Aktuelle Bildergalerien
ANZEIGE
ANZEIGE
Die aktuelle Umfrage

Die DTM-Rennen sollen 2014 "lesbarer" sein. Begrüßen Sie das?

Ja, natürlich!
Mir ist das egal...
Nein, war schon okay.
Formel 1 und Motorsport als App für iOS, Android, Bada und WAP
ANZEIGE 
DEKRA Motorsport
Folgen Sie uns!
Motorsport-Total.com bei Facebook Motorsport-Total.com bei Google+ Motorsport-Total.com bei Twitter RSS-Feeds von Motorsport-Total.com
Sie sind hier: Home > DTM > Newsübersicht > Interviews

Der Mensch in der Maschine: Jamie Green

17. Juli 2012 - 12:02 Uhr

Wer ist das, der dort hinter dem Steuer sitzt? Zwölf Fragen über das Leben abseits des Rennfahrerlebens - Heute: Mercedes-Pilot Jamie Green

Jamie Green
Jamie Green: Der Coldplay-Fan fährt seit 2005 für Mercedes in der DTM
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - 20 Männer und zwei Frauen kämpfen in dieser DTM-Saison um Punkte und Siege. Am Steuer ihrer Boliden machen die Vollgashelden ihren Fans Freude. Doch welcher Mensch steckt unter der Sturmhaube? Welche Gedanken beschäftigen die Piloten, wenn sie nicht über Reifendrücken, Abtriebswerten und Sektorenzeiten brüten? 'Motorsport-Total.com' präsentiert eine andere Seite der DTM. Der Mensch in der Maschine. Heute: Mercedes-Pilot Jamie Green.

Frage: "Jamie, welchen Beruf hätte deine Mutter für dich ausgesucht?"
Jamie Green: "Es wäre Motorsport. Meine Mum hat einen sehr starken Charakter, sehr unabhängig. Zum Beispiel: Als ich noch jung war und jemand hat mit mir geschimpft, dann war es immer meine Mutter. Sie kann sehr angsteinflößend sein, wenn die sauer ist. Es war eher meine Mum, die meinen Bruder und mich zurechtgewiesen hat, als mein Vater."

ANZEIGE

"Ich erinnere mich noch, als mein Vater Stockcar-Rennen gefahren ist, wollte ich das unbedingt ausprobieren. Sie haben an meinem zehnten Geburtstag ein Auto für mich gemietet. Damit habe ich mein erstes Rennen bestritten und es geliebt. Meine Eltern kauften mir dann einen Wagen und ich habe angefangen, Rennen zu fahren. Vor einer Veranstaltung habe ich eine Woche von nichts anderem geredet. Aber ich hatte zuvor ein paar Unfälle und etwas Angst, dass mir das wieder passiert. Wir fuhren also zu dem Rennen und als wir dort angekommen waren, meinte ich: 'Ich will nicht fahren.'"

"Meine Mum sagte: 'Jamie, tu mir einen Gefallen. Du hast die ganze Woche von diesem Rennen gesprochen. Deswegen weiß ich, dass du teilnehmen willst. Aber, wenn du fährst und stellst nachher oder währenddessen fest, dass du es wirklich nicht willst, dann verkaufen wir das Auto und du hörst auf, Rennen zu fahren. Dann machst etwas anderes.' Es gab keinen Druck. Ich bin also an den Start gegangen und es wurde mein allererster Sieg. Ich wollte dann nie wieder mit Rennfahren aufhören."

"Sie hat mich in die richtige Richtung gelenkt. Sie hatte auch keine Angst, nach dem Motto: 'Oh mein armer 10-jähriger Junge. Ich will nicht, dass er sich wehtut.' Sie hätte einfach gesagt: 'Hör auf damit.' Deswegen denke ich, freut sie sich darüber, dass ich Rennen fahre, weil sie weiß, dass ich darin gut bin."

Als Papas Auto im Graben lag

Frage: "Eine Spinne in der Dusche - kommst du und hilfst?"
Green: "Aber sicher! Meine Frau ist in solchen Sachen furchtbar. In England wohnten wir auf dem Land und hin und wieder kamen auch Mäuse ins Haus. Sie hat totale Angst davor. Ich erinnere mich noch, wie ich einen ganzen Abend mit einer Box in der Hand durch die Zimmer gerannt bin, um die Maus zu fangen."

Frage: "Welches Buch hast du zuletzt gelesen?"
Green: "Das war eine Autobiographie über einen englischen Stockcar-Fahrer, John Lund, der sieben Weltmeisterschaften gewonnen hat. Er ist ein Farmer aus England und ich habe das Buch zu Weihnachten bekommen. Die Bücher, die ich lese, drehen sich entweder um Motorsport oder um Fußball."

Jamie Green
Jamie Green beendete die vorherige DTM-Ära mit einem Sieg in Hockenheim
© xpb.cc

Frage: "Welches war dein bisher schlimmstes Erlebnis im öffentlichen Straßenverkehr?"
Green: "Als ich 17 Jahre alt war, habe ich mit dem Auto meiner Mutter einen Unfall gebaut. Ich hatte Nachtschicht und habe von 22 Uhr bis sechs Uhr gearbeitet. Ich bin nach Hause gefahren und der Weg war sieben und acht Meilen lang. Ich wusste genau, wie lange ich nach Hause brauche. Es waren immer so um die sieben Minuten. Doch es war etwas nass, ich bekam Untersteuern und landete im Graben. Ich musste dann meinen Vater um sechs Uhr morgens anrufen und ihn bitten mich rauszuziehen. Das war das Schlimmste: deinen Vater um sechs Uhr in der Früh anzurufen und zu gestehen, dass du das Auto in den Graben gesetzt hast."

Frage: "Wie gut kannst du rückwärts einparken?"
Green: "Darin bin ich gut. Mein Vater war Lkw-Fahrer und als ich ein Kind war, durfte ich hin und wieder fahren."

Frage: "Welches waren in der Schule deine stärksten und schwächsten Fächer?"
Green: "Mein Lieblingsfach war Sport. Das hat am meisten Spaß gemacht. Eigentlich war ich insgesamt nicht so gut in der Schule. An Französisch hatte ich nicht wirklich viel Freude. Deutsch hatte ich eine Woche lang. Ich hatte so meine Probleme mit Fremdsprachen. Ich hatte nie damit rechnet, dass ich mal im Ausland wohnen würde. Jetzt verbringe ich die meiste Zeit in Deutschland und wohne in einem französischsprachigen Gebiet. Ich lag damals wohl falsch."

Frage: "Mit welchem Prominenten würdest du gerne Essen gehen?"
Green: "Auf jeden Fall mit einer attraktiven Frau... Sheryl Crow!"

Schwimmen ist eine Qual

Frage: "Welches war dein erstes eigenes Auto?"
Green: "Ein Peugeot 306 Diesel und eigentlich der Wagen meiner Mutter. Ich durfte ihn nutzen, als ich mit 17 meinen Führerschein hatte. Das war auch das Auto, das ich in den Graben gesetzt hatte. Ich hatte wirklich Glück, da ich nie ein Auto kaufen musste. Als ich in der Britischen Formel 3 gefahren bin, bekam ich einen Honda von Carlin. Dann habe ich bei Mercedes für die Formel-3-Euroserie unterschrieben und fuhr einen Smart Roadster."

"Wenn du 19 Jahre alt bist, ist der Roadster toll. Ich bin damit von Leicestershire nach Paris gefahren. Als ich den Wagen zurückbringen musste, bin ich nach Stuttgart gefahren. Dann in einer C-Klasse nach Hause zu fahren war schon um einiges bequemer."

Frage: "Welchen Sport würdest du niemals machen?"
Green: "Schwimmen und vielleicht Rugby. Schwimmen ist Teil meines Trainings, aber ich habe keinen wirklichen Spaß daran. In der Schule hasste ich es. Distanzschwimmen ist meine Vorstellung von Hölle. Skilanglauf gehört auch nicht zu meinen Lieblingssportarten - ich komme einfach mit der Technik nicht zurecht."

Frage: "Bei welcher Musik wechselst du sofort den Radiosender?"
Green: "Deutsche Musik. Ansonsten bin ich für Musik eigentlich recht offen."

Frage: "Hast du ein Tattoo?"
Green: "Kein Piercing, kein Tattoo. Den einzigen Schmuck, den ich habe, sind mein Ehering und meine Uhr."

Wer sein Glück zu schätzten weiß

Frage: "Was ist der Sinn des Lebens?"
Green: "Ich kannte einige Leute, die schon gestorben sind und das bringt dich dazu, über das Leben im Allgemeinen nachzudenken. Wenn immer alles schön und positiv ist, warum werden uns dann manche Menschen genommen - einige früher als sie sollten. Was ich gerne denke: Wenn du ein guter Mensch und fair bist und andere gut behandelst, dann wird mit dir hoffentlich auch gut umgegangen. Ich versuche, mein Leben zu genießen und denke daran, was für ein Glück ich habe. Ich bin so froh, dass ich ein professioneller Rennfahrer geworden bin."

"Mit 16 Jahren habe ich die Schule verlassen und dann für ein kleines Rennteam bei Mallory-Park, einer sehr kleinen Rennstrecke in England, gearbeitet. Dort habe ich die Toiletten gesäubert, Tee gemacht und den Boden gewischt. Deswegen weiß ich, wie es ist, ganz unten im Motorsport zu arbeiten. Jetzt bin ich Rennfahrer für einen der professionellsten Hersteller der Welt."

"Es ist wichtig, den richtigen Blickwinkel zu behalten und zu schätzen, was zu hast. Ich bin sehr, sehr glücklich mit meinem Leben. Ich habe eine liebe Frau, einen tollen Sohn, einen tollen Job, lebe im Süden Frankreichs - ich bin glücklich! Und wenn man glücklich ist, muss man das zu schätzen wissen. Das versuche ich jeden Tag!"

Artikeloptionen
Artikel bewerten

 

 
Nach oben