Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat: Alex Rins
Alex Rins spricht nach dem Sachsenring vom "schlechtesten Rennen" seiner Karriere - Es herrscht Ratlosigkeit, warum die Yamaha M1 für ihn nicht funktioniert
Liebe MotoGP-Fans,
© Alexander Trienitz
Alex Rins sprach nach dem Sachsenring vom schlechtesten Rennen seiner Karriere Zoom
trotz wechselhaftem Wetter war das Sachsenring-Wochenende wieder ein ganz großes Volksfest! Auch der Regen konnte nicht für den Abbruch der tollen Stimmung sorgen, die diese Veranstaltung zu etwas ganz Besonderem im MotoGP-Kalender macht.
Besonders und außergewöhnlich war einmal mehr die Vorstellung von Marc Marquez. Wie ich bereits in einer Kolumne geschrieben habe: Man kann ihn mögen oder nicht - aber man sollte diese Leistung würdigen und respektieren. Er ist einer der Besten in der Geschichte unseres Sports.
Für Pedro Acosta ist es noch ein ganz weiter Weg, um annähernd so erfolgreich zu sein. Nach Stürzen in beiden Rennen war er mein erster Kandidat für unsere traditionelle Montagskolumne. Ein Podium, das KTM so dringend braucht, wäre durchaus möglich gewesen.
Aber nach der vielen Kritik an KTM zeigte sich der junge Spanier geläutert: "Es stimmt, dass man mir oft gesagt hat, ich sei zu negativ. Jetzt habe ich mich geändert. Jetzt versuche ich, sagen wir mal, optimistischer zu sein."
Insgesamt gesehen wurde in den vergangenen Wochen die Performance von KTM besser. Also geben wir Acosta die Chance, seinen neu gewonnenen Optimismus umzusetzen. An dieser Stelle möchte ich auch Enea Bastianini und Maverick Vinales gute Besserung wünschen!
Als nach dem Rennen Alex Rins zu seiner Medienrunde erschien, wirkte er ratlos, enttäuscht und verloren. Mit 40 Sekunden Rückstand war der Yamaha-Fahrer klar der langsamste Mann im Feld. Er selbst sprach vom "schlechtesten Rennen" seiner Karriere.
© Alexander Trienitz
Alex Rins fuhr am Sonntag einsam und alleine am Ende des Feldes Zoom
Rins war schon nach Austin der Protagonist unserer Montagskolumne. Er stand von der Performance her klar im Schatten seines Teamkollegen Fabio Quartararo und auch von Jack Miller. Viel hat sich seither nicht geändert. Auch Miguel Oliveira ist immer wieder schneller.
Warum er auf dem Sachsenring so viel langsamer als seine Markenkollegen war, konnte sich Rins nicht erklären. Er sagt dazu: "Ich hatte große Probleme am Kurveneingang, beim Halten der Geschwindigkeit in Schräglage, bei der Kurvengeschwindigkeit und bei der Traktion."
"Es ist schwer zu verstehen, denn meine Teamkollegen waren mit demselben Motorrad im Schnitt eine Sekunde pro Runde schneller als ich. Das ist nicht normal, das ist schwer zu erklären. Ich kann nichts sagen, weil ich nicht schneller fahren konnte. Das Motorrad ließ es einfach nicht zu."
Wir dürfen an dieser Stelle auch nicht vergessen, dass Rins in den vergangenen drei Jahren wegen Verletzungen auf dem Sachsenring gefehlt hatte. Ein Wochenende mit wechselhaftem Wetter macht es dann natürlich umso schwieriger, ein gutes Set-up und Gefühl zu finden.
Es herrscht Ratlosigkeit, und das ist das Problem
Nach dem Grand Prix gab es eine lange Besprechung mit den Ingenieuren, aber keine Antworten. "Sie konnten nichts sagen, weil sie es auch nicht wissen", sagt Rins zu den Gesprächen. "Sie sind ein bisschen wie ich - ziemlich verwirrt. Es ist schwer zu sagen."
Traten die Probleme mehr mit dem Vorderreifen oder dem Hinterreifen auf? "Genau das haben mich auch die japanischen Ingenieure gefragt. Beim Bremsen hatte ich ein gutes Gefühl. Die Probleme traten vor allem bei der Beschleunigung auf."
"In den letzten elf Runden, als der Reifen stark abgebaut hatte, hatte ich dann auch vorne Schwierigkeiten - aber viel mehr am Hinterrad." Auch verschiedene Linien, ein aggressiveres oder sanfteres Aufrichten des Motorrads hat die Situation nicht geändert.
Diese Ratlosigkeit beschreibt einen momentanen Tiefpunkt für Rins. Man muss aber auch festhalten, dass Miller nur fünf WM-Punkte mehr auf dem Konto hat. Klar, Quartararo ist die eindeutige Speerspitze bei Yamaha.
Was der Franzose teilweise - vor allem im Qualifying - aus der M1 herausholt, ist unfassbar beeindruckend! Da sieht man sein großes Talent. Aber ich habe meine Zweifel daran, ob Quartararo auch detailliert gutes technisches Feedback gibt.
Denn seine Aussagen zum Motorrad, die er uns Journalisten erzählt, sind oft widersprüchlich und ergeben manchmal wenig Sinn. Rins ist diesbezüglich ganz anders. Er ist analytisch und kann sehr detailliertes Feedback geben. Deswegen ist diese Ratlosigkeit so bemerkenswert.
Er hatte maßgeblichen Anteil daran, die Suzuki zu einem sehr guten Gesamtpaket zu machen. 2021 bei Honda war er wirklich sauer, dass man ihn nicht von Beginn an in die Evaluierung neuer Teile einbezogen hat.
Mittlerweile ist Honda aufgewacht und hat die Herangehensweise stark geändert. Johann Zarco ist voll eingebunden und mit Luca Marini hat man einen "fahrenden Ingenieur". Sein technisches Feedback wird von den Ingenieuren sehr geschätzt.
© Motorsport Images
Alex Rins hat das letzte Suzuki-Rennen in der MotoGP gewonnen Zoom
Mit Blick auf Yamaha war es deshalb nicht verwunderlich, dass man neben dem Naturtalent Quartararo einen Fahrer mit den Qualitäten von Rins brauchte. Mit Miller und Oliveira holte man zwei weitere Fahrer, die sehr gutes Feedback geben können.
Aber diese Ratlosigkeit, die momentan bei Rins und den Yamaha-Ingenieuren herrscht, muss für schlaflose Nächte sorgen. Denn das ist wirklich nicht normal. Vor zwei Wochen testete Rins in Brünn, wo am kommenden Wochenende gefahren wird.
Mit dieser Vorbereitung wird Brünn ein Gradmesser werden, ob man Lösungen beim Set-up finden kann. Denn dass Rins schnell sein kann, hat er uns schon oft bewiesen. Aber auch nach eineinhalb Jahren klickt es zwischen ihm und der M1 immer noch nicht richtig.
Euer

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