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Benzin im Blut und Gefühl im Hintern: Mirco Schultis

26. Dezember 2012 - 08:48 Uhr

Der deutsche Geschäftsmann Mirco Schultis wird als klassischer Gentleman-Fahrer gehandelt: Warum der 44-Jährige sich nicht in einer solchen Rolle sieht

Mirco Schultis absolvierte die WEC-Saison 2012 in einem LMP2-Auto von Lotus
© motioncompany

(Motorsport-Total.com) - Die Langstreckenszene lebt nicht nur von Profis allein. Seit jeher sind es die klassischen Gentleman-Fahrer, die dem Rennsport eine besondere Note verleihen und die Starterfelder wachsen lassen. Ohne das Geld von betuchten Motorsport-Enthusiasten könnte beispielsweise auch die WEC kaum überleben. In den beiden Klassen LMP2 und GTE-Am ist der Einsatz von je mindestens einem Paydriver vorgeschrieben - es gibt eine Art Bestandsschutz für Piloten der Kategorien Silber und Bronze.

In der Action eines Rennwochenendes und in der Berichterstattung in den Medien gehen die leidenschaftlich agierenden Gentleman-Piloten oft unter. Dabei leben diese Enthusiasten den Rennsport mindestens so intensiv wie einige Profis, die damit ihr Geld verdienen. Einer aus der Riege der Bezahlfahrer ist Mirco Schultis. Der 44-jährige Deutsche hat mit seinen Geschäften ausreichend Geld gemacht, um sich hochklassigen Motorsport leisten zu können.

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"Ich bin nicht mehr im operativen Geschäft, aber mir wird trotzdem nicht langweilig", sagt Schultis, der sein Unternehmen "Dress for Less" vor vier Jahren verkaufte, aber bis zum vergangenen Jahr in der Geschäftsführung tätig war. Zeit für den aktiven Motorsport blieb immer. Ohne Gaspedal kann Schultis kaum leben. "Natürlich gelte ich aufgrund meines Fahrer-Status Silber als Gentleman-Driver. Ich selbst sehe mich aber nicht so", sagt er.

Nominell zählt Schultis wegen seiner Einstufung als Silber-Pilot als Paydriver. Allerdings bringt der 44-Jährige ganz andere Voraussetzungen mit als beispielsweise die Herren Kevin Weeda, Patrick Bornhauser oder Rob Kauffman. "Ich mache Motorsport seit ich 14 Jahre alt bin. Das war immer schon mein Ding. Ich bin 22 Jahre lang Motorradrennen gefahren. Ich bin auch ein Schrauber, habe früher an meinen Autos selber gebastelt", beschreibt er.

Wenn der Kopf bremsen will

Über den Zweiradsport und einige Einsätze in historischen Gruppe-C-Fahrzeugen fand Schultis den Weg nach Le Mans. Dort stand natürlich einerseits die Erfüllung eines Traumes auf der Tagesordnung, aber auch die sportliche Ambition im Vordergrund. "Ohne es böse zu meinen: Ein Gentleman-Driver ist für mich einer, der mit viel Geld eine riesige Welle macht und sich mit seiner Kohle gute Leute ins Auto holt. Es gibt solche Typen, die mit viel Geld den großen Macker machen und die gesamte Fuhre bezahlen. So bin ich nicht."

"Ich habe ein wenig Geld und kann mir LMP2 leisten", meint der schnelle Geschäftsmann, der in der WEC-Saison 2012 für das Lotus-LMP2-Team am Start war. "Der Gegenwert war okay. Ich kann mich nicht beschweren. Ich hatte manchmal etwas zu wenig Fahrzeit. Es ist dann schwierig, das Auto und die Strecke kennenzulernen. Ab Sao Paulo hatte ich es kapiert, da bin ich viel schneller geworden. Anfangs habe ich mich schwergetan."

"Ich war es gewohnt, mit dem Arsch zu fahren. Jetzt musste ich plötzlich mit dem Kopf fahren", sagt Schultis mit einem Lachen. Die Teamkollegen bei Lotus mussten dem Deutschen Beine machen. "Der Vitantonio (Liuzzi; Anm. d. Red.) hat mir mehrfach gesagt: 'Hey Mirco, bleib da voll drauf!' Ich dachte, der sei vollkommen verrückt. Aber es ging, das haben auch seine Daten gezeigt. Der Kopf musste zuerst über den Instinkt siegen."

Schultis 2013: ELMS statt WEC

"Das ist bei mir in Kurve 12 in Sao Paulo passiert. Da bin ich von der Bremse abgerutscht auf das Gas. Und plötzlich funktionierte das", schildert Schultis den entscheidenden Moment auf dem Weg zu mehr Speed. Dass sich der leidenschaftliche Racer von anderen Paydrivern unterscheidet, unterstreicht auch die Tatsache, dass er sich zur Saison 2012 in Vorbereitung auf die Aufgaben in der WEC extra einen Fitnesstrainer holte.

Einfach gebaut, schwierig zu fahren: Mirco Schultis liebt seinen LMPC-Oreca
© DPPI

Auch wenn die Saison im LMP2-Auto Freude brachte, so wird Schultis der WEC nun den Rücken kehren. "Einfach zum Rennwochenende zu kommen und sonst nichts zu machen, ist auch mal ganz nett. Auf Dauer wird das aber sehr langweilig", sagt er. "Ich mag meinen LMPC, ein offenes Auto mit Chevy-Motor - ein amerikanisches Auto. Ich bin großer Fan von US-Cars. Ferrari, Aston Martin, Lambo - das ist es nicht für mich. Ich mag einfache Autos und der LMPC ist solch eines. Einfach konstruiert, aber schwierig zu fahren."

"Ich wollte den LMPC schon immer kaufen, aber Oreca hat den anfangs nicht herausgerückt. Die durfte man nur erwerben, wenn man in der Formula-Le-Mans gefahren ist. Diese FLM zu fahren, fand ich für mich uninteressant", meint Schultis, der 2011 in der damaligen Le-Mans-Series (LMS) fuhr. "Als die Autos dann auch für die LMS zugelassen wurden, da habe ich mir solch einen geholt." Gemeinsam mit Patrick Simon und Julian Schell fuhr der Deutsche zu einigen Erfolgen - allein vier Siege im Jahr 2011.

"Patrick ist einer meiner ältesten Freude. Ich wollte nie mit ihm zusammen fahren. Wenn wir Tischtennis spielen, oder irgendetwas anderes, dann kämpfen wir immer beinhart gegeneinander. Mit so einem will man dann nicht in einem Team fahren", lacht Schultis, der sich 2013 in der ELMS sieht. "Das war lustig. Das werden wir im kommenden Jahr wahrscheinlich wieder machen."

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