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  • 25.01.2013 · 17:43

Schott: "Die Dakar wird immer schneller"

Der Deutsche Stephan Schott zieht im Interview seine persönliche Dakar-Bilanz - Die Marathonrallye hat sich generell verändert

(Motorsport-Total.com) - Eine ereignisreiche Dakar 2013 liegt hinter dem KS-Tools-Team von Stephan Schott und Holm Schmidt. Nach reichlich 8.000 Gesamt- und knapp 4.000 Prüfungskilometern erreichte das Privatteam aus Hessen und Sachsen den 48. Gesamtplatz. Damit hat man das gesetzte Ziel zwar klar verhelft, doch das Duo schaffte es ins Ziel nach Santiago de Chile. Ein etwas nachdenklich wirkender Schott zieht eine kurze Bilanz und geht dabei auch auf die allgemeinen Veränderungen der Rallye Dakar ein.

Stephan Schott

Stephan Schott (re.) und sein Co-Pilot Holm Schmidt (li.) bewältigten die Dakar-Distanz Zoom

Frage: "Erst einmal Glückwunsch zur erfolgreichen Zieldurchfahrt. Ein kurzes Fazit deiner Dakar 2013?"
Stephan Schott: "Erst einmal sind wir froh ins Ziel gekommen zu sein, da es ja zweimal nicht gerade sehr gut für uns aussah. Der Mini und das ganze X-raid-Team waren wieder die Zuverlässigkeit in Person. Leistungsmäßig konnten wir das Potential unseres rot-weißen Renners nicht ganz ausschöpfen, aber das war uns schon von Anfang an bewusst gewesen. Unsere Wunschplatzierung war eigentlich schon nach drei Tagen kein Thema mehr und wir fuhren anschließend in erster Linie auf Ankommen. Das hat geklappt und mit Platz 48 sind wir unter diesen Umständen auch relativ zufrieden."

Frage: "Das klingt ein wenig nüchtern?"
Schott: "Nein, so nun auch nicht. Es hat schon über die meiste Zeit richtig viel Spaß gemacht. Aber wenn man die eigene Zielvorgabe von Platz 15 innerhalb von sehr kurzer Zeit auf Platz 50 verschieben muss, naja da sieht man eben einige Sachen nachträglich etwas kritischer."


Fotos: Dakar 2013, Tag 11 - Tag 15


Frage: "Welche waren das?"
Schott: "Eigentlich haben wir nur zwei Fehler gemacht. Den ersten eher unbewusst, wie wir kurz vor dem Ziel der dritten Etappe die falsche Ausweichroute in Sichtweite der Ziellinie genommen hatten und uns festfuhren. Das hat uns Kupplung und Getriebe am nächsten Tag wahrscheinlich ein wenig übel genommen. Aber damit waren wir weg vom Fenster. Unser Unfall am zehnten Tag war das Resultat der enormen Leistungsdichte."

"Die Abstände sind so gering geworden, dass der Staub auf der Piste permanent da ist. Startet man vorn ist es okay, aber schon ab Platz 20 wird es echt eng. Da passieren dann solche Fehler. Pech hatten wir dann auch noch bei den Wertungsabbrüchen auf genau den zwei Etappen, auf denen wir wieder richtig gut unterwegs waren. Solche Abbrüche wären früher wahrscheinlich nicht so schnell passiert."

Stephan Schott

Der Mini von Schott/Schmidt lief in Santiago auf Platz 48 ein Zoom

Frage: "Du und Holm, ihr seit gemeinsam bei den letzten fünf Dakars am Start gewesen und auch jeweils ins Ziel gekommen. Sind dabei spürbare Veränderungen zu den vergangenen Jahren erkennbar?"
Schott: "Ja schon und auch deutliche. Die Dakar wird auf den einzelnen Prüfungen immer schneller. Die Prüfungen sind auch scheinbar kürzer, zwar nicht weniger anspruchsvoller, aber man ist eben schon am Nachmittag generell wieder im Biwak, wenn alles normal läuft. Es ist alles ein wenig mehr mediengerechter geworden. Die Leistungsdichte in den einzelnen Klassen wird auch immer größer. Der kleinste Fehler führt sofort zu richtig großen, kaum wieder aufholbaren Rückständen."

"Ein Reifenwechsel und schon sind zwei, drei Wagen an einem vorbei. Besonders die Buggies haben von den Regeländerungen enorm profitiert. So weit vorn wie in diesem Jahr waren sie seit vielen Jahren nicht mehr. Sie sind vor allem auch zuverlässiger geworden. Bei den Allradlern mit den großen Benzinmotoren ist es genau das Gleiche."

Frage: "Ihr beide seit ja lupenreine Hobbyfahrer. Wie muss man sich da das Verhältnis in so einem Team wie x-raid vorstellen, das nun zum zweiten mal in Folge auch auch den Dakar-Sieger stellt?"
Schott: "Als Außenstehender kann man das immer kaum glauben, aber es gibt wirklich absolut keinen Unterschied zwischen uns als Amateurteam und einem Stephane Peterhansel. Klar, wir sind in der Regel immer als Letzte der betreuten Fahrzeuge im Biwak, aber dann ist unser Mini einfach nur einer von sechs Fahrzeugen. Man sieht es ganz einfach auch daran, dass wir ohne den tollen Einsatz des Teams und auch der T4-Besatzung von Klaus Bäuerle zweimal definitiv draußen gewesen wären. Daher auch noch einmal ein riesengroßes Dankeschön an das ganze Team und vor allem meine Mechanikercrew von X-raid. Es macht wirklich wahnsinnig Spaß in diesem Team zu fahren und das nicht nur weil einem wirklich viel abgenommen wird."