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Vom Frust zur Hoffnung: Enea Bastianini steigert sich um rund eine Sekunde
Der Verlust von Crewchief Alberto Giribuola traf Enea Bastianini härter als gedacht - Für 2026 liegt sein Fokus auf dem Qualifying - Der Sepang-Test zeigt Fortschritte
(Motorsport-Total.com) - Enea Bastianini steht vor seiner zweiten Saison mit Tech3-KTM. Im Vorjahr fiel dem Italiener die Umstellung nach vier Ducati-Jahren auf das österreichische Motorrad schwer. Er hatte noch die Ducati-Linien im Kopf und musste vieles umstellen. Sportlich gelangen "La Bestia" zwei Höhepunkte: Er wurde sowohl beim Sprint in Brünn als auch beim Grand Prix in Barcelona Dritter.
© KTM/Rob Gray (Polarity Photo)
Enea Bastianini fuhr in Sepang im Quali-Versuch schneller als im Herbst Zoom
In der WM-Tabelle wurde es nur Platz 14. Neben der Umstellung auf die KTM spielte bei Bastianini noch ein weiterer Faktor eine Rolle. Sein Crewchief Alberto Giribuola entschied sich dazu, KTM zu verlassen. Nach dem Podestplatz in Barcelona verabschiedete er sich.
Bastianini und Giribuola verstanden sich quasi blind. Schon bei Avintia und Gresini waren sie ein Erfolgsgespann. Giribuola wechselte zu Yamaha, wo er mit seiner Erfahrung Rookie Toprak Razgatlioglu im Pramac-Team unterstützen soll.
Nicolas Goyon, der Teammanager bei Tech3, weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig die Beziehung zwischen Fahrer und Crewchief ist. Denn er übte diese Funktion selbst über viele Jahre aus, darunter auch für Jonas Folger.
"Der Crewchief ist der erste, der die Rückmeldung des Fahrers bekommt, sozusagen die erste Vertrauensperson", so Goyon. "Da sind sich alle einig, dass das eine Schlüsselrolle ist. Manche sind eher technisch orientiert, aber heutzutage muss ein Crewchief fast schon ein Psychologe sein."
"Er muss den Fahrer unterstützen, ihn in schwierigen Momenten pushen. Und ich muss sagen, Giribuola hat da wirklich einen guten Job gemacht. Enea hatte am Anfang der Saison große Schwierigkeiten, das wissen wir alle."
"Aber dann passierte, was passierte, und Giribuola entschied sich, getrennte Wege zu gehen. Es stimmt, Enea hat das sehr mitgenommen. Wir hätten nicht gedacht, dass sich das so stark auf seine Ergebnisse auswirken würde."
"Man konnte schon sehen, dass ab dem Moment, als Giribuola weg war, die Resultate schlechter wurden", spricht Goyon offen über die Auswirkungen der Trennung. "Enea ist ein sensibler Fahrer, also mussten wir besonders auf ihn achten."
"Wir haben als Team zuerst versucht, diesen Wechsel zu verhindern, aber Giribuola war fest entschlossen, also sind wir seiner Entscheidung gefolgt. Am Ende war es weder für Enea noch für das Team einfach. Ich denke, der Rückgang der Ergebnisse lag zum Teil genau an diesem Wechsel."
© KTM/Rob Gray (Polarity Photo)
Enea Bastianini mit seinem neuen Crewchief Andres Madrid Zoom
Bei den letzten Saisonrennen übernahm Xavi Palacin interimistisch Bastianinis Mannschaft. In diesem Jahr ist Andres Madrid sein neuer Crewchief, denn KTM hat Phil Marron aus der Superbike-WM engagiert. Er soll Brad Binder frische Impulse geben.
Madrid und Bastianini lernten sich über den Winter besser kennen und intensivierten die Zusammenarbeit im Laufe der drei Testtage in Sepang. "Natürlich ist es am Anfang immer schwierig", meinte Bastianini zum Abschluss dieses Tests.
"Ich dachte sogar, es würde noch schwieriger werden, aber es lief wie geschmiert. Rund 75 Prozent der Dinge, die wir ausprobiert haben, haben mir gefallen, und auch die ergonomischen Änderungen waren gut. Also: Hut ab vor Andres, der mir wirklich sehr hilft."
Beim Sepang-Test gelingen Fortschritte im Qualifying
Der Fokus für die zweite KTM-Saison ist klar: das Qualifying. "Eine schnelle Runde zu fahren ist einfach nicht seine natürliche Stärke", weiß Goyon. "Schon bei Ducati hat er nicht viele Polepositions geholt." Es waren in vier Jahren zwei.
"Seine große Stärke ist, ein komplettes Rennen zu managen - den Reifen, die Pace. Ich habe im Winter einige Statistiken erstellt: In der ersten Saisonhälfte, also etwa von Thailand bis zum Sachsenring, wo er dann Magenprobleme hatte, hat er sich nie besser als auf P16 qualifiziert."
"Im Schnitt, also über diese zehn Rennen, hat er pro Rennen sieben Positionen gutgemacht. Das heißt, manchmal elf, manchmal keine, aber im Durchschnitt sieben. Das zeigt, dass Eneas eigentliches Level deutlich höher ist als die Rennergebnisse vermuten lassen."
© KTM/Rob Gray (Polarity Photo)
Enea Bastianini mit Aerodynamik-Tests in Sepang Zoom
"Und in diesen vier starken Rennen, wo er es geschafft hat, direkt ins Q2 zu kommen und weiter vorn zu starten, war er jedes Mal beeindruckend. Die Schwachstelle kennen wir also: das Qualifying."
"Wir müssen von Anfang an öfter ins Q2 kommen. Das ist der Schlüssel, um regelmäßig aus den ersten vier Reihen zu starten. Und ich bin überzeugt: Mit seiner Erfahrung und dem Wissen über die KTM, das er jetzt hat, wird er deutlich besser abschneiden als im vergangenen Jahr."
Im Laufe des Sepang-Tests zeigten sich auch deutliche Fortschritte bei Qualifying-Versuchen. Bastianini fuhr mit 1:57.290 Minuten fast eine Sekunde schneller als im vergangenen Herbst im Qualifying.
Das stimmte den Italiener natürlich glücklich: "Sicher gibt es noch ein paar, die besser abschneiden als wir, also müssen wir weiterarbeiten. Niemand kann behaupten, wir gäben nicht alles, denn ich finde, KTM hat gute Arbeit geleistet. Wir müssen einfach noch besser arbeiten."
Bastianini glaubt fest daran, dass er zu Saisonbeginn regelmäßig in den Top 10 mitkämpfen kann: "Ich glaube schon, denn ich fühlte mich beim Fahren wohler und konnte bei der Rennpace recht konstant bleiben."
"Das war einer der Punkte, an denen wir am meisten arbeiten mussten, weil wir bisher immer Schwierigkeiten hatten, wenn wir an die Box zurückkamen und danach wieder rausfuhren. Aber über diese drei Tage hinweg haben wir das ganz gut in den Griff bekommen."
© Getty Images AsiaPac
Der Italiener blickt optimistischer auf seine zweite KTM-Saison Zoom
"Uns fehlt noch ein bisschen beim Turning. Das ist der Schlüssel zu einer guten Rundenzeit. Die Sprint-Simulation war ebenfalls etwas schwierig, weil ich ein kleines Vibrationsproblem mit dem Hinterreifen hatte. Trotzdem war es im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich besser."
Neben Vergleichen verschiedener Aerodynamik-Konfigurationen testete KTM in Sepang zudem ein neues Chassis. Pedro Acosta und Maverick Vinales waren damit auf der Strecke, doch das Feedback fiel unterschiedlich aus.
Bastianini fuhr mit diesem Chassis noch nicht: "Ich denke, ich werde es in Thailand ausprobieren, denn es ist wichtig, dass sowohl Brad [Binder] als auch ich es testen, weil wir im Team unterschiedliche Meinungen haben: manchen gefällt es, manchen überhaupt nicht."
Für Bastianini wird 2026 ein entscheidendes Jahr in seiner MotoGP-Karriere, denn der 28-Jährige fährt um einen neuen Vertrag für 2027.
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