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Kolumne: Reiseeindrücke zur Rallye Dakar in Saudi-Arabien

Redakteur Gerald Dirnbeck begleitete die Rallye Dakar und sammelte Eindrücke von Saudi-Arabien - Das Land präsentiert sich modern und mit viel Gastfreundschaft

Liebe Rallye-Fans,

Gerald Dirnbeck

Redakteur Gerald Dirnbeck bereiste zum ersten Mal Saudi-Arabien Zoom

zum ersten Mal in meinem Leben ging meine Reise kurz nach Silvester auf die Arabische Halbinsel. Die Spannung war groß, was mich dort erwarten würde. Wie sind Land und Leute? Welche Abenteuer werde ich erleben?

Die Rallye Dakar habe ich schon einmal in Südamerika begleitet (2018). Also wusste ich, was mich aus sportlicher Sicht erwarten würde - lange Tage und lange Verbindungsetappen. Aber wie sieht die Rallye in Saudi-Arabien tatsächlich aus?

Meine Vorfreude auf Sonne, Hitze und Wüste wurde rasch getrübt. Der Flug von Riad nach Ha'il hatte mehrere Stunden Verspätung, weil es untypischer Weise extreme Regenfälle gegeben hat. Deshalb musste der Flughafen in Ha'il auch vorübergehend gesperrt werden.

Als wir schließlich mitten in der Nacht angekommen waren, zeigten überschwemmte Straßen das Ausmaß. Aufgrund des schlechten Wetters musste auch die Etappe an jenem Tag abgebrochen werden. Zusätzlich zur Nässe kamen kühle Temperaturen.

Man fühlte sich eher wie bei der Rallye Großbritannien im Herbst, als bei einer Rallye in der Wüste. Im Biwak übernachtet der Großteil des Rallye-Trosses in einfachen Campingzelten. Auch wenn die Dakar sehr professionell organisiert ist, so ist vieles noch sehr bodenständig.

Zelte Rallye Dakar

Die Zelte der Journalisten neben dem Zelt des Media Centers Zoom

Nur die Topteams haben Motorhomes beziehungsweise Wohnmobile vor Ort, wo sich die Fahrer ausruhen können. Daneben stehen die Zelte für die Mechaniker. Auch neben dem Media Center (natürlich ein Zelt!) bauen Journalisten und Fotografen ihre Zelte auf.

Es gibt auch einen Bereich mit mobilen Duschen und Toilletenanlagen. Herzstück des Biwak ist ein sehr großes Zelt für den Cateringbereich. Dort werden täglich mehrere Tausend Mahlzeiten für alle "Bewohner" des Biwak - von den Fahrern bis zu den Journalisten - zubereitet.

Das Wetter brachte in der ersten Woche die Pläne ordentlich durcheinander. Da das Biwak in Ad-Dawadimi überschwemmt war und nicht bezogen werden konnte, mussten die Etappen sechs, sieben und acht umgeplant werden. Das brachte auch unsere Pläne durcheinander.

Roadtrip durch die Wüste zum größten Kamelmarkt der Welt

Wir machten uns am Tag der sechsten Etappe auf den Weg von Ha'il nach Riad. Zum ersten Mal konnte ich auf dieser Tour von rund 600 Kilometern mehr von Saudi-Arabien sehen. Die Autobahnen sind extrem gut ausgebaut - meistens drei- bis vierspurig.

Autobahn Saudi-Arabien

Weitläufige Autobahnen mit Tempolimit 140 km/h durch die Wüste Zoom

Während sich das Asphaltband durch die Wüste schlängelte, hielt sich der Verkehr in Grenzen. Tempolimit übrigens 140 km/h. Mit Tempomat cruist man entspannt dahin. Ein Liter Benzin kostet umgerechnet rund 55 Euro-Cent, wobei an den meisten Tankstellen 91 Oktan erhältlich ist.

Auf halbem Weg nach Riad legten wir einen Stopp in Buraida ein. Dort befindet sich nicht nur der größte Kamelmarkt Saudi-Arabiens, sondern der Welt! Neben Dromedaren werden dort auch Ziegen, Kühe und andere Tiere gehandelt.

Was mir bei unseren Zwischenstopps besonders auffällt: man wird überall unglaublich nett und freundlich empfangen. Viele Saudis sprechen Englisch. Und wenn nicht, dann ist die Kommunikation mit Hilfe eines Übersetzers am Smartphone auch kein Problem.

Dromedar

Junge Dromedare auf dem großen Kamelmarkt in Buraida Zoom

Das Land wirkt auf mich sehr modern. Klar gibt es im ländlichen Raum alte Dörfer genauso wie bei uns in Europa. Aber alle haben Smartphones, nutzen die gleichen Sozialen Plattformen wie wir und hören auf den gängigen Streaming-Plattformen die gleichen internationalen Hits.

Riad eine moderne, saubere Metropole

Die Hauptstadt Riad ist eine beeindruckende Metropole mit rund acht Millionen Einwohnern. Moderne Architektur prägt das Bild. In der Nacht sind die Gebäude hell und bunt erleuchtet. Die Straßen sind breit, es herrscht viel Verkehr - und es geht chaotisch wie in Spanien oder Italien zu.

Das moderne Riad erinnert mich an eine Mischung aus einer Stadt in den USA mit arabischem Touch bei der Architektur. Mir gefällt gut, dass die Stadt nicht mit Wolkenkratzern zugepflastert ist. Das Kingdom Center ist mit 300 Metern das höchste Gebäude Riads.

Riad

Das Kingdom Center ist mit 300 Metern das höchste Gebäude Riads Zoom

Wenn man durch die Straßen spaziert, dann sticht die Sauberkeit ins Auge. Im Königreich Saudi-Arabien ist es verboten, Müll auf die Straße zu werfen. Auch Zigarettenstummel liegen nirgendwo herum. Das sieht bei uns in Europa leider anders aus.

Riad ist eine pulsierende Metropole, aber auch hier sind die Menschen sehr freundlich und höflich, wenn man sie anspricht. Hört man sich im Biwak um, welchen Eindruck jemand von Saudi-Arabien hat, dann wird immer die Freundlichkeit der Bevölkerung genannt.

Dazu kommt die wunderschöne Landschaft, die trotz der Wüste nicht eintönig ist. Davon konnte ich mir auf der achten Etappe ein Bild machen. Vom Biwak in Riad fuhren wir 400 Kilometer in nordwestlicher Richtung und bogen dann direkt von der Autobahn mitten in die Wüste hinein ab.

Was für ein Erlebnis: Rennaction hautnah in der Wüste

Endlich wurde ein Traum wahr! Zum ersten Mal konnte ich eine Etappe der Rallye Dakar hautnah buchstäblich im Nirgendwo miterleben. Unsere kleine Gruppe erklomm die Dünen und dann kamen sie angeschossen: zunächst die Motorräder und Quads.

Anschließend die Autos und schließlich die riesigen LKW. Die Motorräder legten die Spuren in den Sand, aber die "Strecke" wurde immer breiter, bis schließlich kreuz und quer über die Dünen gefahren wurde. Und wir standen mittendrin - mitten auf der Rennstrecke!

Ein irres Erlebnis, das natürlich nicht ohne ist! Wir haben uns immer auf Dünen platziert. Damit einerseits wir von weitem die Fahrzeuge sehen, aber auch die Fahrer uns gut sehen können. Trotzdem kommt man extrem nahe an die Action heran.

Rallye Dakar

In der Wüste ist man hautnah am Geschehen! Hier ein Reifenwechsel Zoom

Leider Gottes hat sich auf der folgenden Etappe ein unglücklicher Unfall ereignet. Ein Italiener stand hinter einer kleinen Düne und wurde vom LKW von Ales Loprais erfasst, der die Person unmöglich sehen konnte. Im Rettungshelikopter ist der 69-jährige Fan an einem Herzinfarkt verstorben.

Auf jeder Eintrittskarte steht, dass Motorsport gefährlich ist. Für die Wüste gibt es keine Eintrittskarte. Man muss natürlich vorsichtig sein und darf sich für ein "Selfie" nicht zu nahe an die Fahrzeuge im Renntempo heranwagen.

Empfehlen kann ich es jedem Rallye-Fan trotzdem auf jeden Fall, einmal die Dakar in der Wüste mitzuerleben. Das ist schon ein ganz besonderes Abenteuer! Nach meiner Woche in Saudi-Arabien kann ich auch jedem eine Reise in dieses Land ans Herz legen.

Egal ob es ein Städtetrip in die Metropolen Riad oder Dschidda ist. Oder ein Roadtrip durch das Land. Mit einem gemieteten Auto/Camper/Motorrad lässt sich Saudi-Arabien wohl am besten erkunden. Sicher habe ich mich an allen Orten gefühlt, die ich besucht habe. Ich freue mich schon sehr auf meine nächste Reise dorthin!

Euer,


Gerald Dirnbeck

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