Warum Aprilia bei der RS-GP26 nicht auf Raul Fernandez setzte
Raul Fernandez fuhr 2025 eine starke zweite Saisonhälfte - Trotzdem setzte Aprilia bei der Entwicklung der RS-GP26 bewusst nicht auf den Spanier: die Hintergründe
(Motorsport-Total.com) - Raul Fernandez erlebte 2025 eine der emotionalsten Saisons seiner Karriere. Vom Tiefpunkt mit ernsthaften Rücktrittsgedanken bis hin zum Premierensieg in der MotoGP reichte die Spanne. Dennoch spielte der Spanier bei Aprilias Entwicklungsarbeit für die RS-GP26 keine tragende Rolle.
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Raul Fernandez startete schwach in die Saison und fuhr sich dann zur Topform Zoom
Diese Entscheidung sorgte bei Fernandez selbst freilich für Enttäuschung, ebenso wie die Tatsache, dass er auch während der laufenden Saison kaum Updates erhielt.
Aprilia erklärt seinen Entwicklungsplan
Auf Nachfrage von Motorsport.com, einer Partnerseite von Motorsport-Total.com, begründet der Hersteller aus Noale die Vorgehensweise. "Wir haben großen Respekt vor Raul, der ein fantastisches Saisonende hatte", betont Aprilia und verwies auf regelmäßige technische Meetings mit Technikdirektor Fabiano Sterlacchini.
Intern gilt dies als Beleg dafür, dass der Spanier durchaus Gehör fand. Dennoch stellt man auch nach außen unmissvertsänlich klar: "Raul war für uns in diesem Jahr wichtig." Das Testprogramm sei Teil einer langfristigen Gesamtstrategie gewesen.
"Alle Teile, die in Valencia getestet wurden, sind Teil eines Entwicklungsprozesses, an dem die ganze Saison über gearbeitet wurde. Es ist nicht so, dass Aprilia keine große Anzahl an Teilen produzieren kann", heißt es seitens des Herstellers. "Aber es gab einen klar definierten Plan, und dieser wurde eingehalten."
Dieser Plan sah vor, die Entwicklungsarbeit primär auf Marco Bezzecchi und Jorge Martin zu konzentrieren. Bezzecchi trug 2025 die Hauptlast der Weiterentwicklung, während Martin aufgrund seiner Verletzungen zunächst keine neuen Komponenten testen konnte und dies zwingend vor der Winterpause nachholen musste.
"Aus Werkspolitik waren wir der Meinung, dass wir an dem von uns festgelegten Plan festhalten müssen und dass es die beiden Werksfahrer sein sollten, die sämtliches Material testen", lautet das abschließende Statement. Ziel sei es, nach Festlegung der Entwicklungsrichtung im Winter beim Sepang-Test im Februar sowohl die Werks- als auch die Satellitenfahrer mit den neuen Motorrädern auszustatten.
Technischer Fortschritt, aber begrenzte Rolle
Technisch begann die Saison für Fernandez mit einer Aprilia im 2025er-Spezifikationsstand. Neue Teile blieben jedoch lange aus. Beim Jerez-Test war er jedoch der erste Aprilia-Pilot, der ein neues Chassis einsetzte. Martin hatte es bereits im Vorjahr in Valencia getestet und Bezzecchi sollte es nach dem Sommer erhalten.
Ab dem Aragon-Test Mitte Juni erhielt Fernandez das neue Aerodynamikpaket. Aprilia verfolgte dabei eine klare Strategie: Zunächst sollte der Spanier Elektronik und Chassis verstehen und optimieren, bevor die neue Aero hinzukam.
Ziel war es, nicht zu viele Neuerungen gleichzeitig einzuführen und die Richtung nicht zu verlieren. Dieser Ansatz zahlte sich aus, mit spürbaren Fortschritten nach jedem Test.
Für den ersten Vorsaison-Test für 2026 in Valencia waren die Erwartungen entsprechend groß. Fernandez galt zu diesem Zeitpunkt als zweitschnellster Aprilia-Fahrer und einer der formstärksten Piloten der gesamten MotoGP. Doch statt einer zentralen Rolle im Entwicklungsprogramm folgte die Ernüchterung.
Keine Updates für Fernandez in Valencia
"Wir hatten nichts zu testen und haben uns nur auf die Elektronik konzentriert, um zu sehen, ob wir noch ein bisschen mehr herausholen können", erklärte Fernandez nach dem Test, bei dem er die Bestzeit markierte. Und weiter: "Wie Davide [Brivio, Teammanager] sagt: Unser Ziel ist es, 100 Prozent aus dem herauszuholen, was wir haben. Und was nicht von uns abhängt, hängt eben nicht von uns ab."
Der Spanier zeigte sich "enttäuscht", insbesondere angesichts der Vielzahl neuer Teile in der Aprilia-Werksgarage. Zum Hintergrund: Während seiner Zeit bei RNF Racing verfügte Fernandez über einen direkten Werksvertrag. Nach dem Einstieg von Trackhouse unterschrieb er für zwei Jahre bei dem US-Team.
"Wir können nichts tun, wir folgen nur den Anweisungen", erklärte Fernandez. "Ich versuche, mit allen so professionell wie möglich umzugehen. Ich denke, das ist meine Pflicht, aus Respekt vor meinem Team und den Leuten bei Trackhouse. Ich weiß, dass sie 100 Prozent geben, und das nehme ich daraus mit."
"Am Ende haben sie [bei Aprilia] ein neues Paket getestet, aber das alte Motorrad ist auch nicht schlecht", betonte der Trackhouse-Pilot und räumte zugleich ein, dass er "überrascht war, wie viele aerodynamische Teile" sich in der Werksbox befanden.
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