WTCC-Kolumne: Siebenkampf mit Trumpf und Joker - FIA WTCC bei Motorsport-Total.com

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Datum: 14.12.2017 - 14:22 Uhr
Quelle: http://www.Motorsport-Total.com/wtcc/news/2017/06/wtcc-kolumne-siebenkampf-mit-trumpf-und-joker-17062601.html

WTCC-Kolumne: Siebenkampf mit Trumpf und Joker

von Markus Lüttgens
26. Juni 2017 - 08:52 Uhr

Zeichenbilanz in der WTCC: Wer für Redakteur Markus Lüttgens zur Saisonhalbzeit WM-Favorit ist und wer bisher unter Wert geschlagen wurde

WTCC
Die WTCC ist 2017 so spannend wie selten zuvor
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(Motorsport-Total.com) - Liebe Freunde der WTCC,

"Ich sehe im nächsten Jahr sieben bis neun potenzielle Weltmeister", hatte Francois Ribeiro, Chef des WTCC-Promoters Eurosport Events im vergangenen Dezember mit Blick auf die Saison 2017 der Tourenwagen-WM gesagt. Was damals noch unter dem Motto "Klappern gehört zum Handwerk" hätte abtun können, erweist sich ein halbes Jahr später als ziemlich exakte Prognose. Denn nachdem zehn von 20 Saisonrennen absolviert sind und somit die Saisonhalbzeit erreicht ist muss man festhalten: Das Titelrennen in der WTCC ist so offen wie selten zuvor und es gibt tatsächlich sieben Fahrer, die sich realistische Titelchancen ausrechnen dürfen.

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Denn nach den Rennen in Vila Real sind der Meisterschaftsführende Tiago Monteiro (Honda) und der Siebtplatzierte Rob Huff (Münnich-Citroen) um gerade einmal 37 Punkte voneinander getrennt. Zwischen den beiden liegen mit Thed Björk, Nick Catsburg (beide Volvo), Mehdi Bennani, Tom Chilton (beide SLR-Citroen) sowie Norbert Michelisz (Honda) fünf Fahrer, die in diesem Jahr schon Rennen gewonnen haben.

Zehn Rennen - sieben Sieger

Insgesamt gab es bei den bisher zehn Saisonrennen sieben verschiedene Sieger. Abwechslungsreicher ging es in der Geschichte der WTCC bisher nur in der Saison 2008 zu, als nach zehn Rennen bereits neun verschiedene Fahrer gewonnen hatten. Doch weshalb ist das Titelrennen der WTCC, das in den vergangenen vier Jahren alles andere als spannend war, nun derartig offen?

Das liegt in erster Linie am Ausstieg des Werksteams von Citroen sowie von Jose-Maria Lopez. Durch den Rückzug der Dominatoren der vergangenen drei Jahre ist die Spitze nun deutlich breiter aufgestellt. Den Honda, die im vergangenen Jahr hinter den Franzosen die klare Nummer zwei waren, ist mit Volvo nun ein ebenbürtiger Gegner erwachsen. Hinzu kommen mit Chilton und Bennani zwei Fahrer, die konstant im Vorderfeld fahren und dann zur Stelle sind, wenn die Werksteams ihnen die Chance auf einen Sieg lassen.

Allerdings täuscht das ausgeglichene Bild der Meisterschaftstabelle ein wenig über das wahre Kräfteverhältnis hinweg, denn die Meisterschaftsführung von Monteiro könnte deutlich komfortabler sein, als sie aktuell ist. Denn der Portugiese führt die Gesamtwertung ab, obwohl er bei den Rennen auf dem Nürburgring nach einem Reifenschaden ohne Punkte geblieben wäre. Daher ist Monteiro für mich der Top-Favorit auf die Meisterschaft.

Rob Huff bisher unter Wert geschlagen

Sein Honda Civic ist auf jeder Art von Strecke schnell. Lässt man die Rennen auf dem Nürburgring unberücksichtigt, stand der frühere Formel-1-Pilot bei acht Läufen sechs Mal auf dem Podium. Das ist die Konstanz eines künftigen Weltmeisters. Mithalten kann da nur Volvo-Mann Björk, der schon fünfmal bei der Siegerehrung dabei war. Ein Muster an Konstanz ist auch Björks Teamkollege Catsburg, der als einziger Fahrer bisher bei allen zehn Rennen Punkte gewonnen hat.

Doch gerade diese Ausgeglichenheit der beiden Volvo-Piloten könnte für die Schweden im Kampf um den Fahrertitel ein strategischer Nachteil sein. Denn während Monteiro bei Honda klar die Nummer eins ist und im Zweifelsfall auf Schützenhilfe durch seinen Teamkollegen Michelisz hoffen kann, könnten sich Björk und Catsburg im Zweifelsfall gegenseitig Punkte wegnehmen. Zumal beide unbedingt die Meisterschaft gewinnen wollen und kaum für den anderen zurückstecken werden.

Der Joker im WM-Kampf ist für mich mit Huff ausgerechnet der Fahrer, der als einziger der sieben WM-Kandidaten noch kein Rennen gewonnen hat. Doch der Brite wurde in dieser Saison schon mehrmals unter Wert geschlagen - wie im Hauptrennen von Vila Real, wo ihn der verpatzte Start um einen möglichen Sieg brachte. Denn dass Huff und der Citroen C-Elysee des deutschen Münnich-Teams eine der schnellsten Kombinationen in der WTCC 2017 sind, zeigte seine furiose Aufholjagd.

Eines steht in jedem Fall fest: Die WTCC bleibt auch in der zweiten Saisonhälfte spannend. Doch wenn ich mich auf einen WM-Tipp festlegen müsste, wäre es folgende Reihenfolge:
1. Tiago Monteiro
2. Thed Björk
3. Rob Huff

Ihr

Markus Lüttgens