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Vor Saison vier: Warum die Formel E oft noch belächelt wird

08. Oktober 2017 - 09:05 Uhr

Von "Carrerabahn-Spielzeug" über "Elektrokasper" bis "Zirkusnummer": Wie Fahrer und Teamverantwortliche mit Kritik an der Formel E umgehen

Andre Lotterer
Andre Lotterer (Techeetah) gehört zu den neuen Stars der Formel E 2017/18
© LAT

(Motorsport-Total.com) - Am ersten Dezemberwochenende startet die Formel E in ihre vierte Saison. In den zurückliegenden Jahren hat sich die Elektrorennserie gut etabliert, allerdings ist das Standing in Reihen leidenschaftlicher Motorsportfans nicht überall gut. Die Formel E wird von zahlreichen "Petrolheads" der alten Schule nicht ernst genommen. "Einige Motorsportfans wird man nicht überzeugen können. Zum Teil auch deshalb, weil die das selbst gar nicht wollen", sagt der neue Audi-Formel-E-Teamchef Allan McNish.

"Muss ja auch nicht sein. Anspruch der Formel E ist es nicht, irgendwelchen anderen Serien die Fans abzuwerben", erklärt der Schotte, der während seiner aktiven Karriere als Rennfahrer stets einen Verbrennungsmotor hinter seinem Rücken hatte. "Was wir in der Formel E sehen, ist ein ganz anderes Publikum. Das ist einer der Gründe dafür, warum ich die Formel E überhaupt nicht in Konkurrenz zu anderen Serie sehe", meint Audi-Motorsportchef Dieter Gass.

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"Man spricht bewusst andere Leute an, fährt bewusst auf ganz anderen Strecken. Es werden auch andere Ziele verfolgt", sagt Gass. "Die Formel E trägt zur Emotionalisierung und somit auch zur Akzeptanz der Elektromobilität bei. Es mag sein, dass sich manch ein Hardcore-Motorsportfan ein Rennen ohne klassisches Motorengeräusch nicht richtig vorstellen kann. Das ist okay. Wir machen ja auch DTM", wischt Audi-Entwicklungsvorstand Peter Mertens die Kritik vom Tisch.

Mit Krach und Abgasen keine Rennen in Rom und Paris

Beide Ansätze im Motorsport hätten heutzutage ihre Berechtigung - so der Tenor aller Beteiligten. "Ja, es stimmt: Die Formel-E-Autos müssen noch ein bisschen schneller werden. Aber ich persönlich glaube, dass der Sound gar nicht unbedingt eine solch große Rolle spielt. Jedenfalls nicht für alle", sagt McNish. "Und über eines muss man sich im Klaren sein: Niemals würden wir mitten in Rom oder Paris fahren können, wenn wir mit Verbrennern und viel Krach unterwegs wären. Das ist eine Tatsache."

"Ich bin der Ansicht, dass man die Formel E so sehen muss, wie sie ist: einfach anders in ganz vielen Bereichen. Man kann es nicht mit Formel 1 oder WEC vergleichen. Alles läuft anders. Wenn man die Formel E betrachtet muss man sich von den gewohnten Dingen im Motorsport lösen und einfach einen unbelasteten Blick darauf werfen. Nehmt es als das, was es ist. Es ist neu und halt ganz anders", appelliert der dreimalige Le-Mans-Sieger.

"Als Motorsportfan muss man auch realistisch bleiben", meint Hans-Jürgen Abt, der frühzeitig auf die Karte Formel E setzte. "Wir müssen nämlich aufpassen, dass nicht irgendwie unser gesamter Sport in die Binsen geht. Wir hatten das schon mal im Tennis. Erst ein Boom, dann eine Phase, wo niemand mehr Tennis spielen wollte." Die Formel E könne dabei helfen, den Motorsport am Leben zu erhalten, denn die Rennserie ließe sich in der Gesellschaft - und auch in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten - besser argumentieren als der klassische Motorsport mit Krach und Abgasen.

Daniel Abt klagt über ständiges Online-Bashing

"Wir dürfen es nicht machen wie in der Politik, wo alles schlechtgeredet wird. Dann ist es logisch, dass viele sagen: 'Auf den Schei... habe ich keinen Bock mehr'. Wir als Fans und Verantwortliche müssen die Leidenschaft und die Freude hochhalten. Es ist etwas Gutes, es macht Spaß. Das trifft mich, das berührt mich", meint der bisherige Teambesitzer, der den Formel-E-Startplatz nun an Audi verkauft hat. In der Serie gebe es noch "gute Unterhaltung für relativ kleines Geld".

"Wir müssen die jungen Leute abholen und für Motorsport begeistern. Das ist die Zukunft. Das sind die Menschen, die in Zukunft hoffentlich Autos kaufen werden", meint Formel-E-Pilot Daniel Abt. Der neue Audi-Werksfahrer geht mit seinen Aktivitäten in den Sozialen Medien diesbezüglich voran. Twitter, Instagram und Facebook als Vehikel für Aufbauarbeit in der Formel E - mit vielen Vorzügen, aber auch gewaltigen Nachteilen.

"Wenn jemand Motorsportfan ist, weil er den Sound eines V8 liebt, dann akzeptiere ich das. Ist verständlich und nachvollziehbar. Was ich aber nicht verstehe, ist, warum einige dieser Fans sich weniger mit den von ihnen geliebten Serien beschäftigen als auf dem herumzuhauen, was sie nicht mögen. Das finde ich schrecklich", macht Daniel Abt seinem Unmut über ständiges "Bashing" der Formel E einmal Luft.

"Das findet doch auch in den Kommentaren auf dieser Seite statt. Erschreckend, in welcher Negativwelt wir online leben - egal, was man tut. Es kann noch so gut sein, es wird immer nur negativ, negativ, negativ kommentiert. Das ist einfach - aber auch total furchtbar", sagt Abt. "Mir hat noch nie einer Auge in Auge gegenübergestanden und gesagt, dass ich in einer Scheißserie fahre - noch nie. Aber online ist das ja immer so einfach. Dieses Haten geht mir auf den Keks."

Fahrerleistung in der Formel E: Alles intensiv und kompakt

Die negativen Kommentare könnten dann verebben, wenn die Formel E weiter wächst und sich nach und nach immer mehr als Topserie im Motorsport etabliert. "Die Formel E braucht mehr Medienpräsenz, ein Stück weit mehr Popularität. Das sind die wesentliche Dinge, um die Plattform noch besser zu nutzen", erklärt Audi-Vorstand Mertens. "Wir gehen erst ins vierte Jahr. Es ist beeindruckend, was in den ersten drei Jahren geleistet wurde. Aber da muss noch mehr kommen. Das ist allen Beteiligten klar. Und: Ich wünsche mir spannenden und spektakulären Motorsport - elektrisch."

Über geringe Spannung in den Rennen und zu wenig Spektakel auf den Stadtkursen kann sich bislang kaum jemand beklagen. Ein Ansatz für mehr Akzeptanz in der Zukunft: Die Leistungen der Fahrer müssen greifbarer werden. "Für die Fahrer bringt die Formel E ganz besondere Herausforderungen. Ein Beispiel: Rene Rast ist das Formel-E-Rennen in Berlin gefahren. Er hat mir danach gesagt, dass es eine der schwierigsten Veranstaltungen überhaupt für ihn gewesen sei", sagt Allan McNish.

"Man nimmt ein Auto und geht auf Performance, dann springt man ins andere und macht Longruns, dann wieder zurück und eine Qualifyingsimulation. Alles passiert in unglaublicher Taktung - keine Zeit für irgendetwas", so der Audi-Teamchef. "In anderen Serien hast du am Abend eines Trainingstages ganz viele Analysen und Meetings. Du nimmst die Eindrücke mit ins Bett, machst dir weitere Gedanken um Strategien. Das gibt es in der Formel E alles nicht. Alles ist komprimiert und unglaublich intensiv. Wenn du bei anderen Serien noch über der Rennstrategie brüstest, fliegst du als Formel-E-Fahrer schon wieder nach Hause."

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