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Marquardt: "Davon habe ich nicht einmal geträumt"

09. Oktober 2012 - 12:54 Uhr

Der BMW-Motorsportdirektor ist hellauf begeistert von der Vorstellung seiner Marke nach dem Wiedereinstieg in die DTM: "Der Bessere soll gewinnen"

Jens Marquardt (BMW Motorsport Direktor)
Jens Marquardt ist mehr als zufrieden mit dem BMW-Comeback
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Vier Siege, vier Pole-Positions und Titelchancen bis zum Finale in Hockenheim: BMW kann bisher auf eine erfolgreiche Comeback-Saison in der DTM zurückblicken. Vor dem Saisonfinale am 21. Oktober zieht Motorsport-Direktor Jens Marquardt im Interview eine Zwischenbilanz und erklärt, was sich die Teams der Münchener für das letzte Rennwochenende des Jahres vorgenommen haben.

Frage: "Herr Marquardt, die DTM-Saison 2012 neigt sich dem Ende zu. Sind Sie zufrieden mit dem, was BMW in den vergangenen neun Rennen gezeigt hat?
Jens Marquardt: "Natürlich bin ich absolut zufrieden mit dem Verlauf unserer Comeback-Saison. Wenn uns vor der Saison jemand allen Ernstes gesagt hätte, dass wir im letzten Saisonrennen noch realistische Chancen auf die Meisterschaft haben würden, hätte ich ihn für verrückt erklärt."

Statistik sorgt noch immer für große Augen

"Wir hatten vor dem ersten Rennen in Hockenheim als Ziel ausgegeben, so schnell wie möglich konkurrenzfähig zu sein. Wie wir dann gesehen haben, war das sehr früh der Fall - und wir konnten schon im zweiten Rennen auf dem Lausitzring mit Bruno Spengler unseren ersten Sieg feiern. Dass dieser Triumph keine Eintagsfliege war, haben dann unsere weiteren Erfolge gezeigt."

"Kaum jemand hätte es wohl für möglich gehalten, dass wir in den ersten neun Rennen vier Mal gewinnen und insgesamt zehn Podestplätze erringen würden. Auch ich selbst ertappe mich oft dabei, wie ich mir mit großen Augen die Statistiken anschaue: Mit diesem starken Abschneiden der BMWs konnte man auch in den kühnsten Träumen nicht rechnen. Es waren jedoch nicht nur Bruno mit seinen drei Siegen und Augusto Farfus mit dem Erfolg in Valencia, die für Glanzlichter gesorgt haben."

In der Breite überzeugend

"Unsere sechs Fahrer konnten auch in der Breite eine starke Leistung zeigen und überzeugen. Die Neulinge in unserem Aufgebot haben sich sehr schnell zurechtgefunden und allesamt Punkte gesammelt. Der amtierende DTM-Champion Martin Tomczyk stand ebenfalls drei Mal auf dem Podium. Das zeigt, dass BMW, die drei Teams und unsere Piloten sensationelle Arbeit geleistet haben. Ich bin unheimlich stolz auf meine Mannschaft."

Frage: "Wie stehen die Chancen, dass wir in Hockenheim den vierten BMW-Piloten in der DTM-Historie als Champion sehen werden?"
Marquardt: "Die Saison 2012 geht bereits jetzt als riesiger Erfolg in die Geschichte von BMW ein. Die DTM ist eine hart umkämpfte Serie, in der drei Premium-Automobilhersteller auf höchstem Niveau gegeneinander antreten. 2012 kamen wir neu in die Serie und hatten einen großen Erfahrungsrückstand auf unsere Konkurrenten."

Der Titel wäre nur die Kür

"Wir haben aber sehr schnell gelernt und befanden uns mit dem neu entwickelten M3 DTM aus dem Stand fast auf Augenhöhe mit unseren Mitbewerbern. Deshalb kann sich die Mannschaft unabhängig vom Ausgang des Rennens in Hockenheim als Sieger sehen. Dass wir vor dem Finale noch eine Chance auf den Titel haben, ist sensationell."

Frage: "Aber gewinnen wollen Sie schon, oder?"
Marquardt: "Keine Frage. Wir haben ausschließlich echte Racer im Team. Jeder, der Motorsport betreibt, möchte Rennen für sich entscheiden und im Idealfall Titel erringen. Ich möchte lediglich betonen, dass wir beim Saisonfinale nichts zu verlieren haben. Die Pflicht haben wir 2012 mehr als erfüllt. Der Titelkampf in Hockenheim ist die Kür."

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"Wir werden alles daran setzen, damit Bruno den Rückstand auf Gary Paffett mit einem weiteren Topergebnis aufholen kann. Wenn in Hockenheim zum letzten Mal in diesem Jahr die Zielflagge geschwenkt wird, dann wissen wir, wie gut uns das gelungen ist."

BMW will nicht mit dem Schicksal hadern

Frage: "Was erhoffen Sie sich vom Saisonfinale?"
Marquardt: "Bruno und Gary, aber auch Jamie (Green, Anm. d. Red.), haben im Lauf der Saison gezeigt, dass sie großartige Rennfahrer sind. Obwohl Bruno bereits zwei Mal in dieser Saison wegen unverschuldeter Kollisionen ohne Punkte blieb, ist es nun müßig, darüber zu spekulieren, wo er stehen würde, hätten ihn seine Gegner in Hockenheim und am Red-Bull-Ring nicht abgeräumt."

Martin Tomczyk, Bruno Spengler
Tomczyk und Spengler setzten nicht nur am Norisring Akzente
© xpbimages.com

"Unser Ansatz ist aber, nicht zurück, sondern nur nach vorne zu schauen. Und dabei ist festzuhalten: Wir nehmen den Tabellenstand exakt so an, wie er ist. Jeder der drei hätte es verdient, am Ende ganz oben zu stehen. In Hockenheim soll der Bessere gewinnen - in einem fairen Finale."

Frage: "Wie zufrieden sind Sie mit der Leistung der drei Teams?"
Marquardt: "Die Siege und Podestplätze von Schnitzer und RBM sowie die Top-3-Platzierungen von RMG in Spielberg, auf dem Norisring und auf dem Nürburgring sprechen für sich. Auch bei den Boxenstopps haben wir von den Crews sehr gute Leistungen gesehen. Nicht umsonst ist zum Beispiel die Mannschaft von Schnitzer Stammgast bei der Auszeichnung der schnellsten Boxencrew durch Reifenhersteller Hankook."

Es steckt noch Potenzial im M3

"Alle drei Teams sind mit der Bereitschaft in die DTM gekommen, sich gemeinsam mit BMW in ein neues Abenteuer zu werfen und im Rekordtempo zu lernen. Dass wir so schnell konkurrenzfähig sein konnten, ist der Verdienst jedes einzelnen Teammitglieds."

Frage: "Und mit dem M3 DTM ist Ihrer Entwicklungsabteilung offensichtlich ein guter Wurf gelungen."
Marquardt: "Ja, das ist zweifelsohne so. Wir hatten mit dem M3 DTM keinen technisch bedingten Ausfall zu verzeichnen - und das als Neuling. Das Auto war auf nahezu allen Strecken klasse unterwegs, so dass unsere Teams und Fahrer angreifen konnten. Das heißt aber nicht, dass die Leistungsfähigkeit bereits voll ausgereizt ist."

"Wir finden noch immer mit jeder Runde Dinge, die uns voranbringen. Die Detailarbeit geht unvermindert weiter. Aber natürlich war es sehr hilfreich und ein Beleg für die tolle Arbeit der Ingenieure, dass die Basis von Anfang an gestimmt hat. Der M3 DTM hat bewiesen, dass er ein echter Siegertyp ist."

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