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Goodbye, Colin McRae (1968 - 2007)

Mit Colin McRae verlor der Motorsport einen Helden, der nicht nur im Rallye-Auto die Fans begeisterte und dessen Tod weltweit für große Trauer sorgt

(Motorsport-Total.com) - Colin McRae ist tot. Diese Nachricht traf den Motorsport und die Fans wie ein unfassbarer Schock. Der 39-Jährige wurde mitten aus dem Leben gerissen, aus einem Leben, das voller Pläne war. Im Dezember wollte er am Race of Champions - das er vor Jahren gewonnen hatte - im Wembley-Stadion teilnehmen. Das heimische Publikum würde ihn besonders motivieren, wie McRae im Juni in einem Interview mit 'Spong.com' erklärte: "Hoffentlich können wir in Wembley die Nationenwertung gewinnen - ich werde vorher noch ernsthaft dafür trainieren."

Colin McRae

Colin McRae (1968 - 2007): Mit ihm verlor der Motorsport einen seiner Helden Zoom

Gleichzeitig bereitete sich McRae seit Monaten auf die Rallye Dakar vor, die er im Januar für das X-Raid-Team bestreiten sollte. Nebenbei nahm er an mehreren Rallyes teil, auch entwickelte McRae ein eigenes Rallye-Auto, den R4, mit dem er in naher Zukunft an Wettbewerben teilnehmen wollte. Und - McRae arbeitete an einem möglichen Comeback in der WRC. Er versuche, 2008 in die Weltmeisterschaft zurückzukehren, erklärte er vor wenigen Wochen. Das sei seine letzte Chance, denn danach sei er zu alt für Rallyesport auf diesem hohen Niveau.#w1#

Was er nicht ahnen konnte: Diese letzte Chance sollte ihm nicht mehr gewährt werden, denn das Schicksal hatte einen anderen Plan. Am Samstagabend starb der 39-Jährige mit seinem fünfjährigen Sohn Johnny, seinem Freund Graeme Duncan und Johnnys Schulfreund Ben Porcelli bei einem Hubschrauberabsturz. McRae hinterlässt seine Frau Alison und die achtjährige Tochter Hollie.

Angeborene Leidenschaft für den Motorsport

Colin McRae war einer der bekanntesten und legendärsten Motorsportler der jüngeren Geschichte. Am 5. August 1968 wurde er im schottischen Lanark als Sohn des fünfmaligen Britischen Rallye-Meisters Jim McRae geboren. Der junge Colin wollte eigentlich Motorradrennfahrer werden. "Doch da habe ich von meiner Mutter nicht allzu viel Unterstützung bekommen", berichtete er in dem Interview im Juni. "Also habe ich mich den Autos zugewandt - das konnte sie eher akzeptieren."

McRaes erstes Rallye-Auto war ein Talbot Sunbeam, der immer noch in seiner Garage in Lanark steht. Mit 17 Jahren, eine Woche nach seiner Führerscheinprüfung 1985, nahm er damit an seiner ersten Rallye teil. Im ersten Jahr seiner Karriere startete McRae bei nationalen Läufen in Schottland, ein Jahr später, 1986 betrat er internationales Parkett und eine unvergleichliche Karriere begann. Sein WRC-Debüt feierte er 1986 mit einem Gastauftritt bei der Rallye Schweden.

Rekordhalter mit 25 Siegen und jüngster Weltmeister

Colin McRae

Colin McRae beeindruckte mit Wagemut, Risikofreude und Entschlossenheit Zoom

1991 kam McRae bei Prodrive-Subaru unter Vertrag und bestritt für das Team die Britische Meisterschaft, während er nebenbei weiter vereinzelte WRC-Auftritte hatte. 1991 und 1992 wurde er Britischer Meister, der Durchbruch in der Rallye-Weltmeisterschaft folgte 1993- bei der Rallye Neuseeland holte er in diesem Jahr seinen ersten WRC-Sieg. Es folgten 24 weitere: Mit insgesamt 25 WRC-Siegen war McRae einige Zeit alleiniger Rekordhalter, bis er von Carlos Sainz und später Sébastien Loeb und Marcus Grönholm überholt wurde.

Mit Subaru holte er 1995 auch seinen größten sportlichen Erfolg: McRae wurde als jüngster Pilot aller Zeiten und als erster Brite überhaupt Rallye-Weltmeister. In diesem Jahr konnte er nur zwei Läufe gewinnen und lieferte sich mit seinem Teamkollegen Sainz ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel. Die Entscheidung fiel bei seinem Heimlauf, dem Saisonfinale in Großbritannien. Nachdem McRae wegen eines Reifenwechsels über zwei Minuten verloren hatte, startete er eine sensationelle Aufholjagd und konnte Sainz am Ende 39 Sekunden abnehmen. Mit dem Vorsprung von fünf Zählern sicherte er sich den Titel, umjubelt von seinem Heimpublikum.

Nach 2003 nur noch vereinzelte Einsätze

Colin McRae

Seinen letzten WRC-Lauf bestritt Colin McRae 2006 mit Citroen in der Türkei Zoom

1996 und 1997 wurde McRae mit Subaru jeweils Vizeweltmeister, 1999 wechselte er zum Ford-Werksteam. Dort blieb er bis 2002, 2003 bestritt er für Citroën seine letzte volle WRC-Saison. Das Jahr verlief recht erfolglos, 2004 kehrte McRae der WRC vorerst den Rücken. Doch 2005 kehrte er mit zwei Auftritten im Skoda Fabia zurück in die WRC. In Großbritannien fuhr er in die Punkte, in Australien war er sogar auf Podestkurs, bis er wegen Kupplungsproblemen aufgeben musste.

Seinen letzten WRC-Lauf bestritt McRae im vergangenen Jahr in der Türkei, wo er den verletzten Sébastien Loeb im Citroën Xsara vertrat. Unter schwierigen Bedingungen hatte McRae Probleme, seine Pace zu finden, doch er schaffte es bis auf Platz sechs, bevor er mit Elektrik-Problemen ausschied.

"Der erste WRC-Sieg in Neuseeland, das war ein Meilenstein." Colin McRae im Juni 2007

"Meisterschaften zu gewinnen - zweimal die Britische in den frühen 1990er Jahren", hatte McRae im Juni 2007 selbst auf die Frage geantwortet, was die Highlights in seiner WRC-Karriere waren. "Der erste WRC-Sieg in Neuseeland, das war ein Meilenstein. Und dann die Weltmeisterschaft 1995 natürlich - diese drei Dinge bleiben mir im Gedächtnis."

McRae - ein Superstar des Rallyesports

Es waren nicht nur seine Erfolge, die McRae zum Superstar machten und seinen Namen für ein Synonym des Rallyesports. Er begeisterte die Fans mit seinem spektakulären Fahrstil, ging immer ans Limit und sorgte auf der Strecke für atemberaubende Action. Damit überzeugte er nicht nur in der WRC, sondern auch bei der Rallye Dakar, den 24 Stunden von Le Mans (2004 fuhr er dort auf das Podest der GT1-Kategorie), im Porsche Cup und bei den X-Games in Amerika. Seit den späten 1990er Jahren lieh er seinen Namen auch einer Reihe von Computerspielen - "Colin McRae Rally" und später "Colin McRae DiRT".

Sein großes Hobby neben dem Motorsport war das Helikopterfliegen. Er war begeisterter Pilot - eine Leidenschaft, die nun so tragische Folgen hatte. Das Schicksal schlug auf seine eigene, oft so unerklärbare und unergründliche Art zu: Auf dem Rückweg von einer Party stürzte McRaes Hubschrauber ab - vier Menschen wurden von einer Sekunde auf die andere aus dem Leben gerissen.

Die Familie ist in tiefer Trauer

Die Gedanken und Gefühle von Kollegen, Freunden und Fans sind nun vor allem bei den betroffenen Familien. Stellvertretend für die Familie McRae wandte sich Vater Jim an die Öffentlichkeit.

"Dass er sein Leben 50 Meter neben seiner Haustür verloren hat, ist so ironisch." Vater Jim McRae

"Es ist sehr ironisch, wenn man bedenkt, was für ein gefährliches Leben Colin als Rallyepilot hatte", sagte Jim McRae in einem Interview mit 'BBC Schottland'. "Dass er sein Leben 50 Meter neben seiner Haustür, gemeinsam mit unserem Enkel Johnny, dessen Freund Ben und Colins Schulfreund Graeme, der aus Frankreich zu Besuch war, verloren hat, ist so ironisch. Es ist beinahe unglaublich."

Die Absturzursache müsse noch geklärt werden, so Jim McRae. Er gehe aber davon aus, dass sein Sohn schon während des Fluges ein Problem gehabt und versucht habe, außerhalb der Bäume auf einem Feld zu landen. "Colin hatte für Helikopter eine genauso große Leidenschaft wie für Rallyeautos - und wir wissen alle, dass er dabei sehr gut war", so der Vater. "Er war ein perfekter Pilot, der schon mit sehr erfahrenen Piloten geflogen ist. Mich hat einer von ihnen aus Neuseeland angerufen, um mir zu sagen, dass er sicher sei, dass es kein Pilotenfehler war."

"Es ist schwer zu glauben, dass Colin und Johnny so früh und auf so tragische Weise aus dem Leben gerissen wurden." Jim McRae

"Wir sind voller Trauer", hatte Jim McRae bereits vorher in einem Statement gesagt. "Es ist schwer zu glauben, dass Colin und Johnny so früh und auf so tragische Weise aus dem Leben gerissen wurden. Colin war ein großartiger Sohn, ein liebevoller Ehemann für Alison und ein fantastischer Vater für Johnny und dessen große Schwester Hollie. Johnny war ein toller kleiner Kerl, der jede freie Minute mit seinem Dad verbracht hat und sogar in seinem jungen Alter konnten wir schon sehen, dass er das Potential hatte, unsere Familientradition fortzusetzen."

"In Gedanken sind wir auch bei den Familien von Ben Porcelli und Graeme Duncan", fuhr Jim McRae fort. "Ben war ein enger Freund von Johnny und die beiden haben in der Schule und in ihrer Freizeit viel Zeit miteinander verbracht. Graeme, der nun in Frankreich lebte, war seit der Schulzeit ein enger Freund von Colin und war zu Besuch in Lanark."

"Wir sind dankbar für die viele Anteilnahme, die wir aus der ganzen Welt bekommen haben. Colin war eine Inspiration und ein Idol für Motorsportfans auf der ganzen Welt", heißt es weiter in dem Statement. "Sie können sich vorstellen, dass dies nun eine sehr schwere Zeit für unsere Familie ist und wir bitten darum, dass unsere Privatsphäre respektiert wird und wir die Möglichkeit bekommen, unter uns in der Familie zu trauern."

Große Bestürzung im weltweiten Motorsport

Der Motorsport reagierte mit großer Bestürzung auf die traurige Nachricht vom Tod des beliebten Kollegen und Freundes. "Die FIA möchte den Familien ihr tiefstes Mitgefühl aussprechen", hieß es in einem Statement des Motorsport-Weltverbands FIA. "Colin McRae leistete einen großen Beitrag zum Motorsport und sein spektakulärer Fahrstil machte ihn bei den Fans auf der ganzen Welt beliebt. Die Gedanken aller in der Motorsportgemeinschaft sind bei den Familien und denen, die von dieser Tragödie betroffen sind."

"Wir werden ihn alle vermissen." Colin Hilton

Der Präsident des Britischen Motorsportverbands MSA, Colin Hilton sagte: "Im Namen des gesamten britischen Motorsports möchten wir Colin McRaes Familie und allen Betroffenen unser tiefstes Beileid aussprechen. Seine Energie, seine Einsatzbereitschaft und sein herausragendes Talent haben ihm zu internationalem Erfolg verholfen, während sein kompromissloser Fahrstil und seine Entschlossenheit in zum Helden von vielen Fans auf der ganzen Welt gemacht haben. Colin war ein großartiger Botschafter des britischen Motorsports und hat sich nach seiner WRC-Karriere darum um den Nachwuchs im Rallyesport gekümmert. Wir werden ihn alle vermissen."

McRaes ehemaliger Teamkollege Carlos Sainz, der 1994 und 1995 mit McRae zusammen bei Subaru gefahren war, reagierte mit großer Trauer auf die Tragödie. "Das sind schreckliche Neuigkeiten", sagte Sainz der spanischen Nachrichtenagentur 'EFE'. "Ich habe einen Freund verloren, mit dem ich gemeinsam im selben Team gekämpft habe. Ich habe ihn wirklich geschätzt. Die tragischen Umstände seines Todes machen es noch schwerer. Er war ein großartiger Fahrer und eine exzellente Person."

"Er hat den Rallyesport beinahe im Alleingang bei Millionen Fans auf der ganzen Welt populär gemacht." Richard Taylor

Subaru-Teamchef Richard Taylor sagte in einem Statement: "Das gesamte Team ist schockiert und bestürzt von der tragischen Nachricht von Colin McRaes Tod. Colin war Subarus erster Weltmeister und hat den Rallyesport beinahe im Alleingang bei Millionen Fans auf der ganzen Welt populär gemacht. Er war eine Inspiration und ein enger Freund von vielen Mitgliedern unseres Teams. In dieser schrecklichen Zeit sind unsere Gedanken bei Alison und der gesamten Familie." Das Prodrive-Subaru-Team hat an seinem Sitz im britischen Banbury ein Kondolenzbuch ausgelegt, in dem Fans ihre Gedanken mitteilen können. Das Buch soll später der Familie übergeben werden.

Stewart: "Er hat Schottland auf die Landkarte gebracht"

"Mit seinem WM-Titel hat Colin nicht nur sich selbst, sondern ganz Schottland auf die Landkarte des Rallyesports gebracht", würdigte Sir Jackie Stewart. "Er war ein entschlossener Fahrer. ich denke nicht, dass es jemals einen Rallyepiloten gegeben hat, der so oft ans Limit gegangen ist wie Colin. Er ging an seine Grenzen und an die des Autos."

"Seine Persönlichkeit und sein Humor haben dafür gesorgt, dass er überall beliebt war", fuhr Stewart fort. "Und deshalb war er auch so erfolgreich. Aber die Fans haben ihn geliebt, weil sein Auto immer in Bewegung war. Seine Art zu fahren war geprägt von Begeisterung und Leidenschaft. Deshalb war er bei den Fans und auch bei den Profis im Sport so beliebt. Es ist einfach ein schockierender Verlust für alle."

Todt: "Colin war ein großer Champion"

"Er war einer der besten Rallye-Piloten in der Geschichte des Sports." Jean Todt

Schockiert war auch Ferrari-Teamchef Jean Todt, der beim Grand Prix in Spa von der schrecklichen Nachricht hörte. Als früherer Co-Pilot ist auch er dem Rallyesport eng verbunden. Todt begann seine Medienrunde nach dem Rennen mit einer Schweigeminute. "Ich habe nicht mit Colin McRae zusammengearbeitet, aber ich verfolge den Sport noch, weil ich ihn mag", sagte Todt. "Colin war ein großer Champion, ich habe gestern auf CNN einige Bilder gesehen, die sein Können zeigten. Er war einer der besten Rallye-Piloten in der Geschichte des Sports."

Renault-Pilot Heikki Kovalainen ist einer von vielen Motorsportlern, für die McRae ein Idol war. "Sein Fahrstil und seine Lebenseinstellung war das, was die Menschen beeindruckt hat", sagte der Finne 'BBC Sport'. "Er war waghalsig und ging immer noch einen Schritt weiter. Ich habe ihn das erste Mal 1995 in Finnland getroffen, wo er sich mit seinem Subaru zweimal überschlagen hat. Ich habe ihn um ein Autogramm gebeten - das habe ich immer noch."

David Coulthard und Colin McRae

David Coulthard und Colin McRae bildeten das schottische Team beim RoC Zoom

Formel-1-Pilot David Coulthard hatte mit McRae gemeinsam als schottisches Team das Race of Champions bestritten. Auch er reagierte mit großer Trauer: "Ich bin geschockt und sehr traurig, dass die McRae-Familie ihren Vater und Sohn verloren hat", sagte Coulthard, der selbst vor einigen Jahren einen Flugzeugabsturz überlebte. "Natürlich müssen wir in Gedanken auch bei den anderen Familien sein, deren Mitglieder an Bord des Hubschraubers waren. Colin war ein bemerkenswerter Mann, der das Herz auf dem rechten Fleck hatte und er war der Inbegriff eines Racers. Furchtlos und angriffslustig, und trotz seines weltweiten Ruhmes blieb er seinen Wurzeln treu und ein bodenständiger Mensch."

Und Coulthard sprach aus, was im Sinne von vielen sein wird: "Die Welt ist ein traurigerer Ort ohne ihn."