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Heiße Diskussion um Pedrosas Markenwechsel

04. September 2008 - 12:35 Uhr

Dani Pedrosa erfährt nach seinem plötzlichen Wechsel zu Bridgestone-Reifen Verständnis und Kritik zugleich - Valentino Rossi warnt: "Sehr riskant"

Daniel Pedrosa
Dani Pedrosa muss sich in den kommenden Wochen an die Bridgestones gewöhnen
© Honda

(Motorsport-Total.com) - Zu Beginn der Saison war Dani Pedrosa auf Michelin-Pneus noch zum ersten Saisonsieg und anschließend an die Tabellenspitze der MotoGP gefahren, doch je länger die Saison dauerte, umso mehr ließ die Haftung zwischen dem Spanier und dem französischen Hersteller nach. Mit einem großen Knall endete die Beziehung urplötzlich nach dem Rennwochenende in Misano. Am Sonntag im Rennen fuhr der Honda-Werkspilot noch mit Michelin auf Rang vier, am Tag danach gaben ihm bereits Bridgestone-Reifen Grip beim Test an gleicher Stelle.

Der schnelle Markenwechsel hatte sich zwar nach dem Debakel in Brünn schon angebahnt, doch die Entscheidung wurde dennoch für viele Mitstreiter und Beobachter zur großen Überraschung. Auf der einen Seite erfährt Pedrosa viel Unterstützung, doch andernorts kommt sein Reifenwechsel gar nicht gut an. "Es ist schon ein wenig enttäuschend, dass Bridgestone einfach mitten in der Saison die Unterstützung an einen Konkurrenten reicht", sagte beispielsweise Suzuki-Teamchef Paul Denning.

Kritik vom Suzuki-Chef

"Ich stelle die Entscheidung von Bridgestone nicht infrage, denn es werden gute Gründe dahinterstecken, aber es ist schon eine seltsame Situation", so Denning weiter. Immerhin habe sein Team gemeinsam mit Ducati und Kawasaki die gesamte Vorarbeit geleistet - Pedrosa sei nun also eine Art Abstauber. Was ihn noch viel mehr beschäftige, sei die gewachsene Macht der Piloten: "Wenn heutzutage ein Fahrer einen gestandenes Werksteam dazu bringen kann, mitten in der Saison ein Langzeitabkommen zu brechen, dann stinkt das doch zum Himmel."

"Es ist schon eine seltsame Situation."
Paul Denning

Mit etwas weniger Kritik, dafür aber mit umso mehr Zweifeln, sieht Yamaha-Superstar Valentino Rossi die Pedrosa-Entscheidung: "Ich war im vergangenen Jahr in haargenau der gleichen Situation, aber hätte nie daran gedacht, mitten in der Saison zu wechseln. Das Potenzial der Bridgestones ist extrem hoch, aber es ist nicht so, dass du einfach die neuen Reifen draufmachst und plötzlich wie durch Magie schneller wirst. Es gibt dann viel Arbeit zu erledigen."

Der aktuelle Gesamtführende warnte weiter: "Der Druck ist hoch. Meine Leistungen waren zu Anfang nicht unbedingt besser als mit den Michelin-Reifen und die Leute haben meine Entscheidung ganz schnell hinterfragt. Es ist ein riskanter Schritt für Dani und ein solcher Schachzug zu einem solchen Zeitpunkt ist meiner Meinung nach schon seltsam." Bei Rossi hatte die Umstellung auf die japanischen Reifen viele Wochen gedauert, aber mit Blick auf den aktuellen WM-Stand war es wohl ein lohnender Schritt.

Unterstützung von Ex-Champion Doohan

Mit Verständnis reagierte der fünffache Weltmeister Mick Doohan auf die Nachricht vom plötzlichen Reifenmarken-Wechsel. "So sollte es sein", sagte der Australier. "Er ist die große Hoffnung, also musste Honda wahrscheinlich so handeln. Einer muss ja die Richtung vorgeben und wenn er das nicht tut, dann tut es keiner. Da ist einer, der will gute Resultate holen und vorangehen. Ich denke, das sollte man positiv bewerten." Doch aus Sicht des Ex-Champions braucht der Wechsel seine Zeit, also dürfe man keine schnellen Siege erwarten.

"Ich wäre erstaunt, wenn er schon am nächsten Wochenende vorne mitfahren könnte."
Mick Doohan

"Dadurch, dass Nakanos Team schon auf den Reifen fährt, können sie ein bisschen von deren Wissen profitieren. Aber ich wäre erstaunt, wenn er schon am nächsten Wochenende vorne mitfahren könnte." Beim ersten Test mit den neuen Bridgestones konnte Pedrosa am Montag in Misano klar zur Bestzeit fahren, sieben Zehntelsekunden vor Gresini-Pilot Shinya Nakano. Der Japaner war allerdings mit der alten Motorenversion unterwegs.

"Danis Wechsel zu Bridgestone ist schon eine große Überraschung für uns, denn so ein Schwenk mitten in der Saison kommt nicht alle Tage vor", sagte der erfahrene Japaner Nakano. "Ich weiß nichts genaues über die Hintergründe, aber das Gute ist, dass wir Informationen austauschen können. Sie sind eine Werksmannschaft und bekommen sicherlich mehr Hilfe. Da wir ein ähnliches Motorrad haben, können wir bestimmt davon profitieren. Auf der anderen Seite müssen wir unsere Informationen natürlich an sie geben. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht für uns ist."

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