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Ferrari P4/5 Competizione: Wahnsinn mit Methode

US-Milliardär James Glickenhaus und sein kostspieliger Traum: Hintergründe zum Bau des Ferrari P4/5 Competizione, der 2011 auf der Nordschleife starten wird

(Motorsport-Total.com) - Ab einer gewissen Grenze kennt Reichtum keine Limits mehr, auch die allergrößten und verrücktesten Träume werden realisiert. Während sich der russische Milliardär Roman Abramovich mal eben für rund 350 Millionen Euro in einer Hamburger Werft die größte Privatyacht der Welt bauen lässt ("Eclipse", 170 Meter lang), geht ein amerikanischer "Leidensgenosse" einen anderen Weg. James Glickenhaus beglückt die Motorsportszene mit seinem positiven Wahnsinn.

Der Ferrari P4/5 Competizione von James Glickenhaus geht auf die Nordschleife Zoom

Der führere Hollywood-Regisseur und heutige Investmentspezialist ist ein leidenschaftlicher Fan der P-Serie von Ferrari. Diese Prototypen machten in den 1960er- und 1970er-Jahren die Rennstrecken unsicher und fuhren viele Erfolge für Ferrari ein. Seinen ersten großen Wunsch setzte Glickenhaus 2005 um. Er kaufte einen nagelneuen Ferrari Enzo und ließ diesen für geschätzte drei Millionen Euro bei Pininfarina zu einem modernen Ferrari P4/5 für den Privatgebrauch umbauen.

In diesem Jahr zündete Glickenhaus die zweite Stufe. Sein Ziel ist es, die berühmte P-Serie bald wieder auf die Rennstrecken zu bringen. So entstand in Zusammenarbeit mit Paolo Garella, der schon seinen Enzo federführend umgebaut hatte, die Idee zum Bau eines modernen Ferraris mit P-Optik auf Basis eines GT2-Fahrzeuges. Garella zeichnet bei Pininfarina für sogenannte "Spezialprojekte" verantwortlich. Klartext: Er setzt die verrücktesten Wünsche der exklusiven Kundschaft in die Tat um.

Erst das Schlachtfest, dann der Neuaufbau

Seit einigen Monaten arbeiten Garella und sein Team nun am Projekt "P4/5 Competizione", das im kommenden Jahr im ernsthaften Wettbewerb auf der Nordschleife rollen soll. "Als Grundlage hat sich James eine US-Version vom 430 Scuderia gekauft", berichtet Garella im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Mit einem Lachen fügt er hinzu: "Den brauchte er nur wegen der Fahrgestellnummer, damit er später eventuell eine Straßenzulassung für den neuen Wagen in den USA bekommt."

Von einem nagelneuen F430 Scuderia blieb erst einmal kaum etwas übrig Zoom

Der 430 Scuderia wurde im ersten Schritt komplett geschlachtet, vom traumhaften Sportwagen blieb kaum noch etwas übrig. "Teile des Armaturenbretts werden wir vielleicht noch verwenden", berichtet Garella. "Aber Grundlage für den P4/5 Competizione ist eigentlich ein F430 GT2, den sich James dann eben auch noch kaufen musste. All die Rennsporteile samt Antrieb von diesem Auto haben wir dann an das Chassis des Scuderia gebaut."

Anschließend begann der schwierigste Teil des Spezialjobs, der bis heute noch nicht abgeschlossen ist. Auf Grundlage alter Entwürfe und Zeichnungen werden die Karosserieteile angefertigt. "Der Wagen soll in seiner gesamten Anmutung sehr nahe am Original sein. Das ist natürlich erheblicher Aufwand", beschreibt Garella. "Wir müssen viele Teile am Computer neu entwerfen, sie fertigen und sogar im Windkanal testen. Es soll immerhin ein konkurrenzfähiges Renngerät werden."

Die Nordschleife ruft: Testfahrten ab Januar

Derzeit werden in der feinen Designschmiede in Italien immer wieder neue Varianten ausprobiert, um den perfekten Kompromiss aus historischer Optik und moderner Aerodynamik hinzubekommen. Das handgefertigte Einzelstück nimmt immer mehr Form an. "Im Januar werden wir fertig sein", sagt Garella, der keinerlei Zweifel an der pünktlichen Fertigstellung des P4/5 Competizione hat. Immerhin hat er für dieses Projekt seine besten Leute zusammengetrommelt.

"Die Nordschleife ist die Referenz." Paolo Garella

Damit der positive Motorsportwahnsinn des Herrn Glickenhaus nicht zum sportlichen Reinfall wird, hat man für den Beginn des kommenden Jahres ausgiebige Testfahrten eingeplant. "Wir werden auf die Nordschleife gehen", sagt der italienische Projektleiter. "Die Nordschleife ist die Referenz. Nicht nur für Motorsportler, sondern mittlerweile haben das wohl auch alle Autohersteller begriffen. Ich weiß das aus eigener Erfahrung, weil ich früher einmal offizieller Testfahrer von Goodyear war."

Die weiteren Fortschritte beim Bau des einzigartigen Boliden können Fans über die 'Facebook'-Seite von Pininfarina verfolgen. Bald steht die wichtige Entscheidung für einen Reifenhersteller an, mit dem man im kommenden Jahr auf die Rennstrecken gehen möchte. "Wir wollen alles für James bereit haben", meint Garella. Überraschend ist allerdings die Tatsache, dass der US-Milliardär den Wagen zunächst gar nicht fahren wird.

Toppiloten für die Langstrecke angeworben

An der Fahrerfront hat man schon Nägel mit Köpfen gemacht. "Mika Salo, Fabrizio Giovanardi, Nicola Larini und Luca Cappellari werden in der kommenden Saison für uns fahren", sagt Garella, der als Rennleiter der "Scuderia Cameron Glickenhaus" agieren wird. Auch bei der Fahrerwahl machen Glickenhaus und Co. also keine halben Sachen. Erfahreneres Personal hätte man für die Abstimmung eines GT-Ferrari auf eine Rennstrecke kaum buchen können.

Am Computer werden alle Neuteile für den P4/5 Competizione entworfen Zoom

"Nach unseren Tests werden wir die ersten zwei Saisonläufe der VLN auf der Nordschleife bestreiten", sagt Garella. Das große Ziel für 2011 ist klar: Der Ferrari P4/5 Competizione soll in der Experimentalklasse beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring für ordentlich Furore und staunende Blicke sorgen. Erst irgendwann im Sommer wird Glickenhaus selbst erste Runden drehen. Bis dorthin muss er sich mit anderen "Spielzeugen" vergnügen. Unter anderem stehen einige Expemplare der originalen P-Serie in der Garage.

Auf die Frage, ob das aktuelle Projekt das verrückteste in seiner bisherigen Laufbahn sei, antwortet Garella: "Ach nein. Ich mache diesen Job nun schon seit 18 Jahren und habe schon rund 100 Spezialanfertigungen hinter mir. Gerade jetzt wird ein fast ebenso verrücktes Projekt für einen deutschen Kunden fertig. Ich kann noch nicht verraten, um was es sich handelt, aber das werden wir in Absprache mit dem Kunden vielleicht sogar öffentlich vorstellen dürfen."

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