006 und sticheln indirekt gegen WSBK-Champion Jonathan Rea

Troy Bayliss
Das John Hopkins mit der 21 fuhr, musste Troy Bayliss mit der Nummer 12 antreten
© Ducati

(Motorsport-Total.com) - Das MotoGP-Saisonfinale 2006 wird in der Geschichte des Motorradsports immer einen besonderen Platz einnehmen. WM-Leader und Favorit Valentino Rossi warf durch einen Sturz in der fünften Runde den sicher geglaubten Titel weg und machte den Weg frei für Nicky Hayden, der dank Platz drei die Meisterschaft gewann. An der Spitze dominierte aber Ducati. Ersatzpilot Troy Bayliss holte überraschend den Sieg und sorgte für Schlagzeilen. Der Superbike-Weltmeister blamierte die versammelte MotoGP-Elite.

"2006 war ein sehr erfolgreiches Jahr für mich, denn wir konnten die Superbike-WM gewinnen. Zudem konnte ich das finale Rennen der MotoGP in Valencia gewinnen", kommentiert Bayliss, der beim letzten Rennen der 990-Ära für den verletzten Sete Gibernau einsprang. Zuvor holte Bayliss in seiner WSBK-Comeback-Saison den zweiten WM-Titel. Immer an seiner Seite: Ernesto Marinelli, Davide Tardozzi und Paolo Ciabatti.

ANZEIGE

Diese drei Schlüsselfiguren spielten auch beim MotoGP-Einsatz in Valencia eine wichtige Rolle: "Ich sagte, dass ich Ernesto, Davide, Paolo und ein paar andere Jungs gern dabei hätte. Ich genoss die Arbeit mit ihnen in der Superbike-WM", bemerkt Bayliss im Gespräch mit 'MotoGP.com'.

Die Wiedergutmachung für die Saison 2004

Troy Bayliss
Troy Bayliss führte vom Start bis ins Ziel und schrieb Geschichte
© Ducati

"Wir rechneten nicht damit, dass er gewinnt", gesteht Tardozzi. "Wir erwarteten aber, dass er um ein Podium kämpft." Und auch Ciabatti, der heutige Ducati-Sportdirektor, reiste mit niedrigen Erwartungen nach Valencia: "Die Bedingungen waren nicht ideal. Er konnte das Motorrad vorher nicht testen. Er fuhr zuvor nie mit diesen Reifen. Viele bei Ducati meinten, es wäre nicht möglich. Er meinte, dass es seine letzte Chance ist, zu beweisen, dass er in der MotoGP ein gutes Ergebnis einfahren kann."

2003 und 2004 fuhr Bayliss bereits als Werkspilot im neu gegründeten Ducati-MotoGP-Team. Er stand bereits beim dritten Grand Prix auf dem Podium. Es folgten 2003 zwei weitere dritte Plätze. Er beendete die Saison als WM-Sechster. 2004 tat er sich schwer und feierte nur ein Podium. Als WM-14. konnte er die Erwartungen nicht erfüllen. In der darauf folgenden Saison fuhr der Australier für das Camel-Honda-Team und kehrte danach zu den Superbikes und zu Ducati zurück. Er fand zurück auf die Erfolgsspur und wurde von Ducati mit dem Start in Valencia für den Titel in der WSBK belohnt.

Troy Bayliss
Maßgeblich beteiligt: Ernesto Marinelli (mittig) und Paolo Ciabatti (unten links)
© Ducati

"Er kannte die Strecke, er mochte Valencia. Er kam mit einem freien Kopf dorthin", erinnert sich Ciabatti. In den Freien Trainings tastete sich Bayliss langsam an das Limit heran. Die erste Überraschung gelang dem Australier im Qualifying: Startplatz zwei hinter WM-Favorit Valentino Rossi. Das teaminterne Duell gegen Loris Capirossi entschied Bayliss knapp für sich. Er verlor 0,208 Sekunden auf Rossis Pole-Zeit. Capirossi war 0,097 Sekunden langsamer als Bayliss: Startplatz drei für den Italiener.

Beim Start übernahm Bayliss die Spitze, während Rossi durchgereicht wurde und später stürzte. Die beiden Werks-Ducatis bestimmten das Rennen. "Nach der Hälfte führte ich vor Loris. Ich wusste, dass Loris die Chance nutzt, mich zu überholen, wenn er eine Gelegenheit hat. Ich schaute auf meine Boxentafel und fühlte, dass ich die Kontrolle habe."

Ausnahmezustand bei Ducati, Spitze gegen Jonathan Rea

Troy Bayliss
Ducati-Legende: Troy Bayliss machte sich in Valencia 2006 unsterblich
© Ducati

Im Ziel hatte Bayliss, der beim Gaststart nicht mit der gewohnten Startnummer 21 sondern mit der Nummer 12 antrat, 1,319 Sekunden Vorsprung auf Capirossi. Tardozzi erinnert sich: "Er kam im Parc Ferme zu mir, schaute mir in die Augen und sagte: 'Das war doch einfach!' Typisch Troy!" Und auch Ciabatti wird diesen Triumph nicht vergessen: "Es war vermutlich der schönste Moment meiner Karriere."

"Wir sind durchgedreht, als er gewann. Wir werden es immer im Herzen tragen", bemerkt Tardozzi. Bayliss selbst realisierte schnell, was ihm in Valencia gelang: "Es war etwas Besonderes. Jeder im WSBK-Paddock freute sich darüber", kommentiert der langjährige Ducati-Pilot, der 2008 einen weiteren WSBK-Titel mit dem italienischen Hersteller feierte und danach zurücktrat.

"In diesem Moment waren wir überzeugt, Geschichte geschrieben zu haben. Ich denke nicht, dass so etwas erneut passiert", ist Ciabatti überzeugt. Tardozzi stimmt zu und stellt klar, dass er WSBK-Serien-Weltmeister Jonathan Rea nicht das zutraut, was Bayliss erreicht hat: "Ich denke nicht, dass es in der Superbike-WM oder in einer anderen Meisterschaft einen Fahrer gibt, der so etwas erreichen kann."

Artikeloptionen
Artikel bewerten