ANZEIGE
Aktuelle Bildergalerien
Apps zu Formel 1, MotoGP, DTM und Co. für Android, iOS und Windows Phone
ANZEIGE
ANZEIGE
Folgen Sie uns!
Motorsport-Total.com bei Facebook Motorsport-Total.com bei Google+ Motorsport-Total.com bei Twitter RSS-Feeds von Motorsport-Total.com
Die aktuelle Umfrage

Sollen DPi-Prototypen in Le Mans zugelassen werden?

Ja
Nein
Sie sind hier: Home > WEC > Newsübersicht > Features

1997: Als der Le-Mans-Siegeszug von Tom Kristensen begann

20. März 2017 - 09:01 Uhr

Der erste Sieg von "Mister Le Mans" beim berühmten 24-Stunden-Rennen in Frankreich: Die Helium-Stimme im Interview und der Kampf um die Pedale

Tom Kristensen, Michele Alboreto und Stefan Johansson (Joest-TWR-Porsche)
Die Startnummer 7 hat Tom Kristensen immer wieder gewählt
© LAT

(Motorsport-Total.com) - Mit neun Gesamtsiegen bei den 24 Stunden von Le Mans führt Tom Kristensen die Bestenliste beim Langstreckenklassiker an der Sarthe unangefochten an. Der erfahrene Däne, der als schnellster Bankkaufmann der Welt gilt, hat bei der Hälfte seiner Auftritte in Frankreich zum Erfolg fahren können. Vor seinem ersten Renneinsatz in Le Mans hatte Tom Kristensen, wie jeder andere Nachwuchspilot, die Formel 1 als Ziel gehabt. Doch der Triumph am 15. Juni 1997 änderte alles.

"Wenn man zum ersten Mal nach Le Mans kommt, dann ist es einfach so unglaublich riesig. Man ist schlichtweg überwältigt", sagt Kristensen in einer Talkshow des britischen Motorsportclubs RAC. Der Sieg gleich beim ersten Versuch war ein Triumph über mächtige Gegner. 1997 waren die GT1-Autos von Porsche, Nissan und McLaren favorisiert worden. Doch die Kombination Tom Kristensen, Michele Alboreto und Stefan Johansson kam im TWR-Porsche WSC-95, der im Vorjahr gewonnen hatte, am besten über die 361 Runden.

ANZEIGE

Kristensen hätte ursprünglich gar nicht an Bord des von Joest eingesetzten Autos sitzen sollen. Im Jahr zuvor hatte der für Toyota in Japan agierende Däne eigentlich in das Le-Mans-Programm der Japaner aufsteigen sollen. Der Deal platzte allerdings, weil man den damaligen Youngster erst einmal auf Titelgewinne im japanischen Formelsport ansetzen wollte. Kristensen war frei, und Joest griff im Juni 1997 sehr kurzfristig zu.

"Erst am Donnerstag vor dem Start der Rennwoche habe ich den Anruf bekommen, dass ich fahren sollte. Der Vortest war schon gelaufen. Ralf Jüttner klingelte durch, ich war gerade beim Tennis. Das war damals die Zeit der ersten Mobiltelefone, so riesige Dinger", lacht Kristensen bei der Erinnerung an die Anbahnung seines ersten Le-Mans-Starts. "Ich bin am folgenden Tag zum Team Joest geflogen, die Mannschaft war gerade in Richtung Le Mans aufgebrochen. In der Firma war fast keiner mehr."

Joest-Vorgabe: Der Schnellste darf bestimmen

"In einer Ecke stand ein Monocoque aus dem Vorjahr, ein Mechaniker namens Jürgen war dabei und auch Reinhold Joest. Ich bin reingesprungen, in einen Sitz von Michele, fühlte mich darin sofort wohl. Meine einzige Anmerkung war, dass ich das Bremspedal gern ein Stückchen weiter zurück gehabt hätte", sagt "Tom K", der im Jahr 1997 noch ein winziges Le-Mans-Licht war. "Die Antwort des Mechanikers mit sehr klaren Worten: In unserem Team bestimmt der Schnellste!"

Kristensen sollte den offenen Porsche-Prototypen mit der Startnummer 7 als schneller Nachwuchsmann eigentlich nur ergänzen. Den Takt gaben die erfahrenen Alboreto und Johansson vor, die über reichlich Erfahrung aus der Formel 1 verfügten sowie insgesamt neun Starts in Le Mans auf dem Buckel hatten. Ein Gesamtsieg fehlte den beiden Haudegen aus Italien und Schweden jedoch noch. "Michele und Stefan haben mich ganz toll aufgenommen. Keiner von beiden wollte mir sagen, was ich zu tun habe. Die Unterstützung war sehr hilfreich", erinnert sich "Mister Le Mans" an das Zusammenspiel mit den Teamkollegen.

"Im Training bin ich 17 Runden gefahren, danach kam ein Journalist zu mir. Es gibt davon eine Aufnahme auf Betamax-Video. Ich habe mich angehört, als hätte ich Helium geatmet", lacht Kristensen über seinen ersten Kontakt zum sehr besonderen "Circuit 24 Heures" in Le Mans. "Zum ersten Mal hatte ich eine Fahrt in den Sonnenuntergang hinein erlebt. Und das bei dem ganzen Verkehr und dem hohen Tempo." Die Erfahrung von den teils wilden Rennkursen in Japan half dem Dänen.

"In meinen ersten zwei Rennstints war ich ganz okay unterwegs, aber nicht herausragend schnell. Das kam dann in der Nacht nach dem dritten Stint. Da holte mich Ralf Jüttner an die Box und rief im Funk: 'Tom, schnellste Runde, schnellste Runde - sehr gut gemacht!' In der Nacht lief es wirklich gut für mich", so der Langstreckenspezialist aus Hobro, der im Juli dieses Jahres seinen 50. Geburtstag feiern wird. "Es wurde dann noch schneller."

Le Mans 1997: Kleiner Schritt für die Menschheit, aber ...

"Später hatte ich wirklich mal eine freie Runde. So etwas passiert im Rennen fast nie. In meinen 18 Jahren in Le Mans hatte ich vielleicht zehn wirklich freie Rennrunden. Damals gab es diese eine. Ralf rief im Funk: 'Easy, Tiger! Easy, Tiger! Du hast einen neuen Rundenrekord. Mach langsam!' Das war das tollste Erlebnis bei meinem Le-Mans-Debüt", jubelt Kristensen noch heute. Weil die starke Konkurrenz in den schnellen GT1-Autos durch Unfälle oder Defekte dezimiert wurde, war der Weg zum Sieg in Le Mans frei.

"Das Gesamte war einfach klasse: Michele, Stefan, Ralf, Reinhold und das kleine Team mit nur zwölf Mechanikern. Man muss mal den Vergleich sehen: Audi hatte zuletzt mit drei Autos insgesamt 140 Mechaniker vor Ort. Die Entwicklung über die vergangenen 20 Jahre ist einfach unglaublich", meint Kristensen, der nach 1997 noch acht weitere Gesamtsiege beim 24-Stunden-Rennen folgen ließ: sieben mit Audi, einen mit Bentley.

"Wir hatten die Werks-Porsches unter Druck gesetzt, sie gerieten in Probleme. Zwei Stunden vor dem Ende habe ich unser Auto in Führung gebracht und es dann an Michele übergeben. Das war schon klasse. Noch lustiger war aber das, was später passierte", erinnert sich der Däne. "Nach dem Scrutineering haben wir in einem kleinen Zelt gefeiert. Die Jungs hatten Weißbier, auf dem Grill lagen Würstchen. In meinem Übermut bin ich nach einem Weißbier zum Mechaniker Jürgen gegangen und habe gefragt, ob wir im nächsten Jahr das Bremspedal ein bisschen weiter nach hinten setzen können. Er hat sich schlappgelacht!"

Kristensen, der in seiner gesamten Karriere über 2.000 Rennrunden auf dem 13,6 Kilometer langen Kurs in Le Mans absolviert hat, machte sich beim ersten Auftritt einen Namen. Der Sieg 1997 war der Beginn einer großen Le-Mans-Leidenschaft. "Diese Zieldurchfahrt in Le Mans ist nur ein minimaler Ausschnitt der Weltgeschichte. Dass ich dort beim Debüt aber siegen konnte, hatte unfassbar große Auswirkungen auf meine Karriere bei diesem unvergleichlichen Rennen."

Artikeloptionen
Artikel bewerten