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Abt: "Jetzt gehen wir die Aufgabe an"

19. Dezember 2012 - 20:57 Uhr

Daniel Abt steht einen Schritt vor der Formel 1. Im Interview spricht er über die Besonderheiten der GP2 und dass er vielleicht bald in ein F1-Cockpit klettern darf

Daniel Abt
Neue Aufgabe: Daniel Abt geht 2013 mit Lotus in seine erste GP2-Saison
© GP2

(Motorsport-Total.com) - Der nächste Schritt ist gemacht. Nach seinem Vize-Titel in der GP3 steigt Daniel Abt (20) in der kommenden Saison mit Lotus in die GP2 auf. Im Interview mit 'Motorsport-Total.com' spricht der Sohn von Hans-Jürgen Abt über die neue Herausforderung, Kontakte zum Lotus-Formel-1-Team und warum er nicht zu seinem Vater in die DTM wechseln wollte. Zudem erzählt der Deutsche über die Budgetsuche, Tipps von der Familie und den Traum von der Formel 1.

Frage: "Daniel, Glückwunsch zu deinem Vertrag in der GP2! War die Bekanntgabe für dich eine große Erleichterung, oder wusstest du schon länger, dass du in der kommenden Saison für Lotus an den Start gehen wirst?"
Daniel Abt: "Das war das, was ich will. Es ist natürlich immer die Frage, ob man vom Team genommen wird, und natürlich muss man auch mit Sponsoren verhandeln. GP2 ist ja, wie man weiß, nicht sehr günstig. Und von dem her weiß ich eigentlich auch erst seit vorgestern, dass es fix ist. Ich freue mich natürlich auf die neue Aufgabe."

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Frage: "Wo hast du denn den Vertrag unterschrieben?"
Abt: "Das haben wir gestern gemacht, im Beisein von meinem Dad und meinem Manager, Harry Unflath."

Frage: "Ist es schwierig, ein kommerzielles Paket für die GP2 zu schnüren? Ist deine Saison denn vollständig gesichert?"
Abt: "Es ist auf jeden Fall schwierig, es ist eine große Summe. Wenn man das eingeht, dann sollte man sich schon sicher sein, dass man das stemmen kann. Ich habe das Glück, dass ich gute Partner hinter mir habe, von dem her sind wir eigentlich gut vorbereitet auf das kommende Jahr."

"Mein Hauptpartner - das weiß man ja aus den letzten Jahren - ist die Deutsche Post, die mich schon seit längerem begleitet - seitdem ich in der Speed-Academy bin. Die haben Gott sei Dank weiterhin Vertrauen in mich. Dann gibt es noch weitere kleinere Sponsoren. Ich bin froh, dass die weiterhin mit mir Gas geben."

"Mein Wunsch war von Anfang an, in der GP2 zu fahren."
Daniel Abt

Frage: "Du hast sicherlich bei Lotus auch Perspektiven für das Formel-1-Team. Springt am Ende des Jahres vielleicht sogar ein Young-Drivers-Test für dich heraus?"
Abt: "Das Team selbst ist ja unabhängig vom Formel-1-Team. Aber wir haben in diesem Jahr durch die guten Ergebnisse erste Kontakte zu Lotus bekommen und mit denen auch schon gesprochen. Es ist noch nichts fix und es gibt auch noch nichts Spruchreifes, aber ich glaube, wenn ich mich gut anstelle, dann sollte schon die Möglichkeit bestehen, das nächste Jahr das erste Mal in einem Formel-1-Auto zu sitzen."

Frage: "Gab es für dich eigentlich eine Alternative, falls es mit der GP2 nicht geklappt hätte?"
Abt: "Ja, klar gibt's die. Die World-Series (Formel Renault 3.5; Anm. d. Red.) ist ja immer die Alternative zur GP2. Das wäre natürlich eine Alternative gewesen, aber mein Wunsch war von Anfang an, in der GP2 zu fahren. Der Wunsch ist Gott sei Dank in Erfüllung gegangen.

Der große Sprung von der GP3 in die GP2

Frage: "Du kennst ja die Strecken bereits von deiner GP3-Saison. Was wird für dich die größte Herausforderung in der kommenden Saison?"
Abt: "Ich glaube, das Schwierigste in der GP2 ist im Moment das Reifenmanagement - mit den zwei verschiedenen Reifenmischungen und wie stark die Reifen abbauen. Da ist einfach extrem wichtig, relativ schnell die Reifen zu verstehen. Im Qualifying hat man meistens nur eine Runde. Da zählt einfach, in dieser einen Runde alles aus dem Reifen herauszuholen. Ich glaube, wenn einem das gelingt, dann steht man ganz weit vorne."

Vielseitig: Abt war in diesem Jahr auch in Macao mit der Formel 3 am Start
© Volkswagen

Frage: "Du durftest das Auto bereits bei Testfahrten ausprobieren. Wie groß war für dich die Umstellung von der GP3 auf die GP2?"
Abt: "Die Umstellung ist im ersten Moment schon gewaltig. Der Speed-Unterschied ist schon riesengroß und man braucht auch ein bisschen, bis man da reinkommt und bis man ein Gefühl dafür bekommt. Die Testtage waren extrem hilfreich, ein Gefühl für das Ganze zu bekommen. Gott sei Dank haben wir noch Testtage. Ich glaube, direkt ein Rennen wäre mit Sicherheit nicht vorteilhaft für mich. Es gilt jetzt auch, aus den kommenden sechs Testtagen so viele Informationen und so viele Erfahrungen wie möglich rauszuholen und sich perfekt für die Saison einzustellen."

Frage: "Dein Teamkollege steht mit James Calado auch schon fest. Der hat in seiner Rookie-Saison schon ziemlich beeindruckt und gilt als Mitfavorit auf den Titel. Glaubst du, dass du ihn schlagen kannst? Und wie sehen deine sportlichen Ziele für 2013 allgemein aus?"
Abt: "Es ist immer gut, wenn man einen guten Teamkollegen hat, weil man sich damit auch hochzieht. Ich glaube, Calado hat in dieser Saison gezeigt, dass er das Potential hat, ganz vorne mitzufahren. Natürlich versucht man immer, den Teamkollegen zu schlagen, aber jetzt im Dezember schon ein großes Ziel zu setzen, ist schwierig."

"Die GP2 ist im ersten Jahr für viele Fahrer schwierig und eine große Herausforderung. Natürlich möchte man auch vorne mitfahren, das ist ganz klar, aber man muss einfach sehen, wie es läuft und wie man sich einlebt. Nach den ersten beiden Rennen kann man schon ungefähr sagen, wo man sich befindet und wie der persönliche Stand ist. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ist es schwierig, eine realistische Einschätzung abzugeben."

Der Formel 1 so nah

Frage: "Die GP2 ist der letzte Schritt unter der Formel 1. Fängt man da schon an zu träumen?"
Abt: "Träumen tue ich eigentlich schon von Anfang an. Der Traum war schon immer die Formel 1 und dafür macht man ja auch das Ganze. Klar wird einem jetzt bewusst, dass es der letzte Step vor der Formel 1 ist. Jetzt ist man schon relativ nah dran - aber trotzdem auch noch weit weg. Es zählt die Leistung, da muss alles passen und man muss auch ein gewisses Glück haben. Daher fokussiere ich mich auf meine Aufgabe nächstes Jahr, und wenn ich die gut meistere, dann ergeben sich auch weitere Optionen."

Frage: "Hast du ein Idol unter den Formel-1-Fahrern, oder auch ein Lieblingsteam?"
Abt: "Ich habe kein wirkliches Idol, wo ich sage, dass ich dem extrem nacheifere. Ich war schon immer ein großer Fan von Hamilton - einfach von seiner Art und seiner Fahrweise her. Teamtechnisch gibt es immer die drei Topteams, wo jeder gerne fahren würde. Aber es ist nicht so, dass ich jetzt sage: Wenn es die drei Teams nicht sind, dann möchte ich nicht fahren. Es gibt viele gute Teams und als Fahrer muss man offen für alles sein."

"Unterschreiben ist das eine, jetzt zählt einfach, Leistung zu bringen."
Daniel Abt

Frage: "Warum hast du dich eigentlich für den Formelsport entschieden? Wäre eine Ausrichtung deiner Karriere auf die DTM durch deinen Vater nicht der einfachere Weg gewesen?"
Abt: "Einfach ist ja irgendwo auch immer langweilig! Mein großer Traum war immer die Formel 1 und den kann ich jetzt weiter leben. Wenn man das erreichen will, dann muss man halt die Formel-Schiene gehen. Sollte eines Tages der Punkt erreicht sein, an dem ich sage, 'Okay, die Formel 1 ist nicht erreichbar', oder ich schaffe es nicht, dann ist die DTM immer noch eine Option, aber darüber mache ich mir ehrlich gesagt jetzt keine Gedanken."

Keine Tipps von Vater und Onkel

Frage: "Dein Vater war bei der Vertragsverzeichnung dabei. Was sagt der denn über deinen neuen Karriereschritt?"
Abt: "Der steht voll hinter mir. Der verfolgt das natürlich auch schon von Anfang an und unterstützt mich so gut es geht. Er ist aber auch Realist genug, um zu wissen, dass das trotzdem nicht viel zu heißen hat. Unterschreiben ist das eine, jetzt zählt einfach, Leistung zu bringen. Die kann er nur schwer beeinflussen, da muss er auf mich vertrauen. Ich muss halt schauen, dass ich das Meiste raushole."

Frage: "Ist der berühmte Name Abt nun eine Belastung oder öffnet er Türen?"
Abt: "Das ist die Standard-Frage! Beides. Es ist eigentlich keine Belastung für mich. Es war vielleicht am Anfang mal so. Als ich in den Motorsport eingestiegen bin, haben die Leute schon mehr auf mich geschaut. Für mich war es immer wichtig, dass die Leute irgendwann meinen Vornamen kennen und nicht nur meinen Nachnamen. Ich glaube, das ist mir in den letzten Jahren aufgrund meiner Ergebnisse gelungen. Jetzt ist es einfach schon so weit, dass es keinen Namensbonus mehr gibt. Jetzt zählt Leistung und die muss am Ende des Tages ich bringen."

Frage: "Holst du dir eigentlich Tipps von deinem Vater oder doch lieber von deinem Onkel (Tourenwagen-Fahrer Christian Abt; Anm. d. Red.)?"
Abt: "Weniger. Wenn es gewisse Themen gibt, dann schon. Aber im Bereich Fahren habe ich mir vielleicht die Tipps am Anfang geholt, aber jetzt bin ich schon so weit, dass ich behaupten würde, dass ich jetzt mein eigenes Ding machen muss. Dafür hat man ein Team, und mit denen muss man zusammenarbeiten. Meine Familie unterstützt mich zwar, aber die stehen immer mehr am Rand und mischen sich nicht zu sehr in die Thematik ein."

Vorfreude auf Nürburgring, Singapur und Abu Dhabi

Frage: "Wird die Familie dich auch an der Rennstrecke begleiten?"
Abt: "Dieses Jahr waren sie bei manchen Rennen, aber sie fahren definitiv nicht zu allen Rennen mit."

Daniel Abt
In der GP3 reichte es in diesem Jahr zum Vize-Titel hinter Mitch Evans
© xpbimages.com

Frage: "Auf welches Rennen freust du dich am meisten?"
Abt: "Zum einen natürlich Deutschland. Auf dem Nürburgring bin ich dieses Jahr schon nicht gefahren, das war immer eine meiner Lieblingsstrecken. Von dem her hoffe ich, dass es stattfindet. Und dann natürlich so Highlights wie Singapur und Abu Dhabi. Da bin ich noch nie gefahren und ich glaube, das ist für einen Rennfahrer schon eine Herausforderung."

Frage: "War es durch die Expansion der GP2 in eben jene Länder wie Singapur und Abu Dhabi schwieriger, an das gebrauchte Budget zu kommen?"
Abt: "Singapur gab es ja dieses Jahr auch schon, da hat sich nichts verändert. Ich glaube, die Schwierigkeit besteht schon seit vielen Jahren. Dass die GP2 teuer ist, weiß man. Da muss man halt einfach ein optimales Paket schnüren. Das ist schon immer die Schwierigkeit und das wird wohl auch am Ende des nächsten Jahres wahrscheinlich wieder die Schwierigkeit sein. Gott sei Dank ist uns das dieses Jahr geglückt. Jetzt gehen wir die Aufgabe an!"

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