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Van der Mark auf Abruf bereit: "Ich bin nicht enttäuscht"

21. September 2017 - 18:23 Uhr

Michael van der Mark steht als Ersatzmann für Valentino Rossi in Aragon bereit, doch der "Doktor" vermasselt ihm sein MotoGP-Debüt - Vinales: "Wie ein Bonbon"

Michael van der Mark
Michael van der Mark ist zwar in Aragon, wartet aber auf seinen Einsatz
© Yamaha

(Motorsport-Total.com) - Mit der überraschend schnellen Rückkehr von Valentino Rossi ins MotoGP-Fahrerlager sind die Chancen von Ersatzpilot Michael van der Mark erheblich gesunken, am Wochenende doch noch auf der Yamaha M1 Platz nehmen zu dürfen. Der Niederländer ist dennoch bereit, jederzeit für den angeschlagenen neunfachen Weltmeister einzuspringen. Schon kurz vor seiner heutigen Anreise wusste der Superbike-Fahrer, dass Rossi es in Aragon versuchen würde.

"Ich war mir im Klaren, dass er fahren könnte. Ich habe mich nicht zu sehr darauf versteift, dass ich am Freitagvormittag auf dem Bike sitzen werde. Ich wusste, dass ich abwarten muss", gibt sich van der Mark nicht enttäuscht. "Es ist unglaublich, was er geschafft hat. Ich hätte das aber auch versucht, daher bin ich nicht enttäuscht", ist er von Rossis Willen beeindruckt.

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Der Italiener selbst hatte noch keine Gelegenheit persönlich mit seinem Ersatzmann zu sprechen. "Ich habe nicht mit ihm gesprochen. Lin hat mich mehrmals zu Hause besucht und gesagt, dass das Team bereit sei. Wenn ich aber zurückkommen könnte, wären sie sehr glücklich." Der Italiener hat bereits mit einem schnellen Comeback spekuliert und ergänzt: "Ich glaube, dass auch van der Mark in den vergangenen Tagen gemerkt hat, dass es schwierig werden könnte, tatsächlich zum Einsatz zu kommen."

Van der Mark: "Sollte es passieren, dann bin ich bereit"

Nachdem der Italiener bereits in Misano aufgrund seines Beinbruchs pausieren musste, versucht der "Doktor" nach nur zwei Wochen Pause das Comeback. Den Medizincheck konnte er am Donnerstag bereits ohne Probleme absolvieren, von den Ärzten hat er die Fahrerlaubnis. Van der Mark muss dennoch zugeben, dass er Rossi gerne vertreten würde. "Wer möchte denn nicht ein MotoGP-Bike fahren?", fragt er. Die Vorbereitung sei dennoch "nicht ideal" gewesen, er konnte zuvor keinen Test absolvieren.

Valentino Rossi
Rossi versucht nach nur einem Rennen Pause wieder auf die M1 zu steigen
© GP-Fever.de

Speziell vorbereitet habe er sich demnach nicht. "Ich habe ein paar Nachforschungen angestellt, um vorbereitet zu sein. Jeder will mir alles erklären, seit ich gestern hier bin. Aber wir wissen auch, dass ich das vielleicht gar nicht benötigen werde." Die Yamaha-Ingenieure haben ihm dennoch ein paar Details erklärt, sollte er an diesem Wochenende doch noch zum Einsatz kommen. "Wenn es doch passieren sollte, dann bin ich bereit", bekräftigt er.

Der 24-Jährige ist stolz darauf, von Yamaha als Ersatzfahrer ausgewählt worden zu sein. "Yamaha sieht auch, dass die Superbike-Fahrer stark sind, sonst würden sie uns nicht fragen. Das ist auch sehr wichtig für die Superbike zu sehen, dass einer ihrer Fahrer Valentino ersetzen kann", glaubt er. Als er die Nachricht von Rossis Motocross-Sturz erhalten hatte, dachte er zuerst an seinen Superbike-Teamkollege Alex Lowes. Der Brite hat im Vorjahr bereits Bradley Smith bei Tech 3 ersetzt.

Crutchlow warnt: MotoGP-Bikes sind "teuflisch"

"Ich dachte, sie würden Alex nehmen, da er schon Erfahrung hat. Sie haben aber mich genommen. Er hat gemeint: 'Genieß es einfach!'", schmunzelt van der Mark. Yamaha-Manager Lin Jarvis bekräftigt in der Presserunde vor dem Rennwochenende diese Entscheidung: "Während Alex bereits seine Chance erhalten hat, war das bei Michael nicht der Fall. Wir wissen, dass weder Alex noch Michael auf das Podium fahren würden und viele Punkte sammeln können. Aber wir brauchten jemanden, der hier ist, den Platz einnimmt und Erfahrung sammelt."

Sollte Rossi nur die Freitagstrainings bestreiten können, dann würde van der Mark seine Chance am Samstag erhalten. LCR-Honda-Pilot Cal Crutchlow war selbst einmal in einer ähnlichen Situation, er hätte Rossi 2010 nach dessen Beinbruch in Mugello ersetzen sollen. "Ich habe zu Lin gesagt, dass ich nicht interessiert daran sei, mich zum Idioten zu machen. Es wäre nur für ein Rennen gewesen, und ich konnte davor nicht testen."

MotoGP in Aragon

Spanien


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Foto 1 von 38
Valentino Rossi
Valentino Rossi

Cruchtlow warnt davor, die MotoGP nicht zu unterschätzen. "Nicht viele haben die Reifen verstanden und ich wollte mich nicht verletzen. Ich würde nicht gerne in van der Marks Rolle sein, nicht für das Wochenende und schon gar nicht im dritten Training. Die Bikes sind teuflisch. Wenn sie zubeißen, dann so richtig. Man muss sich nur Alex Lowes ansehen. Er ging vor einem Jahr im dritten Training auf gebrauchten Reifen auf die Strecke und flog per Highsider in der letzten Kurve ab. Das passiert dir in der Superbike-WM nicht, weil die Reifen dort anders sind."

Während der Honda-Pilot van der Mark warnt, haben Markenkollege Marc Marquez und Yamaha-Garagennachbar Maverick Vinales Mitleid. "Es ist natürlich schade, weil er fahren will. Michael ist sehr jung, er wird enttäuscht sein, aber am Ende muss er das verstehen." Vinales kann sich in die Lage des Superbike-Piloten versetzen: "Das ist, wie wenn man dir ein Bonbon gibt, es dir dann aber wieder wegnimmt." Für Yamaha sei es jedoch gut, dass es Rossi versucht. "Für Michael wird es hart sein, diese Chance ergibt sich vielleicht nur ein oder zwei Mal im Leben. Es ist schade, aber so ist das eben."

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