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Möglicher Porsche-LMP1-Ausstieg: Es gibt zahlreiche Gründe

27. Juni 2017 - 13:41 Uhr

Die Gerüchte um einen vorzeitigen Ausstieg von Porsche aus der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) halten sich hartnäckig: Das spricht für einen Abschied

Timo Bernhard, Earl Bamber, Brendon Hartley
Timo Bernhard, Brendon Hartley und Earl Bamber siegten 2017 in Le Mans
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Porsche hat am 18. Juni 2017 bei der Zieldurchfahrt von Timo Bernhard im Auto mit der Startnummer 2 um genau 15:01 Uhr und 14,075 Sekunden den 19. Gesamtsieg der Marke bei den 24 Stunden von Le Mans bejubelt. Der Sportwagenhersteller aus Stuttgart hat sich damit in der Statistik der meisten Triumphe an der Sarthe weiter von Audi (13 Siege) und Ferrari (9) und Jaguar (7) absetzen können. Folgt für Porsche 2018 sogar der 20. Gesamterfolg beim Klassiker? Dies ist mehr als unsicher.

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Die Werksmannschaft aus Weissach müsste sich mit dem 919 Hybrid, dessen Basis aus dem Comebackjahr 2014 stammt, im Wettbewerb gegen den deutlich neueren Toyota TS050 durchsetzen. Die Grundlage dafür: Porsche müsste überhaupt im kommenden Jahr am Rennen teilnehmen. Und genau dies ist derzeit offenbar sehr fraglich. Es halten sich hartnäckige Gerüchte um einen vorzeitigen Abschied aus der Szene, wenngleich der Vorstand das Engagement eigentlich bis Ende 2018 verabschiedet hatte.

"Da ist noch keine Entscheidung gefallen", so Porsche-Entwicklungsvorstand Michael Steiner auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com', ob man im kommenden Jahr um den 20. Gesamtsieg kämpfen werde. Diese Aussage legt dar, dass man in Weissach (und im Volkswagen-Konzern in Wolfsburg) trotz des ursprünglichen Vorstandsbeschlusses über einen möglichen Ausstieg zum Ende dieses Jahres nachdenkt. Toyota will offenbar unabhängig von einer solchen Entscheidung bis Ende 2019 weitermachen.

Reglement 2020 gefällt nicht jedem

Dass Porsche über einen solchen Schritt überhaupt nachdenkt, hat zahlreiche Gründe. Einerseits ist das vom ACO in Le Mans vorgestellte LMP1-Reglement 2020 nicht der große Schritt in Sachen Technologie, den man sich in Weissach erhofft hatte. Der Sportwagen-Hersteller würde gern unter anderem bei der Hybridleistung den nächsten Schritt darstellen. ACO und FIA spielen da nicht mit. Mit dem neuen Regelwerk sollen neue Hersteller wie Peugeot gelockt werden.

Die LMP1-Hybridklasse soll günstiger werden. Das steht im klaren Widerspruch zur Darstellung von weiteren Technologie-Entwicklungen. Ab 2020 soll per Plug-in-Hybrid nach jedem Boxenstopp ein Kilometer in Le Mans rein elektrisch zurückgelegt werden. Der Panamera 4 E-Hybrid schafft mit seinem Plug-in-System bis zu 50 Kilometer rein elektrisch auf der Straße, da ist die Fahrt von Boxenausgang bis kurz hinter den Dunlop-Bogen nicht gerade eine Revolution auf vier Rädern. Es ist ein Symbol - mehr nicht.

Der 919 Hybrid wurde seit 2014 konsequent weiterentwickelt, aber das Konzept samt 2,0-Liter-V4-Turbo und 8MJ-Hybridsystem stößt langsam an seine Grenzen. Toyota hat mit dem TS050 einen großen Sprung gemacht. Die Japaner haben in diesem Jahr das deutlich schnellere Auto - und im Konzept steckt für die kommenden Jahre noch einiges an Potenzial. Kurzum: Porsche müsste ein ganz neues Auto bauen, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben.

Ein solches Projekt wäre angesichts der spätestens ab Ende 2018 unsicheren Zukunft in der LMP1-Szene wenig sinnvoll. Auch bei Porsche muss man vor dem Hintergrund des Dieselskandals und den damit verbundenen Sparmaßnahmen im Konzern jeden Euro für den Motorsport rechtfertigen. Aus diesem Grund gab es in Le Mans 2016 kein drittes Auto mehr. Die Argumente pro LMP1 werden angesichts des Regelwerkes 2020 nicht gerade schlagkräftiger.

WEC: Wo bleibt der LMP1-Wettbewerb?

Ein weiterer Punkt, der für einen vorzeitigen Abschied spricht, ist das Fehlen von Wettbewerbern. Ein jahrelanges Duell gegen Toyota wird kaum dabei helfen, sich im Bereich Hybridtechnologie und "Mission Future Sportscar" zu positionieren. 2014 waren die Voraussetzungen anders. Audi war noch an Bord, Nissan kam mit großem Tamtam und weitere Hersteller standen nach Aussage der WEC-Macher schon mit einem Fuß in der Tür. Geblieben ist davon nur die Hoffnung, dass Peugeot zurückkehrt.

Die Franzosen haben bei den Beratungen über das künftige LMP1-Regelwerk mit am Tisch der Technischen Arbeitsgruppe gesessen und dabei alles versucht, die Kosten gering zu halten und die Hybridtechnik auf ein Minimum zu reduzieren. Dieser Weg gefiel bei Porsche längst nicht allen, zumal ACO und FIA den Vertretern von Peugeot in einigen Punkten sehr weit entgegengekommen sind. Die "Löwen" haben Leckerlis bekommen, aber schnappen sie auch zu? Das ist alles andere als sicher.

Der Porsche-Sieg in Zahlen

Interessante Zahlen zum 19. Gesamtsieg von Porsche bei den 24 Stunden von Le Mans


21.06.2017
Foto 1 von 14
Das Siegerteam Earl Bamber, Timo Bernhard und Brendon Hartley mit der Startnummer 2 legte 367 Rennrunden (5.001,23 Kilometer) zurück. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 208,2 km/h.
Das Siegerteam Earl Bamber, Timo Bernhard und Brendon Hartley mit der Startnummer 2 legte 367 Rennrunden (5.001,23 Kilometer) zurück. Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 208,2 km/h.

"Wir erwarten jetzt eine schnelle Entscheidung von Peugeot. Schon kurz nach Le Mans", so Porsche-LMP1-Leiter Fritz Enzinger in der 'Auto Bild motorsport'. Der Österreicher weiter: "Wenn Peugeot ja sagt, dann kommen sie auch nicht vor 2020 oder 2021. Dann müssen wir uns natürlich überlegen, ob wir noch zwei oder drei Jahre nur zu zweit in Le Mans fahren wollen. Das kann ich jetzt aber noch nicht einschätzen." Die LMP1 leidet, die GTE-Pro-Klasse boomt. Dort ist Porsche mit dem 911 RSR ohnehin im Wettbewerb gegen Ferrari, Aston Martin, Ford, Corvette und BMW (ab 2018) vertreten.

Weitere Vorkommnisse werden in den Beratungen über einen möglichen Abschied aus der LMP1 eine Rolle spielen. Vor dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2017 entbrannte im Hintergrund ein Streit zwischen Porsche und Toyota um eine technische Lösung am TS050. Die Japaner haben am Heck wohl eine Art Doppeldiffusor. Porsche stellte eine Anfrage an die FIA, ob dies dem Regelwerk entspreche. Die lapidare Antwort: Der Toyota ist homologiert und hat die Technische Abnahme bestanden. Die Zusammenarbeit war noch nie so schwierig wie jetzt. Und das Duell wurde zuletzt immer schmutziger.

Le Mans top, andere WEC-Rennen nicht

Auch der Le-Mans-Veranstalter ACO und die Macher der WEC haben den Vertretern von Porsche in den vergangenen Monaten nicht immer Freude bereitet. Unter anderem wurde Porsche juristisch angegangen, weil der ACO in einem Werbespot eines Teampartners der Stuttgarter das Logo entdeckte und eine Verletzung der Markenrechte erkannt haben wollte. Solche Auseinandersetzungen sind im Zusammenspiel von Veranstaltern und Teilnehmern natürlich reines Gift.

Zu "guter" Letzt: Die Bühne WEC hat sich nicht den Vorstellungen von Porsche entsprechend entwickelt. Dass Le Mans das große und alles überstrahlende Highlight bleiben würde, war immer allen klar. Aber die Reichweiten bei Rennen in Bahrain, Austin oder Mexiko sind begrenzt. Der Abschied von Audi, der peinliche Kurzauftritt von Nissan und der bisherige Nicht-Einstieg von Peugeot legen die Vermutung nahe, dass der Aufschwung der Langstrecken-Szene seine Grenzen haben wird.

"Der Mythos Le Mans lebt. Genau wegen solch unglaublicher Geschichten, wie wir sie am vorletzten Wochenende erlebt haben", sagt Porsche-Vorstandschef Oliver Blume über den Klassiker an der Sarthe. In Stuttgart bleibt man dem Event in Frankreich eng verbunden, hinterfragt aber die Gesamt-Gemengelage. Und zu dieser zählt eben auch die WEC mit ihren acht Veranstaltungen. Die mäßigen Reichweiten rechtfertigen eine immens teure Weltreise mit dem 919 Hybrid kaum noch.

Nach Informationen von 'Motorsport-Total.com' soll eine definitive Entscheidung über eine mögliche Beteiligung an der WEC 2018 bei einer Vorstandssitzung im Juli fallen, im Hintergrund soll es derzeit aber eine klare Tendenz zum Ausstieg Ende dieses Jahres geben. Den Le-Mans-Sieg im Nacken und das Heimspiel am Nürburgring (16. Juli) vor der Brust: Der Zeitpunkt für eine offizielle Kommunikation zu diesem Thema ist denkbar ungünstig. Erst nach dem 6-Stunden-Rennen in der Eifel wird wohl Klartext gesprochen.

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