Nach Testunfall: Marini schwärmt von Suzuka - aber zu gefährlich für MotoGP
Suzuka gilt als spektakulär, aber gefährlich - Luca Marini zog sich dort schwere Verletzungen zu - Weshalb die Strecke trotz ihrer Faszination zu riskant ist
(Motorsport-Total.com) - Während die MotoGP-Fahrer Johann Zarco und Jack Miller an diesem Wochenende bei den berühmten 8 Stunden von Suzuka an den Start gehen werden, aber auch die Deutschen Jonas Folger und Marcel Schrötter, hat sich für Luca Marini der Traum, dieses Rennen mit Superbikes einmal zu fahren, nicht erfüllt.
© Alexander Trienitz
Luca Marini hat sich von seinen schweren Verletzungen wieder erholt Zoom
Im Anschluss an das MotoGP-Wochenende in Silverstone flog Marini gemeinsam mit Zarco für einen privaten Test nach Japan. Bei diesem Test wollte Marini auch aufgrund seiner Körpergröße evaluieren, ob er einer der drei Fahrer des Honda-Teams sein könnte.
Am zweiten Testtag stürzte Marini in Kurve 1 und zog sich schwere Verletzungen zu: eine ausgekugelte linke Hüfte, Schäden an den Bändern im linken Knie, Frakturen des Brustbeins und des linken Schlüsselbeins sowie ein Pneumothorax im rechten Brustkorb.
"Beim Runterschalten bin ich in den Leerlauf gekommen und war nicht schnell genug, die Kupplung zu ziehen", sagt er über die Ursache des Sturzes. "Ich sah, dass die Mauer ziemlich nah war, und ich dachte, nur mit der Bremse, ohne Motorbremse, würde es nicht reichen."
"Geradeaus wäre keine Option gewesen. Also wollte ich Richtung Kurve zwei fahren, weil Kurve eins schneller ist und danach die zweite Kurve nicht so eng ist und in dieser Richtung eine größere Auslaufzone ist." Aber so weit kam er nicht.
"In dem Moment, in dem ich versuchte, die Kupplung zu ziehen und dorthin zu fahren, legte ich den dritten Gang ein und verlor die Kontrolle über das Hinterrad. Ich rutschte einfach weg - ein normaler Sturz, kein außergewöhnlicher Crash, kein großes Problem."
"Dort gab es drei bis vier Meter Kiesbett, dann begann ich im Kiesbett zu rollen und schlug gegen die Streckenbegrenzung - immer noch viel zu schnell." Aus Sicherheitsgründen fährt die MotoGP seit dem tödlichen Unfall von Daijiro Kato 2003 nicht mehr in Suzuka.
Suzuka ist wunderschön, aber für die MotoGP zu gefährlich
Mittlerweile ist der Italiener wieder fit und konnte nach rund eineinhalb Monaten Pause auf dem Sachsenring wieder sein MotoGP-Comeback geben. Trotz der Verletzungen schwärmt Marini nach seinen ersten Runden von der Suzuka-Rennstrecke.
"Ich finde, es ist eine sehr schöne Strecke, weil sie im alten Stil gebaut ist - mit überhöhten Kurven, Auf- und Abfahrten und Rasenflächen am Streckenrand. Das ist etwas Besonderes, weil es mit asphaltierten Auslaufflächen sehr einfach wäre."
"Natürlich weiß ich, dass die Wiese gefährlich ist, aber an den richtigen Stellen geht es. Vor allem aber macht die Art, wie die Kurven angelegt sind und die Überhöhung in den Kurven, einen großen Unterschied."
"Im Fernsehen und in den Videos, die ich vor Suzuka gesehen habe, wirkt es nicht so stark überhöht. Aber wenn man dort fährt, gibt es tatsächlich sehr viel Banking, und das vermittelt den Fahrern ein sehr gutes Gefühl."
"Das Motorrad liegt mit dem positiven Banking in den Kurven sehr schön", schildert Marini. "Dazu kommt, dass es eine sehr lange Strecke ist - und ich mag lange Strecken, weil es mehr Kurven gibt. Auch die Umgebung mit dem Vergnügungspark ist sehr schön."
"Aber sicher ist: Im Moment ist die Strecke für uns zu gefährlich. Denn wir haben in Europa mittlerweile einen sehr hohen Standard in Sachen Sicherheit erreicht, und auch in der Sicherheitskommission wird mit den Fahrern und der Dorna sehr gute Arbeit geleistet."
Eine MotoGP-Rückkehr nach Suzuka ist deshalb ausgeschlossen. Jüngst wurde der Vertrag mit Motegi bis 2030 verlängert. Dass Marini mit Suzuka eine "Old-School-Rennstrecke" kennengelernt hat, öffnete für ihn in vieler Hinsicht die Augen.
"Man vergisst manchmal, wie gefährlich es sein kann, ein Motorrad auf einer Strecke zu fahren. Ich hätte nie gedacht, dass es dort so gefährlich sein könnte. Aber wenn man stürzt, versteht man es: In fast jeder Kurve hätte ich bei einem Sturz die Streckenbegrenzung getroffen."
"Das ist nicht schön - vielleicht hat man Glück, dann passiert nichts. Aber mit Pech kann man viel schlimmere Verletzungen erleiden als ich. Und meine Verletzung war schon schwer, hätte aber viel schlimmer sein können. Dafür bin ich auch dankbar."
"Aber ich weiß nicht - ich denke, die japanische Haltung zur Strecke ist sehr klar. Sie wollen nichts an ihr verändern", weiß Marini, dass die MotoGP-Rückkehr nicht möglich ist. "Weil sie die Strecke genau so erhalten wollen. Im Moment ist das wohl eine Frage der Kultur - vielleicht wollen sie einfach Samurai sein."

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