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"Wir starten fast bei null": Was sich Yamaha vom V4-Neubeginn erhofft
Yamaha setzt 2026 auf einen radikalen Konzeptwechsel, doch schon für die erste MotoGP-Saison mit dem neuen V4-Motor hat man klare Ziele vor Augen
(Motorsport-Total.com) - Mit der Vorstellung der neuen M1 für die MotoGP-Saison 2026 schlägt Yamaha ein komplett neues Kapitel auf. Erstmals seit Jahrzehnten verabschiedet sich der Hersteller vom traditionsreichen Reihenmotor und setzt auf ein V4-Konzept - eine technische Zäsur, die in der Garage ebenso wie auf der Strecke spürbar ist.
© Yamaha Motor Racing Srl
Wie schnell wird Fabio Quartararo mit der neuen V4 den Anschluss finden? Zoom
Projektleiter Paolo Pavesio, Teamdirektor Massimo Meregalli und Technikchef Takahiro Sumi machen deutlich: 2026 ist kein gewöhnliches Übergangsjahr, sondern der Beginn einer langfristig angelegten Rückkehr an die Spitze der Königsklasse.
Die größte Veränderung seit Jahrzehnten
Für Meregalli ist klar: Es handelt sich auf technischer Ebene um eine nie dagewesen Revolution für Yamaha. "Der größte Wandel überhaupt ist technischer Natur", betont er.
In den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren sei ein neues Bike meist nur eine Weiterentwicklung des jeweiligen Vorgängermodells gewesen. Nun aber starte man mit "einem komplett neuen Paket", was einen "riesigen, riesigen Schritt" darstelle.
Man beginne "fast bei null", räumt Meregalli ein, wohl wissend, dass damit enorm viel Arbeit verbunden ist. Gleichzeitig überwiegen aber Stolz und Vorfreude: Das Team sei "wirklich begeistert, sehr stolz und voll committed", die neue M1 in eine erfolgreiche Zukunft zu führen, auch wenn noch das Zeit brauche.
Yamaha-Direktor erwartet zweigeteiltes Jahr
Entsprechend vorsichtig formuliert Meregalli die Erwartungen für 2026. Die Saison werde man klar in zwei Phasen einteilen müssen. Zunächst gehe es darum, das neue Motorrad zu verstehen: ein intensiver Lernprozess für Team und Fahrer.
Erst in der zweiten Saisonhälfte erwarte man von Fabio Quartararo und Alex Rins eine schrittweise Verbesserung der Ergebnisse. Ein Schlüssel dafür: das volle Testprogramm.
"Die Liste ist ziemlich lang", sagt Meregalli mit Blick auf die anstehenden Aufgaben. Entscheidend sei es, möglichst viele trockene Testtage zu haben, um belastbare Daten zu sammeln. Ziel sei es, den ersten offiziellen Test "mit wirklich starken Informationen" abzuschließen, auf denen der Hersteller aufbauen kann.
V4-Bike soll größeres Leistungsfenster bringen
Aus technischer Sicht beschreibt Takahiro Sumi den V4-Wechsel als bewussten Schritt, um strukturelle Grenzen des bisherigen Konzepts zu überwinden. Eines der Hauptziele sei es, "ein breiteres Performance-Fenster" zu erreichen.
"Schon in einer frühen Phase konnten wir ermutigende Fortschritte bei einigen Schlüsselelementen feststellen, wie beispielsweise einer besseren Stabilität beim Bremsen und Beschleunigen und einem konstanten Fahrgefühl im Longrun", sagt Sumi-san.
Gleichzeitig verschweigt er nicht, dass es noch Bereiche gibt, in denen der neue V4 nicht das Niveau des vertrauten Reihenmotors erreicht. Genau hier fließe nun Yamahas gesammelte Erfahrung ein, um die neue Architektur weiterzuentwickeln. Erfolg bemesse man dabei aber nicht nur an den Resultaten.
Es gehe darum, "den Beweis für die richtige Entwicklungsrichtung" zu liefern. Bleibe die gemeinsame Dynamik von Team und Fahrern erhalten, "werden die Ergebnisse folgen", und das eher früher als später, zeigt sich der Technikchef zuversichtlich.
Schon 2026 "das Potenzial voll ausschöpfen"
Projektleiter Pavesio mahnt zur Realismus. "Es gibt keine Magie in diesem Sport", sagt er offen. Die MotoGP sei im Grunde genommen ein mechanischer Sport, in dem man akzeptieren müsse, dass der Weg zurück an die Spitze Zeit brauche. Und genau diesen Weg habe Yamaha bereits 2025 eingeschlagen.
Die reine Geschwindigkeit habe Yamaha im Vorjahr durchaus gefunden, erinnert Pavesio: Fünf Polepositions und zehn Starts aus der ersten Reihe seien der Beweis. Was jedoch fehlte, war Konstanz, vor allem über die lange Renndistanz.
Genau hier soll das neue Paket ansetzen. "Wir glauben, dass es uns mehr Wachstumspotenzial während der Saison bietet. Wir gehen davon aus, dass wir schnell lernen werden, sobald wir mit den Rennen beginnen, und wir erwarten eine steigende Entwicklung im Laufe der Saison", blickt Pavesio voraus.
Wann genau der Durchbruch kommt, lasse sich nicht an einem konkreten Rennen festmachen. "Unsere Fahrer sind auf jeden Fall extrem hungrig. Und wir glauben, dass die neue M1 im Laufe der Saison ihr Potenzial voll ausschöpfen wird."
Quartararo: Umstellung ja, kein Lernprozess
Aus Fahrersicht bereitet Quartararo die Umstellung auf den V4-Motor keine Sorgen. Er gibt sich selbstbewusst: Einen klassischen Lernprozess sehe er für sich nicht.
"Natürlich denkt man, dass es sich um eine Yamaha handelt, aber es ist ein völlig neues Motorrad. Seit meinem ersten Tag in Barcelona habe ich mich jedoch recht schnell daran gewöhnt, insbesondere an das neue Drehmomentverhalten", aus seiner Sicht die größte Umstellung im Vergleich zur Reihenmotor-Yamaha.
Natürlich werde sich der Fahrstil ändern müssen, nicht nur wegen des Motors, sondern wegen des gesamten Motorrads. Die größte Herausforderung sei es nun, eine solide Basis zu finden und zu verstehen, wo das Limit liegt. "Von dort aus können wir uns wirklich auf die Performance konzentrieren", so Quartararo.
Auch Rins sieht im Neustart eine Chance, nicht nur für Yamaha, sondern auch für sich persönlich. Im Vergleich zum langjährigen Yamaha-Aushängeschild Quartararo habe er im vergangenen Jahr bereits aufholen können, betont der Spanier.
Nun beginne jedoch für alle ein neues Projekt. Der Fokus liege aber erst einmal auf der Entwicklung, nicht der Position. "Wir müssen dieses Bike an die Spitze bringen", sagt Rins. Entscheidend sei, was die anstehenden Vorsaisontests bringen werden. Erst dann werde sich abzeichnen, wohin die Reise wirklich geht.

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