VLN: Video vom Massenunfall in der Fuchsröhre aufgetaucht

24. September 2017 - 20:02 Uhr

Fans haben den Massencrash beim siebten VLN-Lauf 2017 auf Kamera festgehalten - Die Aufnahmen werfen gleich mehrere Fragen an verschiedene Parteien auf

VLN, Massencrash
Totales Chaos: Einer Ölspur fielen mehrere Fahrzeuge zum Opfer
© Youtube/TOP Nürburgring Videos

(Motorsport-Total.com) - Den Grund für den Grund für den Abbruch des 57. Reinoldus-Langstreckenrennens hat ein Youtube-Video in vollen Details offenbart. Aufnahmen des Youtube-Kanals "TOP Nürburgring Videos" zeigen den Massenunfall, bei dem niemand ernsthaft verletzt wurde. Anders als ursprünglich von der VLN kommuniziert, waren vier Autos direkt am Unfall beteiligt und nicht sechs. Erst das anschließend anrückende Streckenpersonal blockierte die Strecke so, dass kaum mehr ein Fahrzeug hindurch passte.

Zunächst ist zu sehen, wie der Opel Manta nach einem technischen Defekt abgeschleppt wird. Dabei verliert das altehrwürdige Fahrzeug Öl, auf dem anschließend zunächst der VW Polo #632 von Marco Ferraro ausrutscht. Dessen Projekt war gerade erst ins Leben gerufen worden, es war der erste VLN-Einsatz dieses Fahrzeugs im Rahmen des neuen Unterfangens. Ursprünglich sollte der Polo am 24-Stunden-Rennen 2018 teilnehmen und ein wenig den "alten Geist" des Rennens wiederbeleben. Inwiefern sich der Unfall auf die Zukunft des Projekts auswirkt, bleibt abzuwarten.

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Als nächstes verunfallt der VW Corrado #624 (Freiburg/Kraft), der unter Gelb vom Teichmann-Cayman #970 (Hoppe/Jung/Vleugels) über den Haufen gefahren wird. Zuletzt kommt auch noch der Rent2Drive-Porsche 911 GT3 Cup #202 (Ackermann/Wiskirchen/Kleeschulte) quer mit Einschlag ins Bild geflogen. Nun wird Code 60 ausgerufen und schlussendlich das Rennen abgebrochen. Der Grund neben der zugeparkten Strecke: Alle verfügbaren Einsatzfahrzeuge waren eingebunden und es bestand keine Reserve mehr.

Probleme auf mehreren Ebenen offenbart

Das Video wirft gleich drei unangenehme Fragen auf, die sich verschiedene Parteien stellen müssen. Erstens wird der Veranstalter seine Entscheidung rechtfertigen müssen, den Opel Manta trotz offensichtlichen Öllecks an einem Haken abschleppen zu lassen und keinen Abschleppwagen zu rufen. Hier steht zu befürchten, dass am falschen Ende gespart wurde.

Das zweite Thema ist die ewig diskutierte Fahrdisziplin. Wie es passieren kann, dass ein Fahrzeug unter gelber Flagge von einem dahinter befindlichen Fahrzeug fast im Renntempo erfasst und beinahe zerquetscht wird, gilt es auszuwerten. Unglückliche Zusammenkunft oder vermeidbarer Unfall? Ein nicht am Unfall beteiligter Porsche-Cayman-Cup-Pilot sagt zu 'Motorsport-Total.com': "Womöglich waren so kurz nach dem Unfall in der Senke noch keine Flaggensignale draußen. Der Corrado fährt dort ohnehin schon 50 km/h langsamer und dann bremst er für eine einzelne gelbe Flagge auch noch ziemlich stark ab."

Zuletzt gilt es die Effektivität des Kommunikationssystems zu prüfen: David Ackermann, Unfallfahrer des Porsches #202, erläutert, wie er keine Chance hatte, den Unfall zu verhindern: "Da kommt man mit einer Geschwindigkeit weit jenseits der 200 km/h an. Als ich gelbe Flagge in der Senke gesehen habe, habe ich sofort verzögert, dabei ist mir aber das Heck auf der Ölspur ausgebrochen. Da war nichts zu machen." Wäre Gelb früher geschwenkt worden, hätte zumindest dieser Unfall verhindert werden können.

45 Sekunden bis zur Code 60

Auch das Ausrufen der Code-60-Zone nahm Zeit in Anspruch. Mehr als eine Dreiviertelminute dauert es nach dem ersten Abflug, bis die komplizierte Kette (Code 60 muss in Absprache mit mehreren Streckenposten davor initiiert werden) komplett in Gang gesetzt ist und pinkfarbene Schild erscheint. Es muss die Frage gestellt werden, ob nicht ein effizienteres Kommunikationssystem zwischen den Streckenposten aufgebaut werden sollte. Ackermann wird es nicht mehr helfen: Bei 15.000 Euro Selbstbeteiligung stellt sich für ihn die Frage, ob er bei den letzten beiden Rennen überhaupt noch antreten wird.

Das Rennen wurde nach dem Abbruch gewertet und ging mit einem unangefochtenen Sieg des Manthey-Porsches #911 (Christensen/Estre) zu Ende.

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