"Schlimmster Tag unseres Programms": Porsche verliert WEC-Vizetitel an Toyota

Statt um den Titel mitzufahren, erlebt Porsche beim WEC-Abschied ein bitteres Bahrain-Wochenende: Zum einzigen Mal bleibt das Team ohne Punkte

(Motorsport-Total.com) - Porsche hat das Finale der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) in Bahrain als die "größte Enttäuschung" seiner dreijährigen LMDh-Ära bezeichnet. Der deutsche Hersteller verabschiedete sich mit einem schwierigen Rennen aus der Hypercar-Klasse: Beide Werks-Porsche von Penske Motorsport beendeten das Saisonfinale eine Runde Rückstand auf den Spitzenreiter auf den Plätzen 13 und 14.

Titel-Bild zur News: Porsche blieb ein krönender Abschluss des LMDh-Programms in der WEC verwährt

Porsche blieb ein krönender Abschluss des LMDh-Programms in der WEC verwährt Zoom

Zum ersten Mal seit dem Debüt des Porsche 963 im Jahr 2023 blieb der Sportwagen ohne Punkte in einem WEC-Lauf. Verschiedene Faktoren führten dazu, dass die Mannschaft deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb. Dabei war Porsche mit realistischen Titelchancen in das abschließende Rennen gegangen - sowohl in der Hersteller- als auch in der Fahrerwertung.

Der Optimismus wich jedoch schnell Ernüchterung: Statt um den Titel mit Ferrari zu kämpfen, verlor man Platz zwei in der Herstellerwertung an Toyota. Die Fahrer Kevin Estre und Laurens Vanthoor fielen in der Gesamtwertung auf Rang vier zurück.

Größte Enttäuschung in drei WEC-Jahren

Auf die Frage, was für ihn die größte Enttäuschung der drei Hypercar-Saisons gewesen sei, antwortete LMDh-Projektleiter Urs Kuratle gegenüber Motorsport-Total.com: "Das Rennen am Samstag. Nicht, weil es das letzte war, sondern wegen des Ergebnisses."

"Le Mans 2023 war es nicht. Dort haben wir selbst Fehler gemacht. Das ist natürlich nicht gut, aber immerhin kann man daraus lernen und sich verbessern. Le Mans 2024 war es auch nicht, Le Mans 2025 ebenso wenig. Am Samstag aber hatten wir die Chance, die Meisterschaft zu gewinnen. Das Minimalziel war Platz zwei in der Weltmeisterschaft. Wir haben den Titel verloren, ohne etwas falsch gemacht zu haben. Das war das Problem", so Kuratle weiter.

Der Titelkandidat mit der Startnummer 6, pilotiert von Estre, Vanthoor und Matt Campbell, hatte nach einem Verbremser von Estre nur Platz 18 im Qualifying erreicht, arbeitete sich jedoch bis zum Ende der dritten Rennstunde in die Top 10 vor.

Wie Porsche das hin und her bei der Strategie erklärt

Wie viele Teams nutzte Porsche die Safety-Car-Phase zur Rennmitte, die nach einem Unfall zwischen dem Cadillac von Jenson Button und dem AF-Corse-Ferrari von Thomas Flohr ausgerufen worden war, um zu stoppen. Eine Stunde später kehrte man jedoch zur ursprünglichen Strategie zurück und brachte beide Fahrzeuge erneut an die Box.

"Das war eine intensive Diskussion im Hintergrund", erklärte Kuratle. "Man startet, sieht, wo man steht, und passt die Strategie während des Rennens an. Dann rechnet man durch, wie es weitergehen könnte. Das war der Grund."

Besonders problematisch waren die Medium-Reifen, die in den Nachtstunden die bevorzugte Mischung waren. Estre hatte zudem Schwierigkeiten, den Reifensatz, den er bereits im Qualifying verwendet hatte, erneut auf Temperatur zu bringen. Damit konnte der 963 das Potenzial aus den Trainingssessions, in denen Porsche trotz ungünstiger Balance of Performance viertschnellster Hersteller war, nicht bestätigen.

In der letzten halben Stunde alles verloren

"Was schiefgelaufen ist? Dass das Rennen nie zu uns kam. Das war das Problem", so Kuratle. "Im Training sah es auf den langen Runs etwas besser aus, aber letztlich war das Ergebnis nicht überraschend. Das Team hat nichts falsch gemacht, eine detaillierte Analyse steht aber noch aus. Im Endeffekt war es wohl eher eine Diskussion über Kilos und Kilowatt statt über Reifen."

Den endgültigen Rückschlag brachte die letzte virtuelle Safety-Car-Phase, die kurz nach dem letzten Boxenstopp beider Werks-Porsche ausgerufen wurde. "Das ist eben Rennsport", sagte Kuratle. "Natürlich war das unglücklich, wenn man eine halbe Stunde vor Saisonende alles verliert. Aber es ist, wie es ist."

Nach dem Abschied aus der Hypercar-Klasse bleibt Porsche im nordamerikanischen IMSA-GTP-Programm aktiv, wo das Werksteam in den Jahren 2024 und 2025 jeweils den Meistertitel gewinnen konnte.