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Nürburgring: Brünnchen-Auslaufzone zugepflastert

04. März 2017 - 15:21 Uhr

Umbau auf der Nürburgring-Nordschleife: Kiesbett im Brünnchen fällt Rattersteinen zum Opfer - Fahrer-AG entsetzt - Maßnahme erhöht Sicherheit nicht

Auf der Nürburgring-Nordschleife gibt es wieder Umbaumaßnahmen
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Verglichen mit dem vergangenen Winter ging es am Nürburgring in der kalten Jahreszeit diesmal eher ruhig zu, bis jetzt: Im Zuge neuer Sicherheitsmaßnahmen verschwindet das Kiesbett im Streckenabschnitt Brünnchen II auf der Nordschleife. Statt des Kiesbetts begrenzen mittlerweile Rasengittersteine den Kurvenausgang. Fahrer schlagen die Hände über dem Kopf zusammen: Die neue Maßnahme wird nämlich Diskussionen über Track Limits heraufbeschwören und die Sicherheit kaum verbessern.

'Motorsport-Total.com' sprach mit mehreren Piloten, Verantwortlichen und einer Sprecherin des Nürburgrings über den Mord an der heiligen Kuh. Auf Seiten der Fahrer/Verantwortlichen herrscht blankes Entsetzen. "Ich hätte niemals gedacht, dass wir auf der Nürburgring-Nordschleife einmal über Track Limits nachdenken müssen!", kann es Olaf Manthey nicht fassen. "Und jetzt baut man das tatsächlich so, dass man genau darüber diskutieren muss. Das ist doch nicht zu fassen!"

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Doch es geht noch weiter, denn scheinbar haben Nürburgring und DMSB erneut einen Alleingang in Sachen Nordschleife hingelegt. "Das ist mit uns so nie abgesprochen worden", versichert Manthey. Der Sprecher der ILN, dem Fahrer-/Teamzusammenschluss Interessengemeinschaft Langstrecke Nürburgring, fühlt sich an der Nase herumgeführt: Im Oktober 2016 waren im Zuge einer Streckenbegehung mit Verantwortlichen Maßnahmen besprochen worden. Und dort sei lediglich eine einzige geplant worden: Eine Erneuerung der Fahrbahndecke im Streckenabschnitt Aremberg.

Fahrer-AG völlig überrascht

Auch in der Bergab-Rechts ist seitdem mehr geschehen. Hier ist ebenfalls das Kiesbett abgetragen worden. Auf Anfrage beim Nürburgring heißt es, dass der Kies hier lediglich erneuert werde und alles beim Alten bliebe. Am Brünnchen hieß es während der Begehung lediglich, dass eine Maßnahme geplant werde, damit bei Touristenfahrten weniger Dreck auf die Strecke geschleudert werde. Dass dabei allerdings das ganze Kiesbett zugepflastert wird, sei aus diesen Gesprächen nicht hervorgegangen", meint Manthey.

Der zurückgetretene Erfolgsteamchef findet deutliche Worte: "Ich verstehe nicht, wieso ich mit denen über die Nordschleife laufen soll, wenn dann doch wieder was gemacht wird, was mit uns so nicht abgesprochen worden ist. Da brauchen sie mit uns gar nicht mehr über die Schleife zu gehen." Er gibt zu, einen Fehler gemacht zu haben, dass er die Begehung nicht protokollieren ließ. Auch Dirk Adorf und Markus Östreich aus der Fahrer-AG wussten über die Abänderung der Auslaufzone nicht Bescheid.

Seitens des Nürburgrings heißt es: "Unser Anliegen ist es, die Nordschleife den neusten Sicherheitsstandards anzupassen und dabei die Streckencharakteristik nicht zu verändern." Doch genau dies ist höchstwahrscheinlich jetzt geschehen. "Es kann sich doch jeder an fünf Fingern abzählen, was da passiert", so Manthey. Nico Bastian kündigt auf Facebook bereits an, was gemeint ist: "Ist jetzt wohl vierter Gang voll!" Eine Überwachung der Einhaltung der Track Limits von 180 Fahrzeugen wird jedenfalls auf die Schnelle kaum möglich sein.

Mehr Gefahren als Sicherheit

"Grundsätzlichen dienen die Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit auf der Nordschleife", heißt es seitens des Nürburgrings weiter. Doch mit Sicherheit haben die Rasengittersteine nur wenig am Hut - im Gegenteil, sie bergen mehr Gefahren als sie Sicherheit bieten: Gerade erst wurden die GT3-Fahrzeuge in einem umfangreichen Maßnahmenpaket so weit beschnitten, dass die Rundenzeiten wieder langsamer werden sollen. Gleichzeitig ist die Strecke nun aber an dieser Stelle schneller geworden. An Faszination wird die Kurve jedenfalls kaum verlieren, denn jetzt kann man sich theoretisch bis an die Leitplanke raustragen lassen.

Auch was Nico Bastian noch scherzhaft auf Facebook ankündigt, nämlich außen herum zu überholen, könnte Realität werden: Wer außen herum im Brünnchen gegenhält, ist in der Eiskurve innen. Noch schlimmer: Durch ungleichmäßige Beanspruchung und die natürlich Bodenbeschaffenheit werden sich die umgangssprachlich oft als Rattersteine bezeichneten Klötze noch setzen. Dadurch würden sich scharfe Kanten bilden, die zu Beschädigungen an den Reifen führen.

Neue Zäune in Highspeed-Passagen

Und Motorradfahrer im Touristenverkehr werden angesichts der neuen Raspel in der Auslaufzone auch nicht gerade begeistert sein. Schlussendlich hilft die Maßnahme nur, dass bei Touristenfahrten die Strecke seltener gereinigt werden muss.

Weitere Fahrer sind über die Maßnahme ebenfalls äußerst ungehalten. Ein anerkannt schneller Nordschleifen-Pilot wollte sich zu der Situation nicht äußern, da "so viel Dummheit und Geldverschwendung" keines Kommentars mehr bedürfe.

Über den Winter wurden außerdem neue Fangzäune in den Streckenabschnitten Kesselchen und Fuchsröhre aufgestellt. Diese waren bereits am Runden Tisch von 2015 nach dem Unfall von Jann Mardenborough beschlossen worden. Die Brünnchen-Auslaufzone war dort hingegen nie Thema. Das Internet hat die neue Auslaufzone bereits humorvoll auf die Schippe genommen, etwa mit einem eingezeichneten Parkplatz mit Parkuhr.

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