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Le-Mans-Vorschau 2012: Die Prototypen

07. Juni 2012 - 15:24 Uhr

Die Jubiläumsausgabe der 24 Stunden von Le Mans: Die großen LMP-Favoriten und die heimlichen Helden - Wer gewinnt bei der 80. Auflage des Klassikers?

Am Sonntag beginnt die Le-Mans-Woche mit der technischen Abnahme
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - An der Sarthe ist alles bereit für die Jubiläumsausgabe. Am Wochenende 16./17. Juni findet die 80. Auflage der weltberühmten 24 Stunden von Le Mans statt. Insgesamt 56. Autos werden am Samstagnachmittag um 15:00 Uhr auf die lange Reise geschickt. Auf der 13,629 Kilometer langen Traditionsstrecke werden Fahrer, Material und Teams auf die härteste Probe gestellt. Die große Frage bei den Prototypen: Wird es den ersten Sieg eines Hybridfahrzeuges in Le Mans geben?

Beim Vortest hinterließen die Audi R18 e-tron quattro einen starken Eindruck. In 3:25.927 Minuten zeigte Allan McNish, dass in diesem Jahr starke Rundenzeiten zu erwarten sind - immerhin war man deutlich mehr als eine Sekunde schneller als beim Test im Vorjahr. Hat Audi bei den Probefahrten schon alles gezeigt? Nein. In diesem Punkt sind sich alle Beobachter einig. Auf Grundlage dessen dürfte es also schwierig werden, die Ingolstädter zu schlagen.

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Es gibt dennoch zwei Faktoren, die für Spannung an der Spitze sorgen werden. Einerseits könnte Audi sich selbst schlagen. Ein Hybridsieg würde der Marketingabteilung zwar sicherlich gut gefallen, aber ein Erfolg des Leichtbau-R18 (ultra) ist mindestens ebenso wahrscheinlich. Das LMP1-Auto mit konventionellem Dieselantrieb hatte sich beim WEC-Lauf in Spa-Francorchamps als das stärkere Modell präsentiert. Einzig im Regen hatte der Hybrid einige Vorteile.

Audi-Duell: Hybrid gegen Leichtbau

"Wir hatten viele Prioritäten beim Testen, vom Fahrwerk bis zum Verhalten der Reifen über die Distanz. Auch den Verbrauch haben wir gründlich analysiert", erklärt Andre Lotterer, der als Titelverteidiger im Hybrid-R18 antreten wird. "Das sind unsere wichtigsten Fragestellungen an solchen Testtagen." Vor allem die Frage nach dem Verbrauch war von entscheidender Bedeutung. Das Hybridfahrzeug hat einen um zwei Liter kleineren Tank als der R18 ultra.

Durchaus möglich, dass man daher mit dem Hybridauto eine Runde weniger pro Stint fahren kann. Einen solchen Nachteil könnte man bei normalen Streckenbedingungen wohl kaum noch aufholen. Zumal das herkömmliche Fahrzeug kaum weniger schnell ist. Dumas/Duval/Gene fehlten im schnellsten R18 ultra gerade einmal 0,6 Sekunden - auf einer Strecke wie Le Mans ist dies ein marginaler Abstand. "Wir haben ein Auto, das besser ausbalanciert ist. Das spürt man vor allem in schnellen Sektionen wie den Porsche-Kurven", beschreibt Dumas die Fortschritte im Vergleich zum R18 des Jahrgangs 2011.

Vielleicht bleibt es an der Spitze beim Audi-internen Zweikampf der Konzepte, vielleicht aber auch nicht. Toyota überraschte beim ersten öffentlichen Auftritt mit dem neuen TS030 Hybrid an der Sarthe. Beim Vortest fehlten den Japaner nur 1,2 Sekunden auf die Topzeit von Audi. Toyota war mit beiden Autos auf Anhieb schnell unterwegs und scheint seine Hausaufgaben bestens erledigt zu haben. Der TS030, dem immer wieder erhebliches Übergewicht nachgesagt wurde, ist schnell.

Toyota beeindruckte beim Vortest

"Wie erwartet hat sich das Team sehr professionell und mit einem schnellen Auto präsentiert, sodass wir einem interessanten Rennen entgegensehen", analysiert Audi-Einsatzleiter Dieter Gass. "Respekt vor dem ersten öffentlichen Auftritt von Toyota. Unser Konkurrent war auf Anhieb schnell und hat viele Runden gedreht", fügt Technikchef Ralf Jüttner hinzu. Und Rekordsieger Tom Kristensen nickt anerkennend: "Hut ab vor der Leistung unseres neuen Gegners Toyota."

Sicher ist: Audi darf sich im Rennen kaum ausruhen. Die Toyotas sind dem Peugeot 908 der vergangenen Jahre nicht nur optisch recht ähnlich, sondern viele Fans haben die Hoffnung, dass die Japaner einen ähnlich hohen Druck auf Audi ausüben können wie es die Franzosen viele Jahre lang taten. Die große Frage im Lager von Toyota ist allerdings, wie es um die Zuverlässigkeit des neuen Hybrid-LMP1 bestellt ist. Nach eigenen Angaben hat man keinen einzigen Test-Dauerlauf ohne technische Probleme absolviert.

Den Feinschliff für das Setup gab Toyota den Autos beim Test am Dienstag auf dem kleinen Bugatti-Kurs in Le Mans. Dort flossen die Erkenntnisse des Testtages direkt in die Abstimmung für das kommende Rennen ein. In Sachen Speed und Fahren im Verkehr haben die sechs namhaften Piloten in den beiden Toyotas einen Vorteil. Der TS030 setzt seinen Hybridschub an der Hinterachse frei. Somit darf man jederzeit nach engen Ecken mehr Power nutzen. Beim Audi-System darf die Zusatzleistung erst ab Tempo 120 km/h abgerufen werden.

Starke Fahrerpaarungen in den Prototypen

Zwar fällt Timo Bernhard nach seinem Sebring-Testcrash verletzt aus, aber Audi hat in Marc Gene adäquaten Ersatz. Der Spanier führte sich mit einem Sieg im WEC-Rennen von Spa bestens ein. In Sachen Fahrerkader sind die beiden Werksmannschaften gleichermaßen gut besetzt. Toyota verpflichtete das ehemalige Peugeot-Vollgastier Stephane Sarrazin als Ersatz für den lädierten Hiroaki Ishiura. Der Franzose ist ebenso eine Bank wie Gene bei Audi.

Mit einem ebenfalls starken Aufgebot an Piloten kommt auch Rebellion an die Sarthe. Die Schweizer haben das Ziel, bestes Privatteam zu werden. Wenn möglich, möchte man etwaige Schwächen von Audi und Toyota nutzen und das Podest anvisieren. "Die letzten Verbesserungen am Auto zielen auf jeden Fall in die richtige Richtung", analysiert Teamchef Bart Hayden. "Unser Hauptgegner dürfte der OAK-Pescarolo-Judd sein."

"Meine ersten Runden in Le Mans haben noch mehr Spaß gemacht als erwartet", sagt Nick Heidfeld, der bisher 1999 seinen einzigen Auftritt an der Sarthe hatte. "Ich kann das Rennwochenende kaum noch erwarten." Der deutsche Formel-1-Star teilt sich einen Rebellion-Toyota mit Nicolas Prost und Neel Jani. Die beiden erfahrenen LMP-Piloten gelten als schnelle Männer auf der Langstrecke. Im zweiten Fahrzeug der Mannschaft wechseln sich Andrea Belicchi, Harold Primat und Jeroen Bleekemolen ab.

Der von Hayden genannte Hauptkonkurrent OAK hat vor dem Start in die Le-Mans-Woche große Sorgen. Das Auto wird nach dem heftigen Crash von Guillaume Moreau zwar rennbereit sein, aber der schnelle Franzose fällt mit einer schlimmen Rückenverletzung definitiv aus. Man sucht nun händeringend nach Ersatz. Da sich kein Rookie mehr für das Rennen qualifizieren kann, muss OAK auf einen erfahrenen Mann zurückgreifen. Es soll Kontakte zu Franck Montagny geben. Gesetzt sind Dominik Kraihamer und Bertrand Baguette.

Wie schnell wird Honda sein?

Entgegen der Einschätzung von Rebellion-Teamchef Hayden sehen viele Beobachter nicht den OAK-Pescarolo, der sich in den WEC-Läufen nicht allzu gut präsentierte, als größten Konkurrenten um den Platz als bestes Privatteam. Beim Vortest unterstrich Strakka mit dem HPD Ansprüche auf eine solche Rolle. Die Briten, die mit Watts/Kane/Leventis antreten, fahren das gleiche Auto wie die Landsleute von JRM (Chandhok/Brabham/Dumbreck). HPD war beim Jahresauftakt in Sebring bereits sehr stark.

Ein großes Fragezeichen steht hinter der Leistungsfähigkeit der beiden Autos aus dem Lager von Pescarolo. Der japanische Dome, der in Frankreich ein neues Judd-Triebwerk eingepflanzt bekam, ist zwar schnell, aber chronisch unzuverlässig. "Man merkt, dass es ein Testträger war. Es gibt überall Anschlüsse für Sensoren. Bei einigen wissen wir nicht einmal, wofür die sein sollen", schüttelt Sebastien Bourdais mit dem Kopf. Eben jene Elektrik legte den Dome schon mehrfach lahm.

Der neue Pescarolo 03, der auf Basis eines Aston Martin AMR-One entstanden ist, stand während des Vortests lange Zeit an der Box. Der Wagen wurde erst auf den letzten Drücker fertig. Es fehlt an Erfahrung mit der neuen Kreation. Über der Zuverlässigkeit wird auch am Rennwochenende weiterhin ein dickes Fragezeichen stehen. Bislang sorgten lästige Vibrationen vom Judd-V8-Motor immer wieder für Defekte. Sehr wahrscheinlich, dass der Pescarolo 03 nicht 24 Stunden durchhalten wird.

LMP2-Klasse mit 20 Fahrzeugen

In der LMP2-Klasse hat sich der Morgan-Nissan von OAK als Favorit in Position gebracht. Das Team profitierte vom kurzfristigen Wechsel auf das japanische Aggregat, das im Heck von nicht weniger als 13 LMP2-Autos arbeiten wird. Maxime Martin, Bas Leinders und der schnelle Paydriver David Heinemeier-Hansson gelten als gesetzt für die Pole-Position in der Klasse. Ob sie den Speed dauerhaft gehen können, muss sich im Rennen erst zeigen.

Der zweite Morgan des Teams (Nicolet/Lahaye/Pla) ist noch mit dem Judd-Motor ausgestattet und dürfte langsamer sein. Gut aussortiert wirken die Oreca-Nissan von Signatech, die beiden Zytek von Greaves (mit Martin Brundle) und auch der Oreca-Nissan von Pecom. "Wir hatten einen guten Vortest, alle Fahrer sind happy", meint Pierre Kaffer. Das Problem von Pecom: Kaffer und Teamkollege Soheil Ayari rufen das Potenzial ab, Teamfinanzier Luis Perez Companc nicht immer.

Insgesamt 20 Fahrzeuge werden in der LMP2-Klasse kämpfen, darunter auch ein Lotus aus Greding. Das Team Kodewa unter Leitung von Romulus Kolles tritt mit Thomas Holzer, Luca Moro und Mirco Schultis an. Das Potenzial des Fahrzeuges ist gut. Die Frage ist aber - wie auch bei Pecom -, ob alle Fahrer dieses umsetzen können. "Durchhalten über 24 Stunden, ohne dabei viel zu riskieren", schildert Holzer den Schlachtplan für das größte Rennen der Welt.

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