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Gegenentwurf zur DTM: Was plant Aufrecht für 2018?

21. Oktober 2016 - 17:22 Uhr

Umsetzung des Class-One-Reglements unter dem Dach der WTCC: So könnte Hans Werner Aufrecht der DTM in den kommenden Jahren äußerst gefährlich werden

Start Hockenheim DTM 2016
Die DTM könnte angesichts der WTCC-Veränderungen unter Druck geraten
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - In der DTM gilt die Reduzierung des Starterfeldes auf nur noch 18 Fahrzeuge als beschlossene Sache. Viele Beteiligte und zahlreiche Vertreter der engagierten Hersteller verkaufen einen solchen Schritt in der Öffentlichkeit als positiv. Man werde schlanker und kosteneffizienter agieren, ohne dabei den sportlichen Wettbewerb zu schädigen. Neutrale Beobachter bewerten die Pläne ganz anders. Die Reduzierung auf sechs Autos pro Hersteller sei ein weiterer Schritt in die falsche Richtung, heißt es von dort.

"Die DTM schafft sich selbst ab", äußerte jüngst ein hochrangiger Verantwortlicher aus dem nahen DTM-Umfeld. Es drohen große Gefahren, nach Informationen von 'Motorsport-Total.com' von einer Seite, die bis vor wenigen Monaten alles für den Erhalt und ein Wachstum des Deutschen Tourenwagen-Masters (DTM) getan hätte: Hans Werner Aufrecht. Nach der Entmachtung des AMG-Gründers bei der Dachorganisation ITR holt der 77-Jährige nun womöglich zum Gegenschlag aus.

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Aufrecht hat große Pläne, die bei erfolgreicher Umsetzung den Fortbestand der DTM erheblich in Zweifel ziehen. "Aufrecht macht den Lotti", erklärte uns eine unserer hochrangigen Quellen aus dem deutschen Motorsport in Anlehnung an die Gründung der TCR-Serie durch Marcelo Lotti, nachdem dieser als WTCC-Serienchef abgelöst worden war. Auch bei Aufrechts Ansinnen spielt die WTCC eine Rolle - sogar eine entscheidende Hauptrolle.

Der ehemalige starke Mann der DTM plant gemeinsam mit WTCC-Boss Francois Ribeiro offenbar einen großen Coup. Die Tourenwagen-Weltmeisterschaft soll zur Saison 2018 (spätestens 2019) das für die DTM geplagte Class-One-Reglement umsetzen und sich somit nicht nur für die Hersteller der japanischen Super-GT-Serie, sondern auch für die DTM-Hersteller Audi, BMW und Mercedes öffnen. Aus Stuttgart soll Aufrecht, der seit jeher engste Bindungen zum Daimler-Konzern pflegt, positive Signale bezüglich einer WTCC-Teilnahme erhalten haben.

Enttäuschung über DTM-Verschiebung der Reglement-Umsetzung

Aufrecht hat nach Informationen von 'Motorsport-Total.com' bereits intensive Gespräche mit Vertretern von Discovery geführt, deren Tochter Eurosport Events für die Vermarktung der WTCC zuständig ist. Zudem soll er bereits von zwei japanischen Herstellern erhebliches Interesse signalisiert bekommen haben. Warum holt der ehemals unumstrittene ITR-Boss eigentlich zu einem solchen Gegenschlag in Richtung DTM aus? Eine treibende Kraft könnte die Enttäuschung über die (Nicht-)Umsetzung des neuen Reglements sein.

Ursprünglich hätten die DTM-Autos bereits ab 2017 von den neuen 2,0-Liter-Turbomotoren angeschoben werden sollen. Vor dem Hintergrund hoher Entwicklungskosten setzten die Hersteller jedoch eine Verschiebung durch. Damit platzte die gewünschte Kompatibilität mit der japanischen Super-GT-Serie - gleichzeitig reduzierte sich die Zahl der Hersteller, welche mit ihrem Class-One-Auto potenziell in der DTM hätten fahren könnten.

Dieses Szenario war für Aufrecht ein herber Schlag. Nicht nur die Vertreter von BMW waren es, die ihre DTM-Rückkehr an den Wunsch nach Internationalisierung knüpften, sondern auch der ITR-Boss wollte diesen Kurs konsequent gehen. Nach harten Verhandlungen ließen sich die Japaner auf das neue Reglement ein und setzten dieses sogar früher um als die DTM. Nun ist unklar, wann die Deutschen das eigens forcierte Thema selbst umsetzen. Das kommt in der Super-GT ebenso wenig gut an wie bei Aufrecht.

Welche Auswirkungen eine WTCC mit Class-One-Reglement auf die DTM haben könnte, ist noch nicht in allen Facetten zu bemessen. Klar ist aber, dass die Szene kaum weiter existieren könnte, sollte sich einer der aktuellen Hersteller in Richtung "neuer WTCC" verabschieden. Eine DTM mit nur zwei engagierten Werken wird es nie wieder geben. Das haben alle Beteiligten in den vergangenen Monaten immer wieder deutlich formuliert.

Werden WTCC-Pläne in Paris kommuniziert?

Bei der ITR möchte man die Gerüchte um die Aufrecht-Ribeiro-Pläne nicht kommentieren. Das Class-One-Reglement sei gemeinsam von ITR, DMSB und den Herstellern Audi, BMW und Mercedes erarbeitet worden. Die Super-GT habe die Rechte am Regelwerk bereits erhalten. "Das Class-One-Reglement liegt ja quasi überall ausgedruckt rum", so der erste Kommentar eines ITR-Sprechers, der später ergänzt: "Eine Adaption des Class-One-Reglements ist zwischen WTCC und ITR e.V. sowie den Herstellern noch nicht besprochen worden."

Bei Audi nimmt man die Gerüchte zur Kenntnis. Thema seien diese in den vergangenen Wochen im größeren Kreise jedoch nicht gewesen. BMW war kurzfristig für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Aus dem Lager von Mercedes heißt es, dies sei "eher ein Thema der ITR". Ein Sprecher der Stuttgarter weiter: "Wir können dazu aktuell nur so viel sagen: Wir haben - ebenso wie die anderen beiden Hersteller - ein Bekenntnis zur Teilnahme an der DTM in den kommenden beiden Jahren abgegeben."

Im Fahrerlager der WTCC war der mögliche Coup hingegen schon präsent. Mehrere Teamchefs und Herstellerverantwortliche wurden mit den Gerüchten über eine Umsetzung des Class-One-Reglements unter dem Dach der FIA-Tourenwagen-WM konfrontiert. Bisher handelt es sich nach Aussage eines Teamchefs um Spekulationen, die jedoch in der kommenden Woche bei einem WTCC-Meeting in Paris einen realistischen Hintergrund erhalten könnten.

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