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Trauer um Österreichs Motorsport-Legende Willy Löwinger

06. Februar 2013 - 14:43 Uhr

Der Ehrenpräsident des ÖASC Willy Löwinger ist im biblischen Alter von 96 Jahren gestorben - Ohne ihn wäre der Motorsport in Österreich nie so populär geworden.

Willy Löwinger
So bleibt Willy Löwinger in Erinnerung: Ohne Zigarre ging schon 1971 nichts
© Rainer Braun

(Motorsport-Total.com) - Willi Löwinger ist tot. Der langjährige Präsident des Österreichischen Automobil-Sport-Clubs (ÖASC), Architekt der Europa-Bergmeisterschaft, Bauherr des Salzburgrings und Veranstalter der legendären Flugplatzrennen Innsbruck und Wien-Aspern galt in Österreich als ein Motorsport-Denkmal. Als Funktionär, Organisator und diktatorisch residierender Präsident des ÖASC verhalf er dem brachliegenden Motorsport in der Alpenrepublik zu neuer Akzeptanz und Popularität. Rindt, Quester, Lauda, Marko und viele andere absolvierten ihr Renn-Debüt bei Löwingers Veranstaltungen auf den Flugplätzen in Innsbruck oder Aspern, am Gaisberg, Dobratsch oder Timmelsjoch.

Stets legte der ehemalige Eisschnellläufer und Olympia-Teilnehmer Wert darauf, im Land das alleinige Sagen in Sachen Rennsport zu haben. Eifersüchtig wachte er darüber, dass sich möglichst nichts ohne ihn in die eine oder andere Richtung bewegte. Mit Argwohn beäugte er die Entstehung des Österreichrings in Zeltweg, vorangetrieben durch die ihm verhasste "Knittelfeld-Connection" unter Präsident Tiroch. "Aber ich war schneller als die Steirer Trotteln", posaunte Löwinger im September 1969 bei der Eröffnung seines im Rekordtempo aus dem Boden gestampften Salzburgrings stolz hinaus.

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Viele weitere bühnenreife Auftritte begleiteten seine Amtszeit als Präsident, Veranstalter, Macher und Manager über mehr als drei Jahrzehnte. Der "Herr Direktor" (so ließ er sich vorzugsweise ansprechen) duldete keine fremden Götter und nahm für sich in Anspruch, fast alles "erfunden" zu haben, was in Österreich rannte und siegte. Rindt, Quester, Lauda, Marko, Koinigg, Berger und so weiter, alles seine Erfindungen. "Ohne mich und meine Rennen", pflegte er mit ewig qualmender Zigarre und vom Rauch halb zugeschwollenem linken Auge zu sagen, "wären die alle zu nix gekommen, ich hab sie doch bei mir starten lassen und so erst berühmt gemacht."

Wenn Journalisten spuren müssen

Das galt natürlich auch für die besten Rennsport-Journalisten Österreichs, auch die wären ohne ihn "nichts, gar nichts, was hätten's denn auch schreiben solln ohne all meine schönen Rennen?" Dabei hat er sie alle stramm stehen lassen und bei der Akkreditierung oft genug wie Deppen behandelt, die Prüllers, Zwickls, Rottensteiners, Höfers und selbstverständlich auch mich. Ein typisches Szenario gefällig? "Wer sind Sie, was wollen Sie, für wen schreiben Sie", herrschte Löwinger sogar Reporter an, die ihm bestens bekannt waren. Dabei ging es ihm nur ums Machtgehabe, wie auch beim Ticket für die Begleitung. "Kaufens dem Hasen a Stehplatz-Korten", beschied er barsch und ließ den nächsten Kandidaten zum Abwatschen vortreten. Selbst vor großen Rennställen und berühmten Piloten schreckte Willy nicht zurück, zwang Teams und Fahrer mit lächerlichen Gagen an den Start und zerrte notfalls auch eigenhändig einen Masten Gregory aus dem Auto, weil der als Pole-Mann eines Sportwagenrennens ohne gültigen Parkschein ins Fahrerlager seines Salzburgrings einfahren wollte.

Überhaupt die Tickets und die Parkscheine, die "Pickerln", ein Kapitel für sich. Das braune Karten-Köfferchen gab Willy nicht eine Sekunde aus der Hand, er nahm's mit aufs Klo und nachts stopfte er es unter sein Kopfkissen im Hotelbett - es könnt' ihm ja jemand was klauen. Als der junge Formel V-Debütant Niki Lauda am Salzburgring sein Ticket verloren hatte und kleinlaut um Ersatz bat, beschied Willy dem armen Kerl: "Wannst jetzt niederkniest und sogst, Herr Präsident, i bin a Trottel, weil i mei Korten verlorn hob, dann kriegt a neie." Worauf der Niki notgedrungen tat wie ihm befohlen...

Willy war alles in Personalunion - Diktator und Selbstdarsteller von Gottes Gnaden, liebenswürdiger Gauner und krankhafter Geizkragen, eitler Direktor und gnadenloser Diktator, knallharter Verhandlungspartner und hilfsbereiter Freund. Er konnte dich wunderbar bescheißen und dir dabei das Gefühl geben, dass du grad den besten Deal der Welt mit ihm gemacht hast. Willy war einfach ein Phänomen, ein unglaublicher Typ, der letzte seiner Art, gefürchtet, gehasst, geliebt, verehrt.

Weggefährten verneigen sich zum 90. Geburtstag

Seinen letzten großen Auftritt hatte Löwinger, der mit Motorsport-Legenden wie Fangio, Huschke von Hanstein und Carlo Abarth per Du war und die Europa-Bergmeisterschaft mitbegründete, an seinem 90. Geburtstag. Über 100 alte Freunde, Feinde und Weggefährten kamen ins Wiener Technik-Museum, um mit ihrer Anwesenheit den großen alten Mann des Austria-Motorsports zu ehren und in einer nicht enden wollenden Menge Anekdoten und Erinnerungen zu schwelgen.

Wenn die hohe Politik und die gesamte Motorsport-Prominenz des Landes, viele wichtige Menschen und ehemalige Starter aus dem Ausland erscheinen, kann man das als Verneigung vor einem erfüllten Racer-Leben bezeichnen. Und wenn die Wiener Star-Journalisten Helmut Zwickl und Heinz Prüller, selbst oft genug Opfer wüster Löwinger-Attacken, gemeinsam die Laudatio für den Jubilar vortragen, dann ist das mehr als nur eine Pflichtübung, viel mehr. Es ist der Dank an einen Mann, der seinem kleinen Land zu großem Motorsport-Ruhm verholfen hat.

In den Jahren danach hielt sich Willy wacker und wir haben noch oft miteinander telefonieren können. Aber dann beklagte er immer häufiger schmerzende Glieder, Gewichtsverlust und zunehmenden Verfall, aber die unabdingbare Zigarre schmeckte ihm immer noch. Der Umzug aus seiner geliebten Wohnung in der Wiener Daringergasse in ein Pflegeheim wurde unumgänglich. Drei Monate vor seinem 97. Geburtstag starb Willy Löwinger, der liebenswürdige Gauner, friedlich. Als Träger des "Goldenen Verdienstzeichens der Republik Österreich" bleibt er eine jener Kult-Figuren, die ihrer Nachwelt die herrlichsten Geschichten hinterlassen haben. Geschichten, die es längst nicht mehr gibt und nie mehr geben wird.

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