Warum es für KTM weise wäre, die Zukunft ohne Pedro Acosta zu planen

Pedro Acosta dachte schon für 2026 an einen Abschied von KTM, wird aber bleiben - Für 2027 denkt er bereits an einen Wechsel und liebäugelt mit Ducati

(Motorsport-Total.com) - Trotz der Liebesbekundungen, die KTM in jüngerer Zeit in Richtung Pedro Acosta gesendet hat, deuten sein Wunsch nach Veränderung sowie weitere gewichtige Faktoren darauf hin, dass es für die österreichische Motorradmarke am vernünftigsten wäre, die Zukunft ohne den Spanier zu planen.

Titel-Bild zur News: Pedro Acosta

Wo plant Pedro Acosta seine MotoGP-Zukunft? Zoom

In jeder Beziehung, die sich verschlechtert hat, kann es zu einem Punkt ohne Wiederkehr kommen, an dem eine gut organisierte Trennung die am wenigsten traumatische Lösung für beide Seiten darstellt.

Dann beginnt die Phase der Verarbeitung. Die Zeit, in der die Wunde heilt und die je nach Person länger oder kürzer ausfällt, und die es nach ihrer Überwindung ermöglicht, mit Klarheit nach vorne zu schauen.

Dies gilt für Paare ebenso wie für berufliche Beziehungen, etwa für die bemerkenswerte Geschichte, die KTM und Pedro Acosta gemeinsam geschrieben haben und die offenbar am Ende der kommenden Saison zu Ende gehen wird.

Man braucht keinen Doktortitel in Psychologie, um zu wissen: Sollte es so kommen, wird es der österreichische Hersteller sein, der den Eckpfeiler seines Projekts der vergangenen Jahre am meisten vermissen wird.

Ein Eigengewächs, das innerhalb der eigenen Strukturen geboren, aufgebaut und geformt wurde, für das jedoch trotz aller Bemühungen keine Formel gefunden wurde, die ihm ermöglicht hätte, sein Ziel zu erreichen, um den MotoGP-Titel zu kämpfen.

Acostas Vertrag mit KTM läuft am Ende der kommenden Saison aus, ebenso wie die Verträge aller anderen MotoGP-Topstars. In den vergangenen Wochen hat die Marke aus Mattighofen nicht aufgehört, dem Fahrer Botschaften bedingungsloser Zuneigung zukommen zu lassen.

Dabei legte KTM den üblicherweise selbstbewussten Ton bewusst ab, um sich ihm anzunähern. "Ich habe das Gefühl, dass wir noch ein wenig Zeit haben, aber nicht viel, um Pedro zu beweisen, dass wir der richtige Partner für ihn sind", erklärte Pit Beirer in Portugal und in Valencia.

Mehrere Aspekte lassen Acosta an KTM zweifeln

Zum Bedauern des Motorsportdirektors war die Performance der RC16 eine der Hauptquellen von Acostas Frustration. Doch die Defizite des Motorrads sind nicht der einzige Aspekt, der den zweimaligen Weltmeister (Moto3/2021 und Moto2/2023) zweifeln lässt.

Die Inkonstanz des Prototyps geht Hand in Hand mit der unternehmerischen Unsicherheit, die KTM umgibt. Der Aktienkurs ist innerhalb von vier Jahren auf weniger als ein Fünftel gefallen (von 89,6 Euro am 1. Dezember 2021 auf 16,4 Euro an diesem Mittwoch).

Rajiv Bajaj

Rajiv Bajaj, der Geschäftsführer von Bajaj Auto Zoom

Nach dem Insolvenzverfahren hat mittlerweile Bajaj Auto die volle Kontrolle über das Unternehmen übernommen, nachdem die Europäische Kommission dem indischen Konzern kürzlich den Erwerb des 50,1-prozentigen Anteils der Pierer Industrie AG gestattet hat.

Dieser Schritt wird mit einer Neuordnung des Aufsichtsrats einhergehen, der verkleinert und von Pierer-nahen Personen bereinigt werden soll. Es ist ein Einschnitt mit erheblichen Auswirkungen, und es ist keineswegs klar, welche Rolle die MotoGP-Abteilung künftig spielen wird.

Acosta wollte sich für Interessenten empfehlen

Vor diesem Hintergrund hat sich Acostas Ton im Verlauf der Saison erheblich verändert und ebenso seine Stimmung. Der rebellische Geist vom Jahresbeginn wich einer so tiefen Ernüchterung, dass für ihn nur ein Ausweg infrage kam: ein Wechsel mit Blick auf 2026.

KTM verhinderte dies erwartungsgemäß. Nachdem er sich damit abgefunden hatte, seinen Vertrag zu erfüllen, konzentrierte sich der Murcianer darauf, das Maximum aus seinem verfügbaren Material herauszuholen.

"Er wollte der Welt und potenziellen Interessenten zeigen, dass er mit 21 Jahren nichts von jener Magie verloren hat, die viele dazu gebracht hat, ihn als "das nächste große Ding" zu bezeichnen. Jener Titel, den zuvor bereits Marc Marquez und Valentino Rossi getragen hatten.

Alex Marquez, Pedro Acosta

Als einziger KTM-Fahrer war Acosta zuletzt im Spitzenfeld dabei Zoom

Nach diesem mentalen Umschwung stabilisierten sich die Ergebnisse der #37 auf hohem Niveau. Die fünf Podiumsplätze in der zweiten Saisonhälfte ermöglichten ihm eine Aufholjagd, die auf Gesamtrang vier endete.

Acosta schloss die Saison mit 307 Punkten ab. Das sind nahezu doppelt so viele wie Brad Binder (155), seinem Nachbarn in der KTM-Box. Diese starke Bilanz wurde zum zentralen Argument in der Selbstvermarktung des "Tiburon de Mazarron".

Auch wenn Acosta öffentlich jede direkte Aussage zu seinen Plänen vermeidet, versteht Motorsport.com Spanien, eine Schwesterplattform von Motorsport-Total.com, dass seine Priorität eine Ducati ist - bevorzugt die offizielle, die rote Desmosedici.

Gibt es einen Platz im Ducati-Werksteam?

Dies hängt jedoch von einer Reihe von Faktoren ab, die sich in den kommenden Monaten entwickeln müssen. An erster Stelle steht dabei die Vertragsverlängerung von Marc Marquez. Seine sportliche Überlegenheit hat dazu geführt, dass Ducati sich vollständig auf ihn ausrichtet.

Ducati hat die Fortsetzung dieser Partnerschaft zur obersten Priorität erklärt. Wie Motorsport.com Spanien erfahren hat, fanden die ersten Gespräche zwischen den Vertretern von Marquez und dem Hersteller aus Borgo Panigale bereits vor Monaten statt.

Das war noch bevor es zum Unfall in Indonesien kam. Die Verletzung in der rechten Schulter setzte ihn nicht nur außer Gefecht, sondern fror auch diese Verhandlungen ein, die wieder aufgenommen werden müssen, sobald seine Genesung fortgeschritten ist.

Pedro Acosta, Marc Marquez

Sind Acosta und Marquez möglicherweise 2027 Teamkollegen? Zoom

Wenn man davon ausgeht, dass Ducati alles daransetzen wird, den mehrfachen Weltmeister zu halten - und er ebenfalls bleiben möchte -, dann stellt sich vor allem die Frage nach der Höhe seines künftigen Gehalts.

Diese Zahl bestimmt wiederum, was dem zweiten Fahrer angeboten werden kann, unabhängig davon, wer es sein wird. Hier ist hervorzuheben, dass Francesco Bagnaia weiterhin die Chance hat, eine sehr schwierige Saison 2025 umzudrehen.

Dennoch gibt es aufgrund seiner Bedeutung für die jüngere Ducati-Geschichte, seiner Erfolgsbilanz sowie seiner Nationalität keinen geeigneteren Kandidaten als Bagnaia. Voraussetzung ist natürlich, dass sich seine Ergebnisse bessern.

Falls sich Bagnaia nicht zurückmeldet, versteht Motorsport.com Spanien, dass Acosta in einer vorteilhaften Position gegenüber den übrigen Kandidaten ist, auch wenn seine Verpflichtung bedeuten würde, die von Ducati praktizierte Hierarchie zu ändern.

Ein Beleg dafür war die Bereitschaft des italienischen Herstellers, auf ihn zu warten, um ihn 2026 bei VR46 anstelle von Franco Morbidelli unterzubringen. Ein Wechsel, der letztlich daran scheiterte, weil KTM eine mehrstellige Millionensumme als Entschädigung verlangte.