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Marijan Griebel vor WRC2-Debüt: "Ich will nicht nur mitfahren"

12. August 2017 - 10:41 Uhr

Nachwuchshoffnung Marijan Griebel spricht vor seinem WRC2-Debüt über seine Ziele bei der Rallye Deutschland und seine Anfänge im Zweiradsport

Marijan Griebel
Marijan Griebel misst sich in Deutschland mit der Elite der WRC2-Wertung
© FIA ERC

(Motorsport-Total.com) - Marijan Griebel ist eine der großen Nachwuchshoffnungen des deutschen Rallyesports. Nach dem Gewinn des Junior-Titels in der Rallye-Europameisterschaft (ERC) 2016 wird der 28-Jährige am nächsten Wochenende bei der Rallye Deutschland zum ersten Mal mit einem Skoda Fabia R5 in der WRC2-Wertung der Rallye Weltmeisterschaft (WRC) an den Start gehen. Im Interview mit 'Motorsport-Total.com' verrät er, welche Ziele er sich dort, aber auch für den weiteren Saisonverlauf gesetzt hat.

Griebel spricht auch über seinen Heimvorteil bei der Rallye Deutschland, deren Wertungsprüfungen teilweise nur wenige Kilometer von seinem Wohnort Hahnweiler stattfinden. Außerdem blickt der Skoda-Pilot auf seine Anfänge im Motorsport zurück und erklärt, wie sich seine Rallyeeinsätze mit seinem Beruf als Polizeibeamter kombinieren lassen.

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Frage: "Herr Griebel, am vergangenen Wochenende sind Sie beim ERC-Lauf in Polen, wo auch auf Asphalt gefahren wurde, als Dritter erneut auf das Podium gefahren. Kann man von einer gelungenen Generalprobe für die Rallye Deutschland sprechen?"
Marijan Griebel: "Das auf jeden Fall. Ich war das erste Mal bei dieser Rallye in Polen. Ich habe im Vorfeld zwar viele Onboard-Videos geschaut und wusste daher in etwa, was mich erwartet, aber der Erfahrungsschatz ist natürlich immer größer, wenn man die Rallye vorher schon bestritten hat."

"Daher war ich bei der harten Konkurrenz von 23 R5-Autos wirklich absolut zufrieden, dass wir da auf's Gesamtpodium gefahren sind. Fast noch wichtiger war aber der zweite Sieg in der U28-Wertung. Da werden nur vier Läufe gewertet, und ich habe jetzt schon zwei Siege und einen dritten Platz. Deswegen war das ganz wichtig und ein großer Schritt in Richtung Saisonziel Titel in der Junior-Wertung."

Warum sich Griebel für die ERC entschieden hat

Frage: "Weshalb haben Sie sich für Starts in der ERC entschieden und fahren nicht in der WRC2, wo Sie mit dem Skoda Fabia R5 ebenfalls teilnehmen und dabei die WM-Strecken kennenlernen könnten?"
Griebel: "Dafür gab es im Prinzip mehrere Gründe. Zum einen ist es ein finanzieller Aspekt. Die WRC-Läufe sind ein Drittel länger, womit die Kosten ein gutes Stück höher als in der ERC sind. Außerdem ist es mein erstes Jahr im R5, ich muss das Auto also noch kennenlernen. Da ist es ganz gut, wenn man die Strecken schon kennt. Die ERC habe ich schon zwei volle Jahre bestritten, sodass die meisten Rallyes nichts Neues für mich sind."

"Und man hat meiner Meinung nach deutlich mehr mediale Aufmerksamkeit in der ERC. Die R5-Autos sind dort die Top-Klasse, man bekommt viel Fernsehzeit. In der WRC ist man nur die zweite Klasse. Das Hauptinteresse gilt den WRCs, und man fährt so mit."

Frage: "Wie sind Sie überhaupt zum Rallyesport gekommen?"
Griebel: "Ich bin in einer Motorsport-Familie großgeworden. Mein Vater war viele Jahre lang Rallye-Beifahrer und hat auch in der Weltmeisterschaft als Mechaniker geschraubt. Als Armin Kremer 1996 Deutscher Meister wurde, war mein Vater beispielsweise einer seiner Mechaniker. Ich war damals sieben Jahre alt und habe das als kleiner Junge alles gesehen und miterlebt."

"Da Rallye fahren unter 18 aber schwierig ist, habe ich mit sechs oder sieben Jahren mein erstes Motorrad, ein kleines Crossbike bekommen. Zuerst bin ich damit gefahren, aber Motocross war meinen Eltern zu gefährlich. Von 2000 an bin ich dann Trial gefahren und habe das fast halb-professionell gemacht. 2006 war ich Achter bei der Junioren-Weltmeisterschaft und bin mehrmals im Nationen-Grand-Prix für Deutschland gefahren."

"Den Rallyesport habe ich aber nie aus dem Blick verloren, und mit Trial ist es sowie schwierig, sich seine Meriten zu verdienen. Irgendwann gab es dann regional hier im Saarland eine Sichtung von Suzuki, wo ich einfach mitgemacht und die auch gewonnen habe. Nachdem ich dann einmal im Rallyeauto gesessen hatte und das auf abgesperrten Strecken machen durfte, war ich 'infiziert'."

Top 6 der WRC2 in Deutschland das Ziel

Frage: "Und jetzt steht in der nächsten Woche Ihre Premiere in der WRC2 bevor, und das bei Ihrer Heimrallye. Welche Ziele haben Sie sich gesetzt? Geht es nur darum zu sehen, wo man in diesem Umfeld steht oder haben Sie sich auch sportlich konkret etwas vorgenommen?"
Griebel: "Im Prinzip schon. Die Quantität im WRC2-Feld ist gar nicht mal so groß. Da war ich leicht überrascht, dass es 'nur' 19 Leute sind. Aber von den 19 würde ich zwölf bis 15 als wirklich gute Fahrer einschätzen. Das ist aber nicht schlecht, so sieht man, wo man steht."

"Was das rein Sportliche betrifft: Ich bin die Rallye schon sechsmal gefahren, die Strecken kenne ich, und so wie es bis jetzt in diesem Jahr gelaufen ist, will ich nicht nur mitfahren. Ein Platz unter den Top 5 oder Top 6 in der WRC2 wäre schon das angestrebte Ziel, und mit der ein oder anderen schnellen Einzelzeit auf mich aufmerksam zu machen. Denn wichtiger als jeder Titel wäre mir, auch nächstes Jahr noch in irgendeinem Auto zu sitzen und weitermachen zu können. Im Idealfall würde ich gerne für einen Importeur oder Hersteller fahren. Und dafür ist dieser Start bei der Rallye Deutschland optimal, um den Bekanntheitsgrad zu steigern und um zu zeigen, was man kann."

Frage: "Sie haben bei der Rallye Deutschland einen echten Heimvorteil. Zwei Wertungsprüfungen finden nur wenige Kilometer von Ihrem Wohnort entfernt statt, auf Straßen, die Sie aus dem Alltag sicherlich gut kennen. Wie groß ist dieser Vorteil?"
Griebel: "Bei der Leistungsdichte ist es definitiv kein großer Vorteil. Das ein oder andere wird es schon vereinfachen, aber ich werde keine fünf oder zehn Sekunden pro Prüfung schneller fahren. Wenn es aber schwierige Bedingungen sind oder viel auf einen einströmt, ist es für das Gesamtgeschehen schon hilfreich, wenn man ein Bild von der Prüfung im Kopf hat und nicht nur auf den Beifahrer hören muss."

"Ich werde keine fünf oder zehn Sekunden pro Prüfung schneller fahren."
Marijan Griebel

"Ich bin fast jedes Teilstück einer jeden Wertungsprüfung hier in der Nähe schon einmal bei einer regionalen Rallye gefahren. Zwar nie alles in der kompletten Länge, aber mal drei Kilometer hiervon, mal fünf Kilometer davon. Das sind alles keine absolut neuen Rallyestrecken, sondern zusammengestückelt aus regionalen Veranstaltungen. Wenn man dort schon einmal im Rallyeauto mit Geschwindigkeit gefahren ist und weiß, wo viel Grip ist und wo wenig, ist das schon nicht schlecht."

Ein Polizist, der Rallyes fährt

Frage: "Sie werden bei der Rallye Deutschland zu Hause im eigenen Bett schlafen. Sehen Sie das als Vorteil oder könnte diese Abweichung von der normalen Routine eines Rennwochenendes sogar eine Ablenkung sein?"
Griebel: "Das ist in der Tat eine ziemlich neue Erfahrung. Seit drei Jahren habe ich das nicht mehr gemacht. Als die Rallye noch in Trier war, habe ich dort im Hotel geschlafen, weil es doch ein Stück weiter weg ist und die Nächte bei einer Rallye ohnehin relativ kurz sind."

"Ich glaube aber nicht, dass mich das negativ beeinflusst. Es ist auch mal schön, wenn man abends die vertraute Umgebung um sich herum hat und vielleicht noch eine halbe Stunde lang im Wohnzimmer abschalten kann. Ich freue mich, dass die Rallye noch ein Stück weit näher in Richtung Heimat gekommen ist."

Frage: "Es heißt oft, dass die Rallye Deutschland eigentlich drei Rallyes in einer ist. Am ersten Tag gibt es die Strecken in den Weinbergen, am zweiten Tag den Truppenübungsplatz Baumholder und am dritten Tag Landstraßen und Feldwege. Welcher Teil der Rallye gefällt Ihnen am besten?"
Griebel: "Das ist eine gute Frage. Mir gefallen alle drei nicht schlecht. Wenn ich aber wählen müsste, würde ich wohl die Weinberge nehmen. Das ist etwas ganz Besonderes, was man so sonst nirgendwo findet. Es ist fahrerisch eine große Herausforderung und macht viel Spaß."

Frage: "Sie sind nicht hauptberuflich Rallyefahrer, sondern auch Polizeibeamter. Wie lässt sich der Dienst mit dem Rallyesport kombinieren?"
Griebel: "Das lässt sich super gut kombinieren. Seit ich Anfang 2014 ins Opel-Werksteam gekommen bin, habe ich dankenswerter Weise eine Teilzeitstelle bekommen. Ich habe in der Regel eine 20-Stunden-Woche, kann mir das aber auch sehr flexibel einteilen."

"Beispielsweise konnte ich im Juli auf fast voll gehen, und im August, wo ich drei Rallyes fahre, entsprechend weniger machen. Da der Sport auch nicht so ultra trainingsintensiv ist und man leider nicht vier- oder fünfmal pro Woche im Auto trainieren kann, habe ich überhaupt keine Probleme, beides miteinander zu vereinbaren. Dafür bin ich meinem Arbeitgeber sehr dankbar."

Frage: "Sportförderung, die Behörden wie die Polizei ja auch anbieten, bekommen Sie aber nicht?"
Griebel: "Genau. Um bei der Polizei in eine Sportfördergruppe zu kommen, muss man eine Sportart betreiben, die unter der Hoheit des Deutschen Olympischen Sportbundes steht. Da war ich dann leider schnell raus."

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