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Weltmeisterliche Gene: Fittipaldi siegt in der Formel V8 3.5

19. April 2017 - 15:17 Uhr

Pietro Fittipaldi startet mit zwei Siegen in die neue Saison der Formel V8 3.5: Wir stellen den Enkel des zweimaligen Formel-1-Weltmeister Emerson Fittipaldi vor

Pietro Fittipaldi
Pietro Fittipaldi will wie Großvater Emerson und seine Onkel in die Formel 1
© LAT

(Motorsport-Total.com) - Die Formel V8 3.5, bis vor zwei Jahren unter dem Namen Renault-World-Series bekannt, mag sportlich schon bessere Zeiten erlebt haben als 2017. Doch am vergangenen Wochenende weckte die Nachwuchsserie beim Saisonstart im britischen Silverstone das Interesse vieler Beobachter. Das lag vor allem an dem jungen Mann, der beide Rennen gewann: Pietro Fittipaldi. Der 20-Jährige, der in Miami geboren und aufgewachsen ist und daher neben der brasilianischen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, ist der Enkel von Emerson Fittipaldi, seines Zeichens Formel-1-Weltmeister der Jahre 1972 und 1974.

Und in dessen Fußstapfen will der Enkel treten, wie er im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com' erklärt. "Ich will dieses Jahr die World Series gewinnen, aber das Ziel ist die Formel 1", so Pietro Fittipaldi. Mit seiner Vorstellung in Silverstone hat er dafür schon einmal die Grundlage gelegt. Nach schnellen Zeiten bei den Wintertests untermauerte Fittipaldi seine Favoritenrolle bei schwierigen, weil wechselhaften Wetterbedingungen, mit zwei Pole-Positions und zwei Rennsiegen. "Das war wirklich dominant", blickt er auf das Rennwochenende zurück.

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Doch der Sieg im ersten Rennen hing an einem seidenen Faden. "Ich bin gut gestartet und konnte in der ersten fünf, sechs Runden schon gut acht Sekunden Vorsprung herausfahren. Dann ist aber der Auspuff gebrochen, berichtet Fittipaldi. "Ich habe auf den Geraden jede Menge Leistung verloren, es war aber noch mehr als die Hälfte des Rennens zu fahren. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das ins Ziel bringe. Mein Verfolger hat dann immer mehr aufgeholt und war irgendwann nur noch sieben Zehntelsekunden hinter mir. Aber ich habe knapp noch gewonnen", fasst der 20-Jährige, der für das Lotus-Team des Tschechen Antonin Charouz fährt, das für ihn dramatische Rennen zusammen.

Familie mit Benzin im Blut

Mit dem Motorsport kam Pietro Fittipaldi, der in seiner Schulzeit auch ein guter Basketballer war, schon früh in Berührung, auch wenn er die aktive Karriere seines Großvater Emerson nicht miterlebt hat. "Als ich 1996 geboren wurde, hat er seine Rennfahrerkarriere beendet, nachdem er in Michigan einen ziemlich bösen Crash hatte. Ich habe ihn nur einmal beim GP-Masters fahren gesehen." Doch Emerson war nicht der einzige Rennfahrer in der Familie.

Pietros Onkel Christian, der von 1992 bis 1994 in der Formel 1 fuhr, ist bis heute in der IMSA-Sportwagenserie aktiv. Und seine Tante Tatiana ist mit dem italienischen Rennfahrer Max Papis verheiratet. Zu den Rennen der Verwandten zog es die Familie schon mit dem kleinen Pietro an die Rennstrecke. "Ich war fast jedes Jahr bei den 24 Stunden von Daytona. Das war ziemlich cool. Wir haben an der Strecke gecampt und die ganze Nacht durch das Rennen geschaut. So wurde ich mit dem Rennvirus infiziert", blickt er zurück.

Während seine Mutter Juliana, die bei ihrem Vater Emerson an der Rennstrecke groß geworden war, ebenfalls Benzin im Blut hat, hat Pietros Vater keinen Motorsport-Hintergrund. "Er betreibt in Brasilien ein Logistikunternehmen. Er war erfolgreicher Springreiter, musste den Sport aber aufgeben, nachdem er sich bei einem Unfall im Kart die Beine gebrochen", sagt Pietro Fittipaldi.

Mit 16 Jahren alleine von den USA nach Europa

Trotz der dieser schlechten Erfahrung im Kart unterstützten die Eltern den Wunsch ihres Sohnes, die Motorsporttradition der Familie Fittipaldi fortzusetzen. "Sie haben viele Opfer für mich gebracht", sagt Pietro Fittipaldi. "Wir sind damals von Miami nach North Carolina gezogen, damit ich in der NASCAR fahren kann." Vom Kartsport in die Stock-Car-Boliden? Was für Europäer ungewöhnlich klingt, ist in den USA ein gängiger Karriereweg, der sich für Pietro Fittipaldi auszahlte.

Gleich in seinem ersten Jahr im Automobilsport gewann er mit gerade einmal 15 Jahren die Whelen All-American Series, die Einsteigerklasse der NASCAR. Dieser Erfolg machte den mexikanischen Milliardär Carlos Slim, der mit seinem Unternehmen Telmex bereits Sergio Perez und Esteban Gutierrez in die Formel 1 gebracht hatte, auf den jungen Piloten mit dem bekannten Namen aufmerksam.

Telmex bot Pietro Fittipaldi an, Mitglied des Juniorteams zu werden. "Das war ein Geschenk Gottes", sagt dieser über die Zusammenarbeit mit dem mexikanischen Telekommunikations-Unternehmen. Diese verlangte von dem Teenager aber eine schwierige Entscheidung. "Sie haben gesagt: Wir wollen dich sponsern, aber wir möchten, dass du deine Karriere in Europa fortsetzt." Mit gerade einmal 16 Jahren alleine von den USA ins ferne England ziehen, fiel Pietro Fittipaldi nicht leicht, auch weil sich seine Familie nach gut zwei Jahren in North Carolina gerade dauerhaft niedergelassen hatte.

Die große Familie der brasilianischen Rennfahrer

"Sie hatten ein Haus gebaut, und sechs Monate später kam ich an und sagte: 'Ich gehe jetzt nach Europa'", denkt Pietro Fittipaldi zurück. Doch das Angebot, mit einem potenten Sponsor im Nacken eine Karriere im Formelsport zu starten, konnte der junge Racer nicht ausschlagen. "Ich habe mich dazu entschlossen, und es war die richtige Entscheidung", sagt er rückblickend. Auch bei diesem Schritt über den großen Teich konnte sich Pietro Fittipaldi der Unterstützung seiner Familie sicher sein.

"Als ich nach England gezogen bin, sind meine Eltern für zwei, drei Wochen mitgekommen, bis ich mich eingelebt hatte. Auch später kamen mein Mutter oder mein Vater immer mal wieder zu Besuch", sagt er. Dennoch musste Pietro schon mit 16 Jahren lernen, auf eigenen Füßen zu stehen und alltägliche Dinge wie Kochen, Putzen oder Wäsche waschen lernen. "Das Kochen war das schwierigste, meistens bleibt es doch bei Pasta", lacht Pietro Fittipaldi. "Die Kochkünste meiner Mutter sind hundertmal besser als meine."

Nicht nur die Besuche seiner Eltern, sondern auch die Unterstützung anderer brasilianischer Rennfahrer halfen dem jungen Fahrer dabei, sich in Europa heimisch zu fühlen. "Nelson Piquet jun. war zwei Jahre lang im Grunde mein Nachbar und ist einer meiner besten Freunde. Auch Bruno Senna ist einer meiner guten Freunde", sagt Pietro Fittipaldi, für den die Gemeinschaft der brasilianischen Fahrer "wie eine große Familie" ist.

Berühmter Nachname ist keine Bürde

Nach gut fünf Jahren in England steht nun aber für Pietro Fittipaldi ein Umzug innerhalb von Europa an. Mit seinem jüngeren Bruder Enzo gründet er in Maranello eine WG, nachdem Enzo seit diesem Jahr Mitglied des Ferrari-Nachwuchsprogramms ist und in der italienischen Formel 4 fährt. "Er ist erst 15 und hat so jemanden bei sich", sagt Pietro Fittipaldi, der seinen Bruder beim Schritt weg von der Familie nach Europa unterstützen will.

Ein berühmter Nachname wie Fittipaldi kann im Profisport ein zweischneidiges Schwert sein. Zwar öffnet er so manche Türen, was Pietro Fittipaldi auch durchaus zugibt, allerdings kann er auch für eine (zu) hohe Erwartungshaltung sorgen, der mancher nicht gerecht wird. Pietro Fittipaldi sieht aber dennoch "mehr Vorteile, denn ich habe eine Familie, die etwas vom Rennsport versteht und mich bei meinem Traum unterstützt. Mich hat der Name Fittipaldi nie unter Druck gesetzt, den mache ich mir wenn dann selber."

Auch die Anwesenheit seiner berühmten Familienmitglieder an der Rennstrecke empfindet Pietro Fittipaldi nicht als Belastung, wobei Großvater Emerson den Enkel ohnehin nur sporadisch besucht. "Er kommt nicht so oft zu den Rennen, denn er will mich nicht unter Druck setzen, wobei ich das gar nicht so empfinde. Aber ein bis zwei Rennen pro Jahr sieht er sich an", sagt Pietro. "Mein Onkel Max schaut dafür umso öfter vorbei."

Kein Plan B: Formel 1 ist das Ziel

Sich selbst sieht Pietro Fittipaldi als "smarten Fahrer", der nicht mit Gewalt um jeden Rennsieg kämpft, sondern stets das große Ganze im Blick hat. "Ich denke immer an die Meisterschaft. Wenn man Zweiter ist und ein großes Risiko eingehen müsste, um den Ersten zu überholen, ist es besser, sich mit Platz zwei zufrieden zu geben", sagt Pietro Fittipaldi, der neben seinem Titelgewinn in der NASCAR auch schon die britische Formel Renault und die indische MRF-Challenge gewonnen hat.

Nun soll in diesem Jahr der Titel in der Formel V8 3.5 folgen, mit dem Pietro Fittipaldi seinem Ziel Formel 1 den entscheidenden Schritt näherkommen will. "Das ist eine gute Plattform. Carlos Sainz hat 2014 die Meisterschaft gewonnen und ist dann direkt in die Formel 1 aufgestiegen", sagt er über die Serie, die vom Vater des ehemaligen Formel-1-Piloten Jaime Alguersuari veranstaltet wird.

Die Formel 1 ist für Pietro Fittipaldi das ganz feste Ziel. "Einen Plan B habe ich nicht", sagt er. Dennoch habe er andere Rennserien im Blick. "Die IndyCar-Serie ist wieder im Aufschwung, selbst Fernando Alonso fährt ja bald dort. Die Formel E ist sehr interessant. Und dann gibt es ja noch Sportwagen oder die DTM", sagt er. "Aber ich plane da von Jahr zu Jahr."

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