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Jutta Kleinschmidts Dakar-Anfänge: "Man versprach, dass mich jemand findet"

Vor 20 Jahren gewann Jutta Kleinschmidt die Rallye Dakar, ihre Anfänge beim Wüsten-Abenteuer waren jedoch mit einigem Risiko verbunden

(Motorsport-Total.com) - Vor 20 Jahren stellte Jutta Kleinschmidt die Motorsportwelt auf den Kopf. Als erste Frau gewann die gebürtige Kölnerin die legendäre Rallye Dakar und sicherte sich auf ewig ihren Eintrag in den Geschichtsbüchern. Für die heute 58-Jährige war es zugleich die Erfüllung eines Lebenstraums und das goldene Ziel einer langen Reise.

Jutta Kleinschmidt

Jutta Kleinschmidt blickt auf ihre Abenteuer bei der Rallye Dakar zurück Zoom

"Ab meinem sechsten Lebensjahr hatte ich nur zwei Dinge im Kopf: Geschwindigkeit und Abenteuer", blickt sie auf ihre von Kindesbeinen an riesige Leidenschaft zurück. Inzwischen begleitet Kleinschmidt als Reservepilotin die neue Extreme-E-Serie und kehrt zu diesem Zweck in wenigen Wochen in den Senegal zurück. In der Hauptstadt Dakar feierte sie im Jahr 2001 ihren großen Triumph.

Doch bereits 1987 tauchte Kleinschmidt an der Startlinie der Rallye in Paris auf und fuhr auf ihrem Motorrad außer Konkurrenz das härteste Rennen der Welt einfach mal mit. Über 10.000 Kilometer ging es durch Frankreich, Algerien und die Sahara bis zum Lac Rose.

Kleinschmidt: "In gewisser Weise war es verrückt"

"Als ich die Rallye in diesem Jahr verfolgte, war es mein Ziel zu sehen, wie es sich anfühlte. Ich war einfach glücklich, jedes Zeltlager in jeder Nacht in einem Stück zu erreichen. Dies war eines der größten Abenteuer für mich, weil ich völlig alleine war und ohne technische Unterstützung", erinnert sich Kleinschmidt.


Rallye Dakar 2021

Ohne Risiko war dieser Trip nicht. "In gewisser Weise war es verrückt, was ich getan habe. Es ist lange her, also hatten wir weder GPS noch Mobiltelefone oder ähnliches. Wenn man sich verfahren hatte, war man wirklich verloren und es gab keinerlei Verbindung zur Zivilisation", erklärt sie. Doch im Notfall hätte sie auf die Hilfe der anderen Teilnehmer bauen können.

"Ich habe mich mit allen gut angefreundet. Die Teams waren sehr nett, sie versorgten mich im Zeltlager mit Ersatzbrennstoff und Essen und versprachen, jemanden zu schicken, der mich finden würde, wenn ich nachts mal nicht auftauchen sollte", so Kleinschmidt. Aber alles ging gut, der Hunger auf mehr war nun erst recht geweckt.

Umstieg auf Autos im Jahr 1995

1988 trat sie erstmals als offizielle Teilnehmerin an, 1995 folgte der Umstieg auf vier Räder. Mit Beifahrerin Dagmar Lohmann bildete sie ein reines Frauen-Team. "Ich hatte das Gefühl, mit dem Motorrad das getan zu haben, was ich wollte, und es kam zu einem Punkt, an dem ich es in einem Auto versuchen wollte. Ich habe es geschafft, meine Sponsoren davon zu überzeugen, mit mir auf Autos umzusteigen", erklärt Kleinschmidt.

Die körperlichen Herausforderungen waren nun noch einmal deutlich größer. Denn während ein Motorrad deutlich leichter ist und die Dünen in den Wüsten leichter meistern kann, gräbt sich ein Auto sehr leicht ein.


Auftaktrennen der Extreme E in Al-Ula

"Wenn man Pech hatte, musstes man eine Stunde oder sogar noch länger graben, um das eigene Auto frei zu bekommen. Und hierbei geben viele Menschen auf. Außerdem werden während des Rennens die Räder gewechselt, davon kann eines 55 kg wiegen. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer muss dafür im Fitnessstudio hart trainieren", sagt sie.

Gesamtsieg 2001: "'Wow-Moment' für alle"

Im Jahr 2001, vier Jahre nach ihrem ersten Etappenerfolg bei der Dakar, bejubelte sie den sensationellen Gesamtsieg. "Es war wirklich erstaunlich, weil ich davon geträumt habe, seit ich eine junge Frau war. Es war wie auf der Spitze eines riesigen Berges zu sein", blickt sie auf den Erfolg zurück, der sie schlagartig berühmt machte.

Dieser Gesamtsieg bei der Dakar sendete ein Signal und unterstrich, dass Frauen im Motorsport absolut ihre Daseinsberechtigung haben. "Es war ein 'Wow-Moment' für alle. Die Männer können sehen, dass wir fahren können, und die Frauen können auch sehen, was für sie wirklich möglich ist", so Kleinschmidt über die Auswirkungen ihrer historischen Leistung vor 20 Jahren.

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