Warum Marc Marquez alle überragt: Stoner wagt eine Analyse

Casey Stoner sieht in Marc Marquez Eigenschaften, die der jungen Generation fehlen und ihn deshalb so dominant machen - Marquez selbst relativiert diese Analyse

(Motorsport-Total.com) - Während Marc Marquez der Konkurrenz in der MotoGP-Saison 2025 keine Chance auf den Titel ließ, liefert Casey Stoner eine schlüssig Erklärung für die diesjährige Überform des Spaniers. Für den Australier liegt Marquez' aktueller Vorteil nicht im Material, sondern in Fähigkeiten, die aus einer anderen Ära stammen.

Titel-Bild zur News: Marc Marquez

Marc Marquez hatte die Konkurrenz in diesem Jahr fest im Griff Zoom

So betont Stoner, Marquez wisse noch immer, "wie man ein Motorrad ohne all diese elektronischen Kontrollen fährt". Diese Erfahrung aus früheren Jahren sei heute ein entscheidender Vorteil. Ähnliches gilt aus Stoners Sicht auch für Dani Pedrosa, der bei seinen Wildcard-Einsätzen oft sofort konkurrenzfähig sei. Das liege daran, dass "der Fahrer immer noch besser ist als die Elektronik", betont Stoner.


Fotostrecke: Marc Marquez: Sein Weg zum siebten MotoGP-Titel

Ein Pilot wie Marquez erkenne frühzeitig, wann das Motorrad rutsche, könne Grip finden, Reifen schonen. Fähigkeiten, die laut Stoner viele der jüngeren Fahrer nie in diesem Ausmaß lernen mussten, weil "man nur den Gasgriff dreht und die Ingenieure den Rest erledigen" - auch eine Kritik an den aktuellen Maschinen.

Marquez habe deshalb "einen kleinen Vorteil gegenüber allen anderen", da er nach wie vor ganz genau wisse, wo er die Maschine positionieren müsse, wann er ans Gas gehen könne und wie man einen Reifen über die Distanz bringt, so Stoner weiter.

Selbst modernste Assistenzsysteme deckten zwar vieles ab, doch ein Fahrer wie Marquez könne "diesen Dingen einen Schritt voraus sein und ein bisschen mehr herausholen".

Marquez reagiert auf Stoners Analyse

Marrquez zeigt sich von Stoners Lob geehrt, widerspricht aber in Nuancen. Der Spanier erinnert daran, dass er zu Beginn seiner MotoGP-Karriere von äußerst fortschrittlicher Elektronik profitierte. "Als ich in die MotoGP kam, war die Elektronik bei Honda sogar besser als das, was wir jetzt benutzen", erklärt er. Damals seien die Systeme offen gewesen, heute nutze jeder Pilot die gleichen Parameter.

Besonders lobt Marquez die Ducati-Elektronik, die "supergut arbeitet" und den Fahrern das Leben erleichtere. Doch er betonte gleichzeitig, dass Elektronik allein nicht schnell mache.

"Du kannst Elektronik nicht nutzen, um schnell zu sein, nur um sicherer und konstanter zu sein. Wenn du versuchst, mit Elektronik schnell zu sein, bist du nicht auf dem richtigen Weg", sagt der amtierende Weltmeister. Damit bestätigt Marquez indirekt Stoners Kernaussage: Am Ende entscheidet der Fahrer.

Bagnaia unter Druck, doch Stoner glaubt an ihn

Angesprochen auf Francesco Bagnaia erklärt Stoner, dass Marquez' unmittelbarer Einfluss auf Ducati den Druck auf den amtierenden Champion erhöht habe.

"Wenn jemand wie Marc kommt und Dinge macht, die du nicht erwartest, ist das schwer zu akzeptieren", sagt der zweifache MotoGP-Champion. Und Bagnaia sei nicht der Einzige: "Ich denke, das ganze Feld hat Probleme mit Marc."

Während in den vergangenen Jahren fast jeder Fahrer Siegchancen hatte, habe nun "kaum jemand das Gefühl, echte Chancen zu haben, außer in ungewöhnlichen Rennen wie Le Mans", verweist Stoner auf Zarcos Regensieg. Marquez' konstante Leistungen seien "erstaunlich" und für Bagnaia schwer einzuordnen.

Trotzdem sieht Stoner langfristig Vorteile für den Weltmeister der Jahre 2022 und 23: Bagnaia sei ein Pilot, der sich Zeit nehme und Dinge Schritt für Schritt verarbeite. Ein Teamkollege wie Marquez könne dabei helfen. "Vielleicht nicht in diesem Jahr, und es könnte dauern, bis er über diesen Moment hinweg ist."

"Aber wenn er von jemandem wie Marc lernt und mit seinem Crewchief Cristian [Gabarrini] einen Weg findet, die Ducati so abzustimmen, wie er sie braucht, kann ihn das am Ende enorm stärken", glaubt Stoner fest an ein Comeback des Italieners.