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Andre Lotterer: Formel E eine andere Herausforderung

03. November 2017 - 14:32 Uhr

Mit wenig Vorbereitung nimmt Allrounder Andre Lotterer die Formel E in Angriff - Der Elektrobolide ist ganz anders zu fahren, Lucas di Grassi erwartet von ihm viel

Andre Lotterer
Andre Lotterer beim einzigen Vorbereitungstest in Valencia
© LAT

(Motorsport-Total.com) - Andre Lotterer ist in seiner Karriere schon die unterschiedlichsten Rennautos gefahren. Dreimal hat der Deutsche die berühmten 24 Stunden von Le Mans gewonnen, derzeit fährt er für Porsche in der Langstrecken-WM WEC und in der Super Formula (Meister 2011) in Japan. Zweimal hat der Duisburger in Japan die GT-Meisterschaft für sich entschieden. Und 2014 absolvierte er für Caterham einen Formel-1-Start. Nun steht Lotterer vor seiner nächsten Herausforderung. In der Formel-E-Saison 2017/18 wird er für Techeetah sein Debüt in der Elektrorennserie geben.

Unterschiedlicher könnten die verschiedensten Boliden nicht sein. Lotterer hat sie alle am Limit bewegt. "Ich durfte die besten Rennautos fahren. Die Super Formula hat neben der Formel 1 den höchsten Kurvenspeed. Der LMP1 Hybrid hat 1.000 PS und Allradantrieb. Man schießt wie nichts anderes auf diesem Planeten aus Kurven heraus", sagt Lotterer 'Motorsport-Total.com'. "Man kann auch ein schnelleres Auto als LMP1 haben und trotzdem wird man es ans Limit bringen. Das ist unsere Welt."

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Formel-E-Boliden sind im Gegensatz zu den LMP1-Prototypen und Formel-1-Autos deutlich langsamer. Das ändert aber nur wenig an der Herausforderung für die Fahrer. "Wenn du ein langsameres Auto hast", so Lotterer, "dann kannst du es immer noch ans Limit bringen. Es hält dich auf Trab. Mental ist das eine große Herausforderung. Viele Leute sagen, dass die Formel E keine Power hat, aber ich bin mir sicher, dass es für die Stadtkurse gut genug ist."

Formel-E-Bolide ganz anders zu fahren

Die engen Stadtkurse erlauben keine Fehler. Da viele hochkarätige Fahrer in der Formel E sind, muss jeder alles aus sich und dem Material herausholen. Lotterer wird Anfang Dezember beim Saisonauftakt in Hongkong quasi ins kalte Wasser geworfen, denn er konnte den Elektrorenner nur an drei Testtagen in Valencia ausprobieren. Die restliche Vorbereitungszeit beschränkte sich auf den Simulator. Da Techeetah den Elektroantrieb von Renault bezieht, sind deutlich weniger Testtage erlaubt als für einen Hersteller.

Der Formel-E-Bolide ist auch anders zu fahren als andere Formelfahrzeuge. Das Auto ist durch den schweren Elektroantrieb und die Batterien sehr hecklastig. Die Allwetterreifen von Michelin sind ebenfalls einzigartig. "Die Reifen sind ein großer Faktor", betont Lotterer. Elementar ist auch das Energiemanagement und die Energierückgewinnung über die Bremsen. Das kann sich im Laufe des Rennens auf das Fahrverhalten und dementsprechend auf die Rundenzeiten auswirken.

"Die Bremsen sind sehr temperaturempfindlich. Außerdem ändert sich bei der Regeneration die Balance", erklärt der Deutsche. "Wenn man die Regeneration verliert, weil sich die Temperatur oder der Ladezustand der Batterie verändert, hast du hinten weniger Bremskraft. Das muss man kompensieren und die Bremsbalance nach hinten stellen. Das wiederum verändert die Temperatur und die Charakteristik der Bremse. Auch ist die Qualität der Bremse recht zufällig. Du hast gute Scheiben, weniger gute Scheiben und Unterschiede zwischen links und rechts."

Meister di Grassi glaubt an Lotterer-Erfolg

Lotterer ist einer von fünf Neulingen in der Formel E. Auch Neel Jani und Edoardo Mortara zählen zu den neuen Gesichtern. Viele sind gespannt, wie sie sich in der Elektrorennserie präsentieren werden. Auch Meister Lucas di Grassi wirft ein Auge auf die Neulinge. Der Abt-Audi-Pilot ist vor allem gespannt, wie das Techeetah-Stallduell zwischen Jean-Eric Vergne und Lotterer ausgehen wird. Vergne ist beim chinesischen Rennstall gesetzt. In der vergangenen Saison hatte der Franzose mit Ma Qing Hua, Esteban Gutierrez und Stephane Sarrazin drei verschiedene Teamkollegen.

Nun erhält "JEV" mit Lotterer einen hoch eingeschätzten Partner. "Er passt gut zur Formel E", meint di Grassi über Lotterer. "Er ist clever, ein guter Fahrer, er ist schnell. Es wird interessant zu sehen, wie er sich gegen JEV schlägt. Wenn JEV starke Teamkollegen hat, kämpft er. Sam Bird war bei DS-Virgin besser. Ob er besser als JEV ist, ist schwierig zu sagen, aber als Teamkollege hat er eine bessere Leistung gezeigt. Wenn Lotterer besser fährt als JEV, wird es interessant, ob JEV ausrastet oder nicht - oder ob er immer eine bessere Leistung zeigt als Lotterer."

Di Grassi kennt Lotterer gut, denn sie waren im Audi LMP1-Team einige Zeit lang Teamkollegen. "Ich schätze ihn hoch ein", lobt der Brasilianer. "Er war die Messlatte, als ich zu Audi kam, aber die Formel E ist ganz anders. Wir haben schon oft sehr gute Fahrer gesehen, die sich in der Formel E nicht etablieren konnten. Vorhersagen sind schwierig, aber wenn jemand gute Erfahrung hat, clever und schnell ist, dann ist es Andre."

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