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Deutscher Nachwuchs: Cortese holt zum Rundumschlag aus

Sandro Cortese prophezeit düstere Zeiten und nimmt die Verantwortlichen der deutschen Verbände in die Pflicht: Im Exklusiv-Interview präsentiert er seine Ideen

(Motorsport-Total.com) - Obwohl Deutschland vor wenigen Jahren mit Stefan Bradl und Sandro Cortese zwei Weltmeister hervorbrachte, rückt kaum Nachwuchs nach. Ungewiss ist, wer nach Philipp Öttl die deutsche Fahne hochhält. Das Interesse am Motorradsport ist schwach ausgeprägt. Zudem mangelt es an Einstiegsklassen, die bezahlbar sind. Wir haben uns mit Ex-Moto3-Champion Cortese unterhalten und nach Lösungen gefragt. Das Thema Nachwuchs beschäftigt den 27-Jährigen, der die Verantwortlichen auffordert, mehr zu unternehmen.

Sandro Cortese

Sandro Cortese hofft auf ein Umdenken der Verantwortlichen in Deutschland

Frage: "Um den deutschen Motorrad-Nachwuchs ist es nicht allzu gut bestellt. Wie bewertest du die Situation?"
Sandro Cortese: "Diesbezüglich gibt es in Deutschland genug Arbeit, denn in der Vergangenheit wurde viel falsch gemacht. Wenn man nicht aufpasst, dann endet das katastrophal. Ich glaube, es gibt nach Philipp Öttl keinen Deutschen, der in den nächsten drei Jahren um die WM fährt."

Frage: "Dabei sah es vor einigen Jahren sehr vielversprechend aus: Stefan Bradl wurde Moto2-Weltmeister. Ein Jahr später warst du in der Moto3 Weltmeister. Zuletzt setzte sich Jonas Folger sehr stark in Szene."
Cortese: "Das stimmt. Ich drücke Jonas die Daumen, dass er wieder fit wird. Es wäre für Deutschland sehr schlimm, wenn wir keinen MotoGP-Fahrer haben."

Sandro Cortese

2012: Ein Jahr nach Bradl holte Cortese den nächsten WM-Titel für Deutschland

"Trotz der Erfolge in der Motorrad-WM konnte der Nachwuchs offensichtlich nicht für den Motorradsport begeistert werden. Zudem gab es kaum Projekte, die sich mit der Förderung beschäftigen. Was hat sich in den vergangenen Jahren im Vergleich zu deiner Anfangszeit verändert?"

"Es gibt keine anständige Klasse, in der Jugendliche Rennen fahren können. Früher, als ich Pocket-Bike gefahren bin, traten in jeder Klasse mehr als 20 Fahrer an. Teilweise gab es 30 Starter zu meiner Zeit. Das Level war sehr hoch. Fahrer wie Marcel (Schrötter), Jonas (Folger) und ich sind durch die Pocket-Bike-Rennen und den Mini-Bike-Cup, später durch die IDM und den Rookies-Cup, nach oben gekommen."


Fotos: Berkheim feiert Sandro Cortese


"Die Zukunft der IDM ist unsicher."

"Wenn man die Nachwuchsförderung den Leuten überlässt, die im Büro sitzen, dann wird nichts zustande kommen. Man muss ein Programm erstellen für die finanziellen Möglichkeiten. Das Geld ist da. Im Automobilbereich ist in jeder Nachwuchsklasse Geld da. Im Motorradbereich sind die Kosten niedriger. Ich bin mir sicher, dass es in Deutschland Talente gibt, die man fördern kann."

KTM RC390

ADAC-Junior-Cup: Die KTM RC390 ist laut Cortese zu schwer und zu träge

"Und wie beurteilst du Nachwuchsserien wie den ADAC-Junior-Cup oder den ADAC-Northern-Europe-Cup?"

"Der Northern-Europe-Cup sollte in Deutschland ausgetragen werden und nicht auf Strecken wie Silverstone fahren. Das verursacht unnötige Kosten. Wir haben in Deutschland gute Rennstrecken, wie den Nürburgring, Oschersleben, Hockenheim, den Lausitzring und von mir aus auch Schleiz - Rennstrecken, auf denen man mit fünf bis sechs Rennen einen Cup austragen könnte, bei dem man Reisekosten spart. Wegen mir könnte man auch ein Rennen in Assen und Brünn machen, denn es ist nicht allzu weit."

Frage: "Wie würde dein Konzept für eine günstige Einstiegsklasse aussehen?"
Cortese: "Man müsste mit Maschinen fahren, wie sie auch im Rookies-Cup eingesetzt werden. Um die Kosten zu begrenzen, wären Dinge wie Schaltautomaten und anderes Tuning verboten. Es sollten nur Standardmaschinen erlaubt sein. Dann erkennt man die Talente. Von 20 Fahrern bleiben nur noch drei übrig und am Ende einer. Nach drei oder vier Jahren haben wir dann vielleicht wieder junge Talente für die WM. Man muss ganz unten anfangen."

Frage: "Und der Einstieg in den Sport muss über den Pocket/Mini-Bike-Bereich kommen?"
Cortese: "Genau. Wenn man sich darauf einigt, Pocket-Bike zu fahren, Tuning zu verbieten, dann kostet eine Saison nicht mehr als 3.000 Euro. Das kann sich auch eine normale Familie leisten. Sicher ist es viel Geld, aber es ist noch machbar. Ein Pferd kostet mehr Geld. Die kleinen Clubs sollte mit Fördergeldern geholfen werden. Es ist nicht viel nötig. Es gibt passionierte Leute, die das unterstützen würden."

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