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Kolumne: Castrol EDGE Experience - Rallye hautnah

30. November 2012 - 14:15 Uhr

Einmal neben Petter Solberg im Ford Fiesta RS WRC durch den Wald düsen - Unser Redakteur Gerald Dirnbeck hat an der Castrol EDGE Experience teilgenommen

Petter Solberg
Petter Solberg sorgte für einen unvergesslichen Tag
© Castrol

(Motorsport-Total.com) - Petter Solberg sieht mich mit einem schelmischen Lächeln an und drückt aufs Gas. Die Power des Ford Fiesta RS WRC drückt mich in den Schalensitz und die Bäume fliegen nur so an mir vorbei. Mit ungeheurer Präzision und Leidenschaft steuert der Weltmeister von 2003 den Boliden über matschige Schotterstraßen und lässt mich den Rausch der Geschwindigkeit spüren. Ein Kindheitstraum ist wahr geworden. Ich durfte am Beifahrersitz des derzeit schnellsten Rallye-Boliden Platz nehmen und einen Hauch Rallye-Alltag erfahren. Mein Respekt für die Fahrkünste der Rallye-Asse ist immens gestiegen und die WRC verspricht eines: Einen gewaltigen Adrenalinkick.

Rallyefahren erinnert an die Ursprünge des Motorsports. Anfang des vergangenen Jahrhunderts, als das Automobil noch in den Kinderschuhen steckte, wurden die ersten Rennen auf abgesperrten Straßen gefahren. Asphalt war damals noch ein Fremdwort. Strecken wie die Isle of Man oder das Schleizer Dreieck werden heute noch auf abgesperrten Landstraßen gefahren, doch während sich Rundkurse und moderne Renntempel etabliert haben, braust die Rallye-Szene immer noch durch enge Wald- und Landwirtschaftswege.

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Als die Einladung zur Castrol EDGE Experience in das Büro der 'Motorsport-Total.com'-Redaktion flatterte, gab es kein Halten mehr: Mit Petter Solberg im aktuellen Ford Fiesta RS WRC durch einen Wald zu heizen ist noch besser als Weihnachten und Geburtstag an einem Tag. Schon oft stand ich am Straßenrand irgendwo in der Pampa und wartete, bis die Rallye-Asse in einem wahnwitzigen Tempo für wenige Sekunden an mir vorbeiflogen. Wie fühlt sich dieses - für einen normalen Autofahrer - surreale Tempo im Cockpit an? Soviel vorweg: Es hat Suchtpotenzial!

Zunächst ging die Reise nach Manchester und ich wurde sogleich vom berühmten britischen Wetter begrüßt. Mit dem Bus ging es dann nördlich in die Grafschaft Cumbria. Es regnete und aus dem Fenster beobachtete ich die ländliche Gegend im "Lake District". Unzählige Schafe säumten die Wiesen und es war kaum zu glauben, dass in dieser Region eine Firma wie M-Sport Rallye-Autos auf dem höchsten Niveau baut - wenn man an das "Home of British Motorsport" in der Gegend um Silverstone denkt, wo zahlreiche Formel-1-Teams beheimatet sind.

Solberg will uns "Angst machen"

Angekommen im kleinen Dorf Cockermouth traf ich dann auf die weiteren Teilnehme der Castrol EDGE Experience sowie auf einige Mitarbeiter von M-Sport. Wir wollten natürlich alle wissen, mit welchem der beiden Ford-Werksfahrer wir mitfahren dürfen. Die Antwort kam prompt: Es würde Petter Solberg sein. Die M-Sport-Mitarbeiter versicherten gleich, dass es aufregender als mit Jari-Matti Latvala sei, weil Solberg "a little crazy" sei. Wenige Augenblicke später kam der Weltmeister von 2003 auf eine Stippviste vorbei.

Er machte uns gleich klar, dass er am nächsten Tag "sehr schnell" fahren wird, und dass er "sehr nahe" an die Bäume herandriften wird. Er wolle uns bei der Fahrt "zu Tode erschrecken". War es das, was die M-Sport-Mitarbeiter mit "a little crazy" bezeichnet hatten? Wir ließen uns aber alle nicht lumpen und entgegneten, dass er ruhig versuchen soll uns Angst einzujagen. Es begann beim gemeinsamen Abendessen zu kribbeln, denn der große Tag stand unmittelbar bevor.

Am Morgen des aufregenden Tages wurden wir erneut vom britischen Wetter begrüßt. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen geteilt und es ging zunächst auf eine Kart-Strecke. Dort durften wir selbst mit einem Fiesta R1 und mit einem Fiesta R2 fahren. Es regnete und die Instruktoren erklärten uns, dass der Asphalt der Strecke speziell in den Bremszonen sehr rutschig ist, da im Sommer und Herbst viele Kart-Rennen ausgetragen wurden.

Zunächst durfte ich in der R1-Version Platz nehmen. Dieses Auto ist ein Einsteigermodell im Rallye-Sport und viele Komponenten sind aus dem Serienmodell. Im Innenraum gibt es abgesehen von den Schalensitzen und dem Überrollkäfig nichts. Mir wurde sofort klar: Das ist ein richtiges Rennauto. Der R1 verfügt über eine gewöhnliche H-Schaltung und rund 130 PS. Zunächst wurde ich am Beifahrersitz angeschnallt und als Instruktorin saß niemand anderer als Molly Taylor hinter dem Lenkrad.

Erste Erfahrungen im Rallye-Boliden

Die junge Australiern drehte zwei Runden und zeigte mir die Ideallinie auf der mir unbekannten Strecke. Dann durfte ich ans Steuer. Die Straßenlage des R1 war phänomenal. Aufgrund der kurzen Übersetzung schob der Motor von unten heraus super an und in den Kurven lag der R1 wie ein Brett auf der Straße. Als Rallye-Neuling ein perfektes Fahrzeug, denn es ist einfach zu fahren und man fühlt sich auf Anhieb wie ein richtiger Rennfahrer.

Als nächstes durfte ich in den R2 einsteigen. Diese Version hat schon 170 PS und ist in allen Details höher entwickelt als der R1. Das Auto ist leichter, die Aufhängung und die Bremsen besser und der R2 hat ein sequentielles Getriebe. Der Fiesta R2 wird unter anderem in der WRC Academy eingesetzt. Im R2 nahm mich zunächst Steve Rokland, der im Vorjahr das M-Sport-Shootout gewonnen hat, mit. Ich merkte sofort, dass dieses Auto in allen Bereichen dem R1 überlegen ist und ich fragte mich, wie es mir am Steuer gehen wird?

Der R2 liegt noch besser auf der Straße, und da die Schaltvorgänge kürzer sind und man mehr Power hat, macht dieses Auto noch mehr Spaß. Der Suchtfaktor in diesem Wagen war unglaublich groß. Obwohl diese beiden Boliden im Vergleich zu einem S2000 oder WRC wenig spektakulär sind, ist der Spaßfaktor am Steuer gigantisch. Als Anfänger fühlt man sich nie überfordert und kann schon nach den ersten Runden an den Linien feilen und das Auto immer mehr ans Limit bringen.

Wir Teilnehmer waren begeistert von dieser Erfahrung, denn niemand fühlte sich als Anfänger, sondern als Rallyefahrer - auch wenn es nur kurz war und wir alle am liebsten nicht mehr aus den Autos aussteigen wollten. Es wurde über die Linien, die Schaltvorgänge und die Bremspunkte "gefachsimpelt". Unsere nächste Station waren die Werkshallen von M-Sport. Malcolm Wilson hat sein Team in der altehrerwürdigen "Dovenby Hall" untergebracht. Die ältesten Teile des Anwesens gehen bis ins zwölfte Jahrhundert zurück.

M-Sport-Fabrik ist Hightech pur

Das alte Gemäuer ist wie ein typisches britisches Herrenhaus eingerichtet, aber dennoch verströmt jeder Winkel Motorsport. Unzählige Siegerpokale und Auszeichnungen unterstreichen die erfolgreiche Geschichte von M-Sport in der Rallye-Weltmeisterschaft. Wir wurden durch die Räume geführt, bis uns plötzlich gesagt wurde: "Stopp. Ab hier keine Kameras bitte." Die Türen öffneten sich und vor unseren Augen erstreckte sich der Workshop. Die aktuellen Ford Fiesta RS WRC Boliden standen gestrippt vor uns und wurden für die nächste Rallye aufgebaut.

In den verschiedenen Abteilungen arbeiteten die Ingenieure an den Motoren, Getrieben und Stoßdämpfern. Es war klinisch sauber und spätestens jetzt war klar, dass M-Sport eine absolute High-Tech-Schmiede ist. Ich bestaunte die Boliden von Solberg, Latvala, Mads Östberg und Jewgeni Nowikow. Viele Details dufte ich mir leider nicht ansehen, denn es herrschte das Motto: "Top Secret". Nach der Werksführung stand dann der Höhepunkt des Ausflugs auf dem Programm.

Der Bus machte sich auf den Weg in den "Greystoke Forest". Dieser Wald gehört Wilson und wird für Testfahrten mit den diversen Rallye-Boliden verwendet. Das WRC-Team testet dort allerdings nur unmittelbar vor der Rallye Großbritannien, da dann die Witterungsbedingungen meistens übereinstimmen. Mehrere Streckenvarianten können abgesteckt werden, die sich bis auf eine Länge einer WRC-Prüfung summieren können. Für uns war ein 3,7 Kilometer langer Weg abgesperrt worden.

Solberg rast mit 200 Sachen durch den Wald

Es regnete weiterhin und über dem Wald hingen Nebelschwaden. Dazu war es kühl. Der Bus kämpfte sich mühsam durch die matschigen Feldwege. Schließlich hielt er an und wir stiegen aus. Mitten im Wald stand das Objekt der Begierde: Der aktuelle Fiesta RS WRC glänzte frisch geputzt unter einer Zeltplane. Daneben stand ein großer Truck von M-Sport. Solberg kam zu uns herüber und begrüßte uns mit den Worten: "Habt ihr schon Angst?"

Das Gefühl war eher eine Mischung aus Aufregung und Ungewissheit. Was würde mich erwarten? Nacheinander stiegen wir auf den Beifahrersitz und Solberg verschwand im Wald. Es war nur der kernige Motorsound des WRC in der Ferne zu hören. Schließlich war ich an der Reihe. Von den R1 und R2 Autos wusste ich mittlerweile, wie ich mich am Besten vorbei am Überrollkäfig und hinein in den Schalensitz zwänge. Ich wurde im Sechs-Punkt-Gurt festgeschnallt und mein Helm wurde verkabelt. Selbst im Standgas röhrte der Motor so laut, dass man ohne Funk kaum sprechen konnte.

Solberg begrüßte mich mit einem schelmischen Lächeln und es ging los. Bereits nach wenigen Metern drückte der Norweger ordentlich aufs Gas. Ich wurde von der unglaublichen Beschleunigung in den Sitz gepresst. Solberg beschleunigte immer mehr und und zwischen den Bäumen mit diesem Speed durchzuflitzen fühlte sich surreal an. Als die erste Kurve auf uns zu kam, dachte ich mir: "Bremsen!", aber Solberg blieb voll am Gas.

Im letzten Moment warf er den Anker und ich hing in den Gurten. Selbst auf matschigem Untergrund ist die Verzögerung so unglaublich, dass man es kaum für möglich hält. Nach einigen Momenten fing ich an die vorzügliche Straßenlage des Fiesta zu bestaunen. Der Wagen lag fast wie auf Schienen auf der Straße und es erinnerte ein wenig an eine Hochschaubahn. Abgesehen vom fantastischen Auto stieg meine Bewunderung für Solberg mit jedem Meter. Wie man bei diesem Höllentempo so präzise fahren kann, war mir ein Rätsel.

Erst in diesem Moment wurde mir richtig bewusst, welche großen Talente die Rallye-Asse sind. Das Fernsehen transportiert nicht einmal annähernd ihre Leistungen im Cockpit. Auch mein Respekt für Kimi Räikkönen stieg, denn als er damals von der Formel 1 in die WRC wechselte, wurde er buchstäblich ins kalte Wasser geworfen. Ein Ottonormalverbraucher würde nicht einmal annähernd an seine Leistungen im WRC herankommen.

Nach knapp drei Minuten war der Höllenritt durch den Wald schon wieder vorbei. Die Eindrücke waren überwältigend und der Suchtfaktor war gigantisch. Nachdem alle ihre Fahrt absolviert hatten, standen wir immer noch mitten im Wald im Regen beisammen und tauschten unsere Eindrücke aus. Ich fragte Solberg, wie schnell wir in etwa waren. Er meinte, dass der Topspeed bei knapp 200 km/h lag. Mit 200 km/h im Regen auf matschiger Straße durch den Wald - ein wenig "crazy" ist das schon. Aber das ist der Rausch der Geschwindigkeit, die unglaubliche Technik eines WRC-Boliden - und deshalb lieben wir den Motorsport.

Ihr

Gerald Dirnbeck

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