IndyCar: IndyCar Silly Season 2018: Wer fährt wo? - US-Racing bei Motorsport-Total.com

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Datum: 19.10.2017 - 16:20 Uhr
Quelle: http://www.Motorsport-Total.com/usracing/news/2017/10/indycar-silly-season-2018-wer-faehrt-wo-17100101.html

IndyCar Silly Season 2018: Wer fährt wo?

von Heiko Stritzke & David Malsher
01. Oktober 2017 - 19:16 Uhr

Fast drei Dutzend Fahrer kämpfen um etwas mehr als 20 Cockpits: Wer ist gesetzt, wer pokert, wer hofft? Eine Übersicht über das IndyCar-Fahrerfeld 2018

Dallara IR-12, Aerokit 2018
Dallara, sieben Jahre alt, gutaussehend, sucht Fahrer: Wer fährt 2018 IndyCar?
© IndyCar

(Motorsport-Total.com) - Nach der Saison ist vor der Saison: IndyCar hat mit dem neuen Aerokit für die Saison 2018 bereits zahlreiche Blicke auf sich gezogen; nun gilt es, die neu gestalteten Autos zu besetzen. Und hier stehen zahlreiche Änderungen ins Haus. War Josef Newgarden im vergangenen Winter der einzige wirklich spektakuläre Fahrer-Transfer, ist diesmal weitaus mehr Bewegung im Markt. Die Frage ist auch, wie viele neue Teams kommen werden. (Übersicht über die potenziellen neuen IndyCar-Teams 2018)

Zunächst zu den offiziell gesetzten Piloten. Diese sind:
- Simon Pagenaud, Josef Newgarden, Will Power (Penske)
- Scott Dixon (Ganassi)
- Ryan Hunter-Reay, Marco Andretti, Zach Veach (Andretti)

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- Alexander Rossi (Andretti/Herta)
- Sebastien Bourdais (Coyne)
- Graham Rahal, Takuma Sato (RLL)
- Ed Carpenter, Spencer Pigot (ECR)

Heißestes Cockpit bei Ganassi

Nur bei Andretti und Rahal ist bisher alles unter Dach und Fach. Nachdem Michel Andretti den Vertrag mit Honda nach einem kleinen Flirt mit Chevrolet verlängert hat, wurden die Fahrer sehr schnell verkündet. Der Notfallplan, Alexander Rossi mitsamt dem Herta-Team zu Schmidt/Peterson zu nehmen, blieb in der Schublade. Trotzdem schob Honda Takuma Sato zu RLL, wo auf zwei Fahrzeuge aufgestockt wird. Den vakanten Platz hat unlängst Zach Veach eingenommen.

Nicht einmal bei Penske ist derzeit alles sicher: Pagenaud, Power und Newgarden sind gesetzt. Das Fragezeichen schwebt über Helio Castroneves. Der 42-Jährige sollte eigentlich ins Sportwagenprogramm von Penske verschoben werden. Allerdings hat er mehrfach klar gemacht, dass er mit IndyCar noch nicht fertig ist. Noch gibt es keine offizielle Bestätigung, ob Penske nicht doch bei vier Autos bleibt, was Informationen von 'Motorsport-Total.com' zufolge durchaus im Bereich des Möglichen liegt.

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11.08.2017
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1. St. Petersburg: Sebastien Bourdais (Coyne-Honda)
1. St. Petersburg: Sebastien Bourdais (Coyne-Honda)

Die dramatischste Nachricht der vergangenen Wochen war die Fahrzeugreduktion bei Ganassi. Der Verlust des Target-Sponsorings wirkt noch immer schwer. So haben sich Chip Ganassi und Mike Hull dazu entschlossen, wieder auf die alte Stärke des Teams zu setzen: Zwei starke Fahrer in zwei starken Autos. Die Gespräche mit Brendon Hartley könnten zu einem bärenstarken Kiwi-Duo führen. Ganassi ist im Zugzwang, denn man muss allmählich über einen Topfahrer für die Post-Dixon-Ära nachdenken.

Der Neuseeländer ist 37 Jahre alt und bewahrte das einstige IndyCar-Vorzeigeteam in den vergangenen drei Jahren vor dem Rückfall ins Mittelfeld. Damit sind in einer Rennserie, in der Fahrer noch mit über 40 Jahren antreten, zwar noch einige Saisons drin, doch seit dem Rücktritt von Dario Franchitti fehlt ihm die teaminterne Konkurrenz. Die Frage ist, ob sich Hartley langfristig binden würde. Porsche würde ihn 2019 gerne in die Formel E holen, was im Widerspruch zu den langfristigen Plänen bei Ganassi stehen würde. Andererseits scheint für Ganassi derzeit keine wirkliche Alternative bereit zu stehen, die Dixon wirklich zu Höchstleistungen antreiben würde.

28 potenzielle Fahrer bei Schmidt/Peterson

Solange Ganassi auf Hartley fixiert ist, ist für die auf dem Markt befindlichen Fahrer ein Platz bei Schmidt/Peterson das attraktivste freie Cockpit. James Hinchcliffe muss nicht zwangsweise bei Sam Schmidt bleiben, nachdem das Team sportlich auf der Stelle tritt. Allerdings hätte er keine wirkliche Chance auf einen Aufstieg - wenn er nicht darauf spekulieren möchte, dass die Gespräche zwischen Ganassi und Hartley im Sande verlaufen.

Unabhängig davon ist das zweite Cockpit bereits jetzt heiß umkämpft. "Es wäre einfacher, eine Liste derjenigen Fahrer vorzulegen, mit denen wir nicht in Gesprächen standen", lacht Sam Schmidt im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Unter den ernsthafteren Kandidaten seien Ed Jones und Tony Kanaan gewesen, lässt er durchblicken. "Natürlich hätte ich gerne eine Fahrerpaarung wie Franchitti/Dixon." Die finanzielle Realität lässt das natürlich kaum zu. Nichtsdestotrotz zieht Schmidt/Peterson nicht weniger als 28 Fahrer in Betracht.

Bei Foyt läuft derweil alles darauf hinaus, dass Tony Kanaan noch eine weitere Saison anhängt. Zwar hat sein Ganassi-Stint gezeigt, dass er nicht das Format eines Scott Dixon hat, allerdings wäre er eine gute Messlatte für Conor Daly und bringt ein paar Sponsoren und eine gewisse Popularität mit. Daly muss aber möglicherweise sich das Cockpit mit Carlos Munoz teilen, sollte der Kolumbianer nicht völlig rausgeworfen werden.

Ed Carpenter hat Spencer Pigot ins Vollzeit-Cockpit befördert. Er selbst wird voraussichtlich wieder bei Ovalrennen ins Steuer greifen. Abzuwarten bleibt, wer das Cockpit auf Rund- und Straßenkursen übernimmt. J.R. Hildebrand war auf solchen Strecken in der Saison 2017 nicht wirklich überzeugend.

Die Fahrerwahl im zweiten Fahrzeug von Dale Coyne dürfte sich noch ein wenig hinziehen. Ed Jones hat zwar starke Leistungen für einen Rookie gezeigt, doch seine Förderung von einer Million Dollar durch den Gewinn der Indy-Lights-Serie 2016 läuft aus. Und Coyne muss bereits für Bourdais tief in die Tasche greifen. Esteban Gutierrez hat Blut geleckt, musste aber der nach dem vorgezogenen Comeback von Sebastien Bourdais sein Coyne-Cockpit wieder räumen. Während er nicht das Format eines Bourdais haben dürfte, könnten seine Mexiko-Millionen so manches finanzielles Fragezeichen bei Dale Coyne ausradieren.

Viele Fahrer und Teams haben Interesse, doch wer hat Geld?

Noch steht nicht fest, wie viele Autos von neuen Teams in der IndyCar-Saison 2018 kommen werden. Am wahrscheinlichsten ist ein Einstieg von Carlin mit Max Chilton, Harding will mit Gabby Chaves angreifen. Ob es Juncos in Vollzeit schafft, steht noch nicht fest. Bei allen drei Teams ist ein zweites Auto erst einmal von sekundärer Bedeutung, was aber nicht bedeutet, dass es nicht aussichtslos ist. Gerade ein Fahrer wie Charlie Kimball, der seine Insulin-Sponsoren mitbringt (sofern sie ihm dasselbe Budget wie bei Ganassi stellen würden), oder Esteban Gutierrez könnten ein zweites Auto zur Hälfte schon finanzieren.

Nicht nur der amtierende Meister Kyle Kaiser, der mit Juncos am Aufstieg arbeitet, sondern auch zahlreiche weitere Indy-Lights-Piloten schielen derzeit auf den IndyCar-Aufstieg. Doch die Einstiegshürde ist hoch, vor allem finanziell. Bislang hat es nur Veach geschafft. Weitere Fahrer, die sich Hoffnungen machen, sind der zweimalige Vizemeister Santiago Urrutia, der Brasilianer Matheus Leist und Zachary Claman DeMelo, der bereits beim Finale in Sonoma im RLL-Honda gesessen hat.

Natürlich hegen wieder zahlreiche Fahrer die Hoffnung auf eine Vollzeit-Rückkehr oder einen Quereinstieg. Sebastian Saavedra hofft nach seinen Einsätzen bei Schmidt/Peterson auf Berücksichtigung, obschon der Wow-Effekt bei seinen Einsätzen als Ersatz von Michail Aljoschin ausblieb. Auch Jack Harvey verpasste eine Gelegenheit, in Watkins Glen oder Sonoma zu glänzen. Im Hintergrund versucht R.C. Enerson zu erreichen, was im vergangenen Winter nicht möglich war - ein dauerhaftes Cockpit zu sichern. Er hatte bei Coyne in der Saison 2016 einige überzeugende Rennen gezeigt.

Nachdem Lexus sein Werksengagement in der GTD-Klasse der IMSA-Serie nach einem Jahr aufgrund des Regelwerks beenden muss, wäre auch Sage Karam wieder eine mögliche Option. Allerdings ist das Interesse an ihm seitens der Teams nicht sonderlich hoch. Gleiches gilt für Jack Hawksworth. Robert Wickens hat nach seinem Road-America-Einsatz durchaus Lust auf IndyCar-Rennen. Allerdings wohl erst für 2019, wenn Mercedes der DTM endgültig den Rücken gekehrt hat.

Es bleibt abzuwarten, welche Wendungen der Kampf um die IndyCar-Cockpits 2018 noch mit sich bringt. Es ist davon auszugehen, dass die letzten Plätze erst im neuen Jahr vergeben werden und länger dauern wird als im vergangenen Winter.