Longrun-Analyse WEC Bahrain 2025: Toyota wirklich wieder Spitze?

Toyota fährt in Bahrain auf die Pole und untermauert das auch mit ausgezeichneten Longruns - Ein Durchmarsch wird es aber nicht werden, Spannung ist angesagt

(Motorsport-Total.com) - Im Qualifying zu den 8 Stunden von Bahrain 2025 machte Toyota deutlich, was sich zuvor in den Freien Trainings schon in den Longruns abgezeichnet hatte: Gazoo Racing hat in der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) wieder zu alter Form zurückgefunden.

Titel-Bild zur News: Toyota scheint in Bahrain wieder zu alter Stärke gefunden zu haben

Toyota scheint in Bahrain wieder zu alter Stärke gefunden zu haben Zoom

Vor allem dank der neuen BoP, in der der Toyota GR010 Hybrid relativ zu den anderen Hypercars nicht mehr ganz so schlecht dasteht wie fast die ganze Saison, aber auch aufgrund der Streckencharakteristik des Bahrain International Circuits ist Toyota wieder konkurrenzfähig. Die Strecke hat Gazoo Racing immer gelegen.

Obwohl mit Toyota ein berechtigter Favorit auf den Sieg vorne steht, erzählte das Qualifying nicht einmal die halbe Wahrheit, wie unsere Analyse zeigen wird. Im Longrun sind zum Teil Fahrzeuge ganz vorn, die im Qualifying nicht einmal die Hyperpole erzielt haben. Für Spannung ist also gesorgt.

Methodik für die Analyse

Für die Longrun-Analyse ziehen wir alle Runden heran, die innerhalb eines 6-Sekunden-Fensters zur schnellsten Runde des jeweiligen Fahrzeugs liegen. Wir haben das Fenster von den üblichen fünf Sekunden ausgedehnt, um dem extremen Reifenverschleiß gerecht zu werden. Ausreißer aufgrund von Qualifying-Simulationen oder einer weicheren Reifenwahl werden nicht berücksichtigt. Aus allen Runden bilden wir die Durchschnittszeit.

Die vom Veranstalter zur Verfügung gestellten Daten zeigen leider nicht, welches Fahrzeug welche Reifen im Training verwendet hat. Die meisten Fahrzeuge fahren aber ähnliche Programme. Auch wissen wir natürlich nicht über die Spritmenge bescheid.

In Bahrain liegen aufgrund des speziellen Zeitplans das erste und dritte Freie Training zu Zeiten, zu denen im Rennen gar nicht gefahren wird. Trotzdem nutzten die Hersteller die zur Verfügung stehende Zeit, um Daten für den Anfang des Rennens zu gewinnen, der noch bei Tageslicht stattfindet.

Im zweiten Training konnten Daten bei Dunkelheit gesammelt werden. Allerdings war die Session bereits um 18:30 Uhr Ortszeit zu Ende. Das Rennen geht bis 22 Uhr. Für die Schlussphase, wenn die Strecke noch einmal abkühlt, konnten also keine Daten gesammelt werden.

1. Freies Training: Toyota meldet sich mit Macht zurück

Das erste Training ist immer mit Vorsicht zu genießen, da die Strecke noch sehr sandig war und wenig Grip aufwies. Basierend auf unserer Methode ergibt sich folgende Reihenfolge für das erste Freie Training:

1. Toyota #8 - 1:54.349 Minuten
2. Toyota #7 - 1:54.511
3. Peugeot #93 - 1:54.668
4. Ferrari #51 - 1:54.678
5. Alpine #36 - 1:54.883
6. Porsche #5 - 1:54.923
7. Aston Martin #009 - 1:54.938
8. AF-Corse-Ferrari #83 - 1:54.945
9. Ferrari #50 - 1:55.000
10. Peugeot #94 - 1:55.008
11. Alpine #35 - 1:55.107
12. Porsche #6 - 1:55.138
13. Aston Martin #007 - 1:55.314
14. Cadillac #12 - 1:55.323
15. BMW #20 - 1:55.579
16. BMW #15 - 1:55.892
17. Proton-Porsche #99 - 1:55.931
18. Cadillac #38 - 1:55.963

Das Tableau könnte aus den vergangenen Jahren stammen, ist aber für die Saison 2025 unüblich: Toyota bringt in Bahrain alles zusammen: Die Pace über eine Runde im Qualifying und einen guten Reifenverscchleiß. Der Toyota GR010 Hybrid gilt nach wie vor als sehr reifenschonendes Auto.

Der Peugeot #93 zeigt, dass die Qualifying-Position durchaus berechtigt war. Der 9X8 ist unter der aktuellen BoP endlich konkurrenzfähig und kann vorne mitmischen. Es wird sich aber zeigen müssen, ob der Bolide beim Reifenverschleiß mit Toyota mithalten kann.

Eine kleine Überraschung gelingt Porsche mit der fünftbesten Durchschnittszeit, denn der 963 hat in Bahrain erstmals das schlechteste Leistungsgewicht aller Hypercars. Bei Aston Martin haben wir die zwei Toprunden der #009 aus der Analyse herausgenommen, da diese auf Medium-Reifen gefahren wurden, während alle anderen Fahrzeuge auf Hards unterwegs waren.

BMW ist in den Longruns üblicherweise mit Vorsicht zu genießen, weil die M Hybrid V8 erfahrungsgemäß in den Trainings langsamer sind als im Rennen. Allerdings ist der Rückstand diesmal sehr groß und das Team WRT zeigte sich nicht zufrieden mit der Longrun-Pace.

2. Freies Training: Ferrari meldet Ansprüche an

Im zweiten Training stellt sich das Bild etwas anders dar. Im einzigen Nachttraining des Wochenendes waren die beiden Werks-Ferrari im Longrun am schnellsten:

1. Ferrari #50 - 1:53.910
2. Ferrari #51 - 1:53.990
3. Peugeot #93 - 1:54.081
4. Toyota #7 - 1:54.207
5. Toyota #8 - 1:54.212
6. Porsche #6 - 1:54.347
7. Aston Martin #007 - 1:54.394
8. Peugeot #94 - 1:54.488
9. Cadillac #12 - 1:54.645
10. Porsche #5 - 1:54.714
11. Cadillac #38 - 1:54.719
12. Alpine #35 - 1:54.875
13. Aston Martin #009 - 1:54.938
14. AF-Corse-Ferrari #83 - 1:54.957
15. Alpine #36 - 1:54.985
16. BMW #15 - 1:55.133
17. BMW #20 - 1:55.220

Ferrari gibt den Ton an und unterstreicht, dass man das schnellste Hypercar hat. Wieder belegt der Peugeot #93 den dritten Platz, während das Schwesterfahrzeug #94 am unteren Ende der Top 10 landet.

Toyota zeigt sich erneut mit beiden Fahrzeugen konkurrenzfähig, hat im Durchschnitt aber bereits fast drei Zehntel Rückstand auf den schnellsten Ferrari. Porsche überrascht angesichts der schlechten Einstufung wieder. Diesmal mit der #6, die noch Titelchancen hat, aber von ganz hinten starten muss. Auffällig ist, dass Laurens Vanthoor im zweiten Training aussetzte, während die allermeisten Hypercar-Teams alle drei Fahrer zum Fahren kommen ließen.

Die Aston Martin Valkyrie können ihre starke Performance aus den Einzelrunden, die sie in den Zeitenlisten ganz weit nach vorne gespült haben, im Longrun nicht ganz umsetzen. Dennoch sind sie bei der Musik und vieles deutet darauf hin, dass The Heart of Racing an den fünften Platz aus Fuji wird anknüpfen können.

Der Sieg, auf den manche angesichts einer Trainingsbestzeit und den Plätzen eins und zwei in der Qualifying-Session vor der Hyperpole vielleicht in Reichweite sehen mögen, ist aber vielleicht noch etwas hochgegriffen.

Weiterhin am Ende liegen die BMW, aber auch der AF-Corse-Ferrari #83. Der Longrun wurde offenbar auf gebrauchten Reifen absolviert und Phil Hanson kam bei Dunkelheit nicht zum Einsatz. Das AF-Corse-Team bestätigte auf Anfrage, dass man über die Pace nicht besorgt sei.

3. Freies Training: Wie viel ist diese Porsche-Performance wert?

Im dritten Training ging es dann wieder bei Tageslicht zur Sache. Die Session sah zudem zwei Unterbrechungen - einmal eine rote Flagge wegen des Abflugs von Celia Martin und eine Full Course Yellow wegen einer abgestürzten Drohne. Das Ergebnis der Longruns sieht folgendermaßen aus:

1. Porsche #6 - 1:53.795
2. Toyota #8 - 1:53.875
3. Porsche #5 - 1:54.115
4. Aston Martin #007 - 1:54.255
5. Ferrari #51 - 1:54.277
6. AF-Corse-Ferrari #83 - 1:54.327
7. Peugeot #93 - 1:54.327
8. Toyota #7 - 1:54.337
9. Peugeot #94 - 1:54.421
10. BMW #20 - 1:54.466
11. Cadillac #12 - 1:54.646
12. Alpine #36 - 1:54.685
13. Cadillac #38 - 1:55.211
14. Aston Martin #009 - 1:55.415
15. BMW #15 - 1:55.463
16. Alpine #35 - 1:55.767
17. Proton-Porsche #99 - 1:55.880
18. Ferrari #50 - 1:56.298

Porsche geht aus diesem Training als schnellstes Fahrzeug hervor und landet damit eine Überraschung. Toyota bestätigt die starke Pace bei sonnigen Bedingungen, auch Ferrari mischt sich vorne rein. Dabei meldet sich auch der private, gelbe 499P zurück.

Bei der Zeit des Aston Martin #007 ist einschränkend anzumerken, dass zahlreiche 58er-Zeiten gestrichen werden mussten, weil sie außerhalb des 6-Sekunden-Fensters zur Bestzeit lagen. Es waren deutlich mehr 58er-Runden als bei anderen Fahrzeugen. Deshalb steht er in der Analyse wohl etwas besser da, als es tatsächlich der Fall ist.

Peugeot ist diesmal nicht ganz vorne mit dabei, während sich BMW zumindest mit einem Auto leicht verbessert und zeitlich in ein enges Fenster vorstößt, das bis zum drittplatzierten Porsche reicht. WRT ist dennoch unzufrieden und will für das Rennen Änderungen am Set-up versuchen. Die Zeiten des Ferrari #50 sind vermutlich auf alten Reifen erzielt worden und daher nicht aussagekräftig.

Fazit

Vieles deutet auf ein Duell zwischen Ferrari und Toyota an der absoluten Spitze hin, allerdings müssen sich die Ferrari erst mühsam nach vorne fahren. Beide profitieren von der leicht besseren Einstufung ihrer Autos an diesem Wochenende bei gleichzeitig teils deutlich schlechterer Einstufung der direkten Konkurrenten. Gleichzeitig sind beide Fahrzeuge auch exzellent in der Reifenschonung.

"Es sieht ganz gut für uns aus. Aber Ferrari sieht auf den Longruns ebenfalls sehr stark aus", sagt Mike Conway gegenüber Motorsport-Total.com. Tendenziell deuten die bisherigen Zeiten darauf hin, dass Ferrari bei Dunkelheit etwas stärker erscheint. Und die wichtigere Rennhälfte geht bei Nacht über die Bühne.

Die große Unbekannte ist Porsche. Es sieht so aus, als käme der 963 mit der ungünstigen Einstufung weit besser zurecht als zu befürchten war. Tatsächlich ist Urs Kuratle, Leiter Werksmotorsport LMDh bei Porsche, im Gespräch mit Motorsport-Total.com optimistisch, allerdings war das noch vor Estres Qualifying-Albtraum:


Onboard in Bahrain im Aston Martin Valkyrie

"Die Reihe an Freien Trainings war relativ weit weg von den Bedingungen, die wir im Rennen sehen werden. Aber wir sind gut vorbereitet und unsere Longrun-Pace ist gut, das haben wir gestern schon gesehen."

Aston Martin sieht in den Ergebnislisten der Trainings stärker aus als im Longrun. Das würde sich mit den bisherigen Erfahrungen der Saison decken, dass die Valkyries im Qualifying etwas stärker sind als im Rennen. Das Reifenmanagement ist beim V12-Boliden noch nicht auf dem Niveau von Toyota und Ferrari.

Der nach dem Qualifying nicht mehr ganz geheime Geheimfavorit wird Peugeot sein, denn die #93 zeigte sich bislang bei Tag und Nacht sehr stark. Aus der zweiten Reihe heraus ist alles möglich.

Für die LMDh-Fahrzeuge sieht es in den Longruns mit Ausnahme von Porsche nicht allzu gut aus. BMW hadert mit dem Set-up, Alpine kämpft ebenfalls und Cadillac leidet unter der schlechtesten Einstufung, die der V-Series.R jemals hatte.

Zentral wird im Rennen der Umgang mit den Hinterreifen sein, weil der Bahrain International Circuit den höchsten Reifenverschleiß der Saison aufweist. Auch werden beide Mischungen zum Einsatz kommen, manche Fahrer benennen den Crossover-Punkt bereits auf 16 Uhr, also zwei Stunden nach Rennstart.

Zudem gilt es, Reifen für ein eventuelles spätes Safety-Car zu sparen. Damit müssen zu Beginn des Rennens Doppelstints absolviert werden, wenn die Strecke noch besonders heiß ist. Und bei den kühlsten Bedingungen in der Schlussphase, wenn es drauf ankommt, konnte nicht trainiert werden. Das sorgt für Extraspannung beim Finale.

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