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  • 14.01.2014 15:29

  • von Armin Schwarz

Schwarz-Kolumne: Was die neue WRC-Saison bringt

'Motorsport-Total.com'-Kolumnist Armin Schwarz blickt auf die neue Saison der Rallye-WM voraus und nimmt die zahlreichen Veränderungen unter die Lupe

Liebe Fans des gepflegten Driftwinkels,

Titel-Bild zur News: Armin Schwarz

Armin Schwarz nimmt vor dem Saisonbeginn die WRC unter die Lupe Zoom

Die neue WRC-Saison steht vor der Türe und vor allem bei den Fahrern hat sich einiges verändert. Sebastien Ogier und Volkswagen sind als Titelverteidiger natürlich die großen Favoriten. Ich glaube, dass Seb das Niveau sicherlich halten wird können. Er hat in den vergangenen Jahren und auch schon früher bei Citroen ein sehr hohes Niveau gezeigt. Schon damals war er vergleichbar mit Loeb und war einer der wenigen Fahrer, der wirklich Loeb Paroli bieten konnte. Für mich war beeindruckend, dass er mit dem Skoda Fabia S2000 einen Speed an den Tag gelegt hat, der die reine Fahrfreude gezeigt hat. Er wird sein Niveau sicher halten und mit dem gleichen Tempo wie im vergangenen Jahr unterwegs sein.

Auf der anderen Seite muss Jari-Matti Latvala das auf die Straße bringen, was er hat. Er muss nicht unbedingt eines drauflegen. Er muss konstant seine Leistung zeigen. Das war leider in den vergangenen Jahren sein Problem. Immer wenn er ein Hoch hatte, ist er ganz kräftig heruntergefallen, weil er über das Limit gegangen ist, zum Teil aber auch ordentlich Pech hatte. Ogier kann im Vergleich zu Jari-Matti besser einschätzen, wann man nicht über das Limit geht. Das wird für Jari-Matti entscheidend sein. In Schweden hat er für mich gute Chancen, weil er dort schon gewonnen hat und er den Belag mag. Dort könnte er Ogier schlagen, aber das müsste er dann anschließend auch in Portugal umsetzen, um konstant zu werden.

Volkswagen hat zwar einige Kleinigkeiten nachhomologiert, aber ich denke nicht, dass sich dadurch viel verändern wird. Aber selbst wenn sie nur ein Prozent nachlegen können, dann werden das für Hyundai zehn Prozent Anforderung. Der Polo R WRC war im vergangenen Jahr bis auf ein paar Kleinigkeiten problemlos unterwegs. Hyundai weiß nicht wie schnell und wie haltbar der i20 WRC ist. Wie kommen auch die Fahrer damit klar? Lediglich Thierry Neuville fährt die komplette Saison. Alle anderen Piloten fahren im Wechsel.

Fragezeichen bei Hyundai

Soweit ich es aus meiner Erfahrung mit Südkorea einschätzen kann, hat Sportchef Gyoo-Heon Choi wenig Geduld, um einen mittelfristigen Plan zu machen. Ich kann mir vorstellen, dass sie bei den Fahrern im zweiten Auto auch unorthodox entscheiden könnten, wenn es nicht gleich funktioniert. Die Fahrer könnten schnell ausgetauscht werden. Dafür glaube ich schon, dass Thierry dieser Aufgabe gewachsen ist. Er muss aber auch die Voraussetzungen haben, damit er es umsetzen kann. Diesbezüglich bin ich mir nicht ganz sicher und man muss abwarten wie gut das Team bereits organisiert ist.

Ich bin etwas skeptisch wie gut der Hyundai laufen wird. Von außen stellt man das Thema richtig auf, aber meiner Information nach ist man intern recht zurückhaltend. Sie wissen nicht wirklich wo sie stehen, da man natürlich keinen Vorlauf, ausgiebige Test und Vergleiche hatte wie es bei Volkswagen der Fall war. Hyundai kommt ziemlich unbedarft und wird in Monte Carlo sehen, wo man steht. In Schweden werden sie sehen, wie gut sie auf Schnee sind und erst in Portugal wird man die Performance auf Schotter einschätzen können. Viel Glück wünsche ich auf jeden Fall, da gerade der Einstieg von Hyundai dringendst für die Rallye WM ist. Ohne Konkurrenz könnte der Aufenthalt von Volkswagen in der WM deutlich kürzer ausfallen als man denkt.

Hyundai

Noch steht hinter der Wettbewerbsfähigkeit von Hyundai ein Fragezeichen Zoom

Radikale Veränderung bei Citroen

Das Bild bei Citroen hat sich ebenfalls verändert. Die Konzentration geht dort in Richtung Tourenwagen-WM. Ich glaube nicht, dass es in dieser Saison wesentlich anders als im Vorjahr sein wird. Ich schätze, es wird für Citroen noch schwieriger, denn Mads Östberg ist zwar ein lieber, netter Kerl, aber meiner Meinung nach hängt er seit Jahren hinter den Erwartungen zurück. Ich glaube nicht, dass er in diesem Jahr deutlich schneller und verlässlicher als in der Vergangenheit fahren wird.

Kris Meeke ist vom Talent her sicher sehr gut, aber er hat einen Erfahrungsnachteil. Er ist im Mini keine komplette Saison gefahren, und auch davor hatte er keine realistische Chance sich zu beweisen. Deswegen wird er bei jeder Rallye lernen müssen. Das sollte eigentlich nicht der Anspruch für Citroen sein. Sie wollten sich neu aufstellen, haben am Fahrermarkt aber schnell gemerkt, dass es nur mit vollem Einsatz geht. Wäre da die Tourenwagen-WM nicht dann hätten sie vielleicht Neuville bekommen. Da sie aber in die WTCC gegangen sind, hat Neuville schnell gemerkt, dass er bei Citroen nicht weiterkommen würde. Damit mussten sie zwangsläufig auf diese Fahrer zurückgreifen.


Fotos: WRC: Rallye Monte Carlo, Pre-Events


Für Mikko Hirvonen war die Rückkehr zu M-Sport der einzige Schritt. Ich glaube nicht, dass Mikko irgendwo anders hätte Fuß fassen können. Eigentlich bin ich darüber recht glücklich, denn zunächst habe ich mir gedacht, dass die Südkoreaner Mikko nehmen werden, was meiner Meinung nach Hyundai nicht nach vorne bringen würde. Bei Ford trifft er auf seinen alten Teamchef, dem er viel zu verdanken hat. Malcolm Wilson hat Mikko damals als beständigen ersten Fahrer gehabt, aber sie konnten die WM nie gewinnen. Mit diesem Umstand muss Mikko auch heute noch kämpfen, weil ihm das keiner zutraut - und ich auch nicht. Ich glaube nicht, dass sie die gleichen Resultate wie mit Neuville erreichen werden.

Mikko Hirvonen

Mikko Hirvonen ist zu M-Sport und Malcolm Wilson zurückgekehrt Zoom

Kubica steht vor einer schwierigen Saison

Für Robert Kubica wird es in der ersten Saison schwierig werden, auch wenn er die Jännerrallye gewonnen hat. Die Jännerrallye ist eine nationale Veranstaltung. Dort ist er gegen die Besten der nationalen Meisterschaft angetreten. Ich will es nicht schlecht machen, denn es war sicher eine schwierige Rallye. Der "Mundl" Baumschlager und Vaclav Pech sind sicher sehr gute Fahrer und kennen die Strecken dort gut, aber in der WM ist der Speed ganz anders. Deshalb glaube ich, dass es für Robert alles andere als einfach wird.

Bei den Asphalt-Rallyes traue ich ihm mehr zu als bei Schotter, weil er auf Asphalt mit dem Speed ganz anders umgehen kann. Auf Schotter kann Robert für Malcolm nur der zweite Fahrer sein. Es werden natürlich Vergleiche mit Kimi Räikkönen gemacht, aber ich glaube, dass Kimi eine andere Herangehensweise hatte. Kimi hatte im Hinterkopf immer eine Rückkehr in die Formel 1. Für Robert ist die Formel 1 aufgrund seiner körperlichen Beeinträchtigung realistisch gesehen keine Option mehr. Deshalb sucht er sich eine Serie abgesehen von der Formel 1, in der er sich etablieren kann.

Robert Kubica

Robert Kubica wird seine erste Saison in einem WRC-Boliden absolvieren Zoom

Die FIA ist gefragt

In diesem Jahr besucht die Rallye-WM wieder Polen, aber ich glaube nicht, dass der Kubica-Faktor einen Einfluss darauf hatte. Die FIA entscheidet garantiert emotionslos. Sie vergeben WM-Läufe nach Veranstalterrichtlinien. Natürlich hilft es dem polnischen Veranstalter, wenn ein nationaler Fahrer als Held dasteht, um die Rallye aufzuwerten. Generell will die FIA die Zeitpläne der Rallyes vereinheitlichen, aber vielleicht kommt das zu spät. Es wäre schon seit zehn Jahren notwendig gewesen, dass man eine einheitliche Richtlinie hat. Das hat die MotoGP und die Formel 1 schon seit Jahrzehnten, damit Fernsehsender oder Zeitungen ganz genau wissen, wann sie die WRC in eine Sendung oder in das Blatt bringen können.

Das ist mehr als notwendig. Ich sehe es aber noch nicht so umgesetzt. Die FIA sagt zwar, dass es standardisiert wird, aber es ist jeder Veranstalter weiterhin dazu berechtigt, seine Rallye in seinem Format stattfinden zu lassen. Wenn ich zwischen den Zeilen lese, dann hat der Veranstalter immer noch die Möglichkeit die Rallye am Donnerstag zu starten und am Samstag zu Ende gehen zu lassen.

Andreas Mikkelsen

Armin Schwarz ist gespannt auf die Entwicklung der Nachwuchstalente Zoom

Die Finnen waren diesbezüglich Spezialisten. Sie haben die Rallye nach vorn gezogen und am Samstag beendet, damit am Samstagabend in Jyväskylä eine schöne Party gefeiert werden kann. So sollte es zwar sein, aber das muss für alle gleich sein, damit Medien, TV und Fans gleichermaßen wissen wann was stattfindet. Derzeit muss ich mich gezielt bei jeder Veranstaltung schlau machen, wann denn Start oder Ziel ist.

Für Unterhaltung könnten in diesem Jahr auch einige Nachwuchsfahrer sorgen. Interessant zu beobachten wird Elfyn Evans bei M-Sport. Er bekommt eine sehr gute Chance von Malcolm. Nach Richard Burns und Colin McRae brauchen die Briten dringend einen neuen Helden, der den Rallye-Sport wieder nach oben bringt. Bei Volkswagen bin ich auf Andreas Mikkelsen gespannt, wie er sich entwickelt.

Er muss in diesem Jahr ein anderes Tempo an den Tag legen, um sich vorne zu etablieren, denn irgendwann ist die Nachwuchsförderung auch vorbei. Er muss zeigen was er kann. Zu viele Nachwuchstalente blieben Talente, manche hatten die Gabe eines zu sein, aber haben es nicht ernst genommen, wieder andere hatten einfach keine Chance, da viele Teams Fahrer mit Geld suchten. Geld war wichtiger als Talent.

Armin Schwarz

Armin Schwarz arbeitet an seinem Trophy-Truck für die US-SCORE-Meisterschaft Zoom

Auch ich arbeite derzeit an meinem Project Baja für die SCORE-Serie in den USA und den Baja-Rennen. Wir haben im vergangenen Jahr eine sehr gute Performance gezeigt, hatten aber bei der Haltbarkeit immer wieder Mängel. Es waren keine großen Sachen, sondern Kleinigkeiten. Direkt nach der Baja1000 haben wir mit der Arbeit an einer Qualitätskontrolle begonnen, die unerlässlich ist. Zusätzlich bin ich mit der Organisation unseres Wintertrainings & Rallyetrainings www.iceaction.de beschäftigt. In Lappland veranstalten wir ein Winter- und Rallye-Training. Viele unserer Kunden kommen bereits mit ihren eigenen Rallye-Autos. Ab 1. Februar geht es dort los, worauf ich mich sehr freue.

Nun wünsche ich Euch viel Spaß mit der Rallye Monte Carlo!
Bis bald,
Euer

Uwe Winter