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Lavigne: Absage aus "Gründen der Staatsraison"

04. Januar 2008 - 21:17 Uhr

Dakar-Chef Etienne Lavigne nahm bei einer Pressekonferenz Stellung zu den Gründen der Absage und sprach über die Zukunft des Klassikers

Rallye Dakar
Die Sicherheit war offenbar während der gesamten Dakar gefährdet
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Die französische Regierung hat ihr Interesse, ihren Staat und ihre Bürger unter allen Umständen zu schützen, durchgesetzt. Die Organisatoren der Rallye Dakar kamen ihrer Forderung nach und sagten die 30. Auflage des Wüstenklassikers ab. Zu groß scheint die Bedrohung durch Terrorgruppen gewesen zu sein. Nachdem er die wohl schwerste Entscheidung seines Lebens getroffen hat, stellte sich Dakar-Chef Etienne Lavigne bei einer Pressekonferenz den Fragen der Journalisten.

Frage: "Etienne Lavigne, was waren die 'direkten Bedrohungen', die Sie in Ihrem Statement erwähnt haben?"
Etienne Lavigne: "Zunächst gab es das offizielle Communique der französischen Regierung am Donnerstagmittag. Dann haben wir mit vielen Leuten gesprochen, um Informationen zu sammeln. Nach dem traurigen Anschlag auf vier französische Touristen vor einer Woche und - das darf man nicht vergessen - dem Attentat auf drei mauretanische Soldaten lastete ein Klima der Unsicherheit auf der 'Dakar'."

"Die französische Regierung hat uns aus Gründen der Staatsraison empfohlen, die 'Dakar' nicht zu starten. Dazu gab es Terrordrohungen der Al Kaida im Maghreb, die direkt an die 'Dakar' gerichtet waren. Ich kenne den genauen Inhalt nicht, aber die Regierung hat sie in ihrem Besitz."

Sicherheit war nirgends gewährleistet

"Es war keine bestimmte Etappe, die die Terroristen im Visier hatten."
Etienne Lavigne

Frage: "Haben Sie nicht daran gedacht, die 'Dakar' ohne Etappen in Mauretanien fahren zu lassen?"
Lavigne: "Es waren acht Etappen in Mauretanien vorgesehen. Es wäre nicht möglich gewesen, das Land sicher zu umfahren. Die Bedrohung ist nicht regional begrenzt, sie ist überall. Es war keine bestimmte Etappe, die die Terroristen im Visier hatten. Es war die traurigste Entscheidung, die man treffen konnte, aber sie musste so getroffen werden. Ich habe Ihnen die Begründung gesagt, die uns die französische Regierung genannt hat - die Staatsraison. Leider weiß ich darüber auch nicht mehr. Nach den beiden Anschlägen ist das Klima ohne Zweifel so angespannt, dass die französische Regierung zu dem Schluss kam, dass es unmöglich ist, nach Mauretanien oder Umgebung zu fahren."

Frage: "Warum haben Sie nicht eine Art 'Mini-Dakar' veranstaltet?"
Lavigne: "Weil wir Großveranstaltungen organisieren und kein Fiasko."

"Der Terrorismus ist überall. Man weiß nie, wo er als nächstes zuschlägt."
Etienne Lavigne

Frage: "Ist das das Ende der Rallyes in Afrika?"
Lavigne: "Wir befinden uns in einer schwierigen Situation. Attentate finden auf der ganzen Welt statt. Madrid, London und New York waren betroffen, kürzlich Pakistan... Der Terrorismus ist überall. Man weiß nie, wo er als nächstes zuschlägt. Das macht es so schwierig, eine Veranstaltung mit maximaler Sicherheit zu organisieren."

Massiver finanzieller Schaden

Frage: "Welche Kosten kommen auf die ASO zu?"
Lavigne "Es wird finanzielle Schäden geben, nicht für die ASO, sondern auch für Lagos (den portugiesischen Organisator; Anm. d. Red.), für alle Leute, die rund um die 'Dakar' arbeiten. Für die Länder und ihre Wirtschaftssysteme. Das gesamte Umfeld der Veranstaltung ist sehr wichtig. Da sind ja nicht nur wir Veranstalter, sondern auch viele andere. Da gibt es die Automechaniker, die Motorrad-Mechaniker, die Profi-Teams, die Privat-Teams. Der wirtschaftliche Einfluss der 'Dakar' ist kolossal. Alle werden nun sehr hart getroffen werden."

"Es wird 2009 eine Großveranstaltung geben."
Etienne Lavigne

Frage: "Wird es eine Dakar 2009 geben?"
Lavigne: "Es wird 2009 eine Großveranstaltung geben. Wir arbeiten seit vielen Monaten an anderen Veranstaltungen neben der 'Dakar'. Wir haben viele Ideen. Morgen werden wir die Arbeit wieder aufnehmen. Es könnte eine weitere 'Dakar' geben. Im Moment ist es zwar etwas schwer, sich vorzustellen, wie die 'Dakar' im nächsten Jahr aussehen wird, aber wir werden sehr schnell daran arbeiten."

Solidarität, Bedauern, Bitterkeit und Unverständnis

Frage: "Wie haben die Anrainerstaaten auf die Absage reagiert?"
Lavigne: "Wir haben viele Solidaritätsbekundungen bekommen. Generell herrscht enormes Bedauern über die Absage der Rallye. Man kann sich vorstellen, was es für die Länder bedeutet, Teil einer Großveranstaltung wie der 'Dakar' zu sein. Es gibt aber auch viel Unverständnis. Das muss man wissen. Vor allem bei unseren Freunden in Mauretanien. Wir haben die vergangene Woche Tag und Nacht mit ihnen zusammengearbeitet, um die Passage durch Mauretanien zu organisieren. Sie haben mit Enttäuschung, Bitterkeit und Unverständnis reagiert."

Frage: "Sie standen mit der französischen Regierung in Kontakt und waren doch überrascht, als Ihnen die Absage empfohlen wurde. Was ist da passiert?"
Lavigne: "Ja, wir waren überrascht. Die französische Regierung hat sich auf die Staatsraison berufen. Sie kennt mehr Einzelheiten als ich und hat uns wohl deshalb geraten, nicht nach Afrika zu fahren und die 'Dakar' nicht zu starten."

Frage: "Haben sich die Drohungen nur auf Mauretanien bezogen oder auch auf andere Länder?"
Lavigne: "Sie haben sich gegen die gesamte Veranstaltung gerichtet. Um es klar zu sagen: Sie waren nicht auf Mauretanien beschränkt."

Frage: "Ist das der Sieg des internationalen Terrorismus?"
Lavigne: "Leider ja."

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