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Heimliche Helden: So hart ist der Job des Rallye-Beifahrers

17. April 2017 - 17:52 Uhr

Die Beifahrer stehen im Rallye-Sport oft im Hintergrund, aber sie haben maßgeblich Anteil an Erfolg und Misserfolg - Es ist ein Knochenjob mit vielen Anforderungen

Paul Nagle
Paul Nagle (li.) war 2007 erstmals der Co-Pilot von Kris Meeke (re.)
© Citroen

(Motorsport-Total.com) - In der Rallye-Weltmeisterschaft stehen die Fahrer im Vordergrund. Für viele Motorsportfans gelten die Lenkradartisten als Creme de la Creme und zu den allerbesten Fahrern der Welt. Sebastien Ogier, Thierry Neuville, Kris Meeke und Co. müssen ihr Können auf Schotter, Asphalt, Schnee und Eis beweisen. Jede Straße und jede Kurve ist anders. Die Co-Piloten stehen im Hintergrund, obwohl sie genauso einen großen Anteil über Erfolg und Misserfolg haben. In der Media-Zone scharren sich die Reporter um die Fahrer, während von den Beifahrern kaum Notiz genommen wird.

Dennoch ist der Job eines Co-Piloten nicht einfach. Um das zu zeigen, gibt es ein einfaches Beispiel: Man nimmt ein Buch und beginnt laut vorzulesen. Allerdings muss man die Sätze in unterschiedlicher Geschwindigkeit vorlesen und bestimmte Worte betonen. Jetzt macht man das, während man mit einem Helm auf den Kopf um das Haus herumläuft. Und das müsste man im Idealfall bei brütender Hitze machen. Ungefähr so sieht die Belastung für Körper und Konzentration eines Beifahrers aus.

Die Tour de Corse ist in jedem Jahr der Härtetest für die Co-Piloten. Nicht umsonst heißt sie die Rallye der "zehntausend Kurven". "Am letzten Tag in Korsika war die Prüfung Antisanti nach Poggio di Nazza 55 Kilometer lang", sagt Paul Nagle, der Beifahrer von Kris Meeke. "Das bedeutet, dass du mehr als eine halbe Stunde sprichst. Du hörst nicht auf zu reden, sondern liest konstant den Aufschrieb vor." Alleine für diese Prüfungen mit etwa 900 Kurven umfasste der Aufschrieb mehr als 100 Seiten.

Trinken während der Fahrt kaum möglich

Kehren wir zum Beispiel mit dem Buch zurück. Hält das auch ein Otto Normalverbraucher so lange durch? "Manchmal habe ich bei dieser Rallye schon versucht, während einer Prüfung zu trinken. Aber es war nicht möglich", hält Nagle einen weiteren Aspekt fest. "Wir haben Trinkschläuche, die zum Helm führen. Bei den meisten Rallyes gibt es lange Gerade. Du sagst die Distanz bis zur nächsten Kurve durch und nimmst dann einen Schluck. Aber in Korsika waren die Geraden zu kurz, um das zu tun."

Das Zusammenspiel zwischen Fahrer und Beifahrer muss perfekt passen, das gegenseitige Verständnis ist immens wichtig. Man vertraut sich im Auto blind. Wenn vor der Rallye bei der Recce die Strecke besichtigt wird, gibt der Fahrer Kommentare ab, die der Co-Pilot richtig interpretieren, niederschreiben und dann im richtigen Moment vorlesen muss. Der Aufschrieb variiert von Team zu Team und wird über die Jahre verfeinert und optimiert.

Meistens wird in der Muttersprache kommuniziert. So unterhalten sich die beiden Franzosen Ogier und Julien Ingrassia auf Französisch. Im Toyota von Jari-Matti Latvala gibt Miikka Anttila die Ansagen in finnischer Sprache durch. Problematisch wird die Angelegenheit, wenn die Sprechfunkverbindung im Auto gestört ist oder ganz ausfällt. Das geschah im Citroen von Craig Breen und Scott Martin im Laufe der sechsten WP der Rallye Korsika.

Wenn der Funk ausfällt: Handzeichen müssen es auch tun

Im Ziel war Breen fertig und sagte im ersten Moment: "Das will ich nie wieder erleben." Co-Pilot Martin reagierte rasch und improvisierte. Mit Handzeichen versuchte er die wichtigsten Informationen zu vermitteln. "Ich benutzte meine Finger, um den jeweiligen Gang für die nächste Kurve zu zeigen. Dann versuchte ich mit der Hand zu zeigen, welche Form die Kurve hat, und ob sie links oder rechts geht. Ich tat so, als würde ich die Handbremse ziehen, damit er weiß, dass er sie benutzen soll. Es war ein Albtraum, aber wir kamen durch."

Breen fuhr diese WP dennoch fast blind und aus dem Gedächtnis eines Videoclips nach. "Er war brillant", lobt Breen seinen Beifahrer. "Aber ich will das nie wieder machen. Es ist schon schwierig genug, auf diesen Straßen zu fahren. Aber wenn man nicht hört, wo man hinfährt, dann ist es ein Albtraum." Diesmal ging es beim Citroen-Duo gut aus. Aber auch mit funktionierendem Sprechfunk sorgten Fehler im Aufschrieb oder Fehler des Beifahrers schon häufig für Unfälle.

Der Co-Pilot übernimmt abgesehen davon auch weitere wichtige Aufgaben. Er muss den Überblick über die Abläufe des Tages im Blick haben und auf die Minute pünktlich die diversen Checkpunkte erreichen, sonst kann es zu Zeitstrafen kommen. Die Zeitkarte ist das wichtigste Utensil eines Beifahrers. Diese muss er gut aufbewahren, denn bei einem Verlust kann es eine Strafe von mehreren Minuten geben.

Die Gefahr fährt immer mit

Zu den weiteren Fähigkeiten zählen mechanisches Geschick. Nicht nur die Reifen müssen gewechselt werden, sondern auch Reparaturen müssen ausgeführt werden. Ist das passende Ersatzteil nicht vorhanden, muss oft improvisiert werden.

Eine berühmte Geschichte spielte sich bei der Rallye Mexiko 2014 ab. Der Motor des Hyundai von Thierry Neuville überhitzte nach der letzten Prüfung. Er musste es aber zurück in den Service-Park schaffen, um als Dritter gewertet zu werden. Co-Pilot Nicolas Gilsoul kam auf die Idee, Corona als Kühlflüssigkeit zu verwenden. Die Flaschen hatten sie eben erst zuvor bei er ersten Siegerehrung erhalten. Die Improvisation klappte auch und rettete den Podestplatz.

Der Job des Rallye-Beifahrers hat auch seine Schattenseiten. Dass Motorsport gefährlich und grausam sein kann, steht außer Frage. 2012 hatte Breen bei der Targa Florio einen schweren Unfall. Sein Co-Pilot und guter Freund Gareth Roberts kam bei diesem Crash ums leben. 2005 schlug das Schicksal bei der Rallye Großbritannien zu. Markko Märtin flog mit seinem Peugeot von der Straße und schlug mit der Beifahrerseite gegen einen Baum. Michael "Beef" Park verstarb an den Unfallfolgen.

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