Vinales sieht KTM-Fortschritt: "Arbeiten endlich an den Schwachstellen"
Maverick Vinales sieht KTM nach den jüngsten MotoGP-Tests klar im Aufwind - Der Tech3-Pilot lobt gezielte Verbesserungen und spricht über seine körperliche Fitness
(Motorsport-Total.com) - Mit auffallend positiven Aussagen zur KTM-Entwicklung hat Maverick Vinales die jüngsten MotoGP-Testfahrten in Sepang beendet. Der Spanier aus dem Tech3-Team spricht von klaren Fortschritten, gezielter Arbeit an den Schwachstellen und einem Motorrad, das ihm deutlich mehr Vertrauen gibt.
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Maverick Vinales sieht KTM mit dem diesjährigen Bike auf dem richtigen Weg Zoom
Im kombinierten Klassement aller drei Testtage belegte Vinales Rang neun, direkt hinter Markenkollege Pedro Acosta. Entscheidend sei für ihn aber vor allem das Fahrgefühl.
Bereits am Dienstag zeigte sich Vinales zufrieden mit der eingeschlagenen Richtung. Er testete unter anderem bereits bekannte Aerodynamik-Teile. "Die Aero, die wir schon aus Valencia kennen, war ein Schritt nach vorne", sagte er. Zusätzlich probierte er eine neue Schwinge und weitere damit verbundene Komponenten.
Vinales: Jede Kleinigkeit ist ein Fortschritt
Sein Eindruck: "Jede Kleinigkeit, die wir ausprobieren, ist ein Schritt nach vorne in den Bereichen, in denen wir letztes Jahr schwach waren." Das Team habe in sehr gute Arbeit geleistet. Gleichzeitig betont er auch: "Es gibt noch Spielraum, um uns zu steigern und besser zu verstehen, wie ich mit dem Motorrad noch schneller sein kann."
Sehr deutlich fiel sein Lob für KTM insgesamt aus. "Ich bin wirklich glücklich mit KTM, denn für mich ist es das erste Mal seit langem, dass man sieht, dass ein Werk gezielt die Schwachpunkte des Motorrads anfasst." Das seien "fantastische Nachrichten".
Auch körperlich verlief der Test positiv. Seine Schulterprobleme scheinen überwunden. "Die Schulter ist gut", stellte Vinales klar. Der Test sei wichtig gewesen, um zu überprüfen, ob die körperliche Arbeit der vergangenen Wochen ausgereicht habe.
"Ich hatte den ganzen Tag keine Schmerzen", berichtete er. Zudem verfüge er wieder über deutlich mehr Kraft: "Ich habe jetzt gefühlt 100 Prozent mehr Power in der Schulter - beim Bremsen, Einlenken und in den Kurven." Ganz abgeschlossen sei der Aufbau noch nicht, aber: "Es ist gut genug, um in meinem Stil schnell zu fahren."
Regenfahrt wider Willen dank Jorge Lorenzo
Am Mittwoch rückte die Arbeit am Chassis in den Mittelpunkt. Vinales testete zwei verschiedene Varianten: "Wir haben heute zwei unterschiedliche Rahmen ausprobiert, um zu verstehen, welche Richtung wir für 2026 einschlagen können."
Eine Tendenz sei bereits erkennbar: "Ich denke, wir wissen ziemlich klar, welches Motorrad wir beim ersten Rennen einsetzen werden. Wir müssen nur weiter testen."
Für zusätzliche Erkenntnisse sorgte eine Regen-Session am Mittwochnachmittag, auch wenn Vinales zunächst wenig begeistert davon war. "Natürlich wollte ich eigentlich nicht rausfahren", gab er offen zu. Ausschlaggebend war der Einfluss von Jorge Lorenzo, der ihn seit diesem Winter als Performance-Coach zur Seite steht.
Mit einem Augenzwinkern erinnerte Vinales daran, dass Lorenzo früher selbst nicht gerade als Regen-Fan bekannt war. "Ich erinnere mich an Silverstone [2018] - da war er der Erste, der gesagt hat: Wir fahren nicht." Heute sei es genau andersherum: "Jetzt drängt er mich immer, im Regen rauszufahren - sogar mit härteren Reifen."
Rückblickend sei die Entscheidung, im Regen auszurücken aber richtig gewesen, zumal seine Regenfahrt mit einem MotoGP-Bike (Sachsenring) schon länger zurücklag.
"Ich musste rausgehen, mich selbst testen und versuchen, unter diesen Bedingungen schnell zu fahren, und ich hatte ein positives Gefühl", so der Spanier.
Das Motorrad funktioniere auch bei Nässe: "Das Bike arbeitet im Regen gut, es ist schnell."
Fragezeichen bei Areo, mehr Gefühl fürs Vorderrad
Getestet wurde auch eine kleinere obere Frontverkleidung. Sein Kurzfazit: "Positiv und negativ, wie immer. Vielleicht fühlt sich das Bike ein bisschen leichter an." Gleichzeitig spürt Vinales damit etwas weniger Unterstützung beim Anbremsen.
Gerade im Fahrerfeld sei das aber entscheidend. "Man kann am Ende nicht immer vorne fahren und alleine losziehen." Deshalb müsse man verstehen, wie sich das Paket im Windschatten verhält. Fehle die Unterstützung, werde es kritisch: "Wenn du beim Bremsen nicht genug Unterstützung hast, dann stoppst du nicht."
Als größten Fortschritt am neuen Bike hebt Vinales das Verhalten beim Kurveneingang hervor. "Beim Einlenken spüre ich den Vorderreifen viel mehr", erklärte er. Dadurch könne er schneller in die Kurven fahren als im Vorjahr.
Eine perfekte Attacke auf die Bestzeit gelang zwar nicht, doch das Tempo komme leicht zustande: "Das ist ein fantastisches Gefühl." Insgesamt sei man auf dem richtigen Weg.
Sturz zum Abschluss, keine gute Zeitattacke
Der Donnerstag war geprägt von weiteren Versuchen mit unterschiedlichen Abstimmungen und Fahrerpositionen, um weitere Verbesserungsmöglichkeiten zu finden. "Körperlich fühle ich mich wirklich gut, um ehrlich zu sein", bekräftigte Vinales.
Am besten habe ihm weiterhin das Motorrad aus den ersten beiden Tagen gefallen: "Das ist das Gefühl, das ich am meisten mag. Mit diesem Bike bin ich zufrieden, um in die Saison zu starten." Zu dieser Konfiguration konnte er am Ende jedoch nicht zurückkehren. "Leider nicht, weil ich heute sehr viele Teile testen musste."
Zum Tagesende stürzte er zudem. "Das war aber nicht mit dem Motorrad, das ich mochte", stellte er klar. Deshalb habe er auch keine gute Zeitenattacke fahren können.
Neue Struktur bei KTM zahlt sich aus
Neben der Technik bewertet Vinales auch die Arbeitsweise durchweg positiv. Im Vorjahr habe man zu viele unterschiedliche Teile parallel getestet. Jetzt sei der Ansatz klarer.
"Nicht viele verschiedene Teile, sondern die richtigen Teile. Keine verrückten Sachen, nur kleine Schritte." Sein Fazit: "Die Jungs im Werk haben großartige Arbeit geleistet."
Eine Einschätzung der aktuellen KTM-Position im Vergleich zur Konkurrenz will Vinales noch nicht abgeben. Dafür sei es zu früh. Erst die kommenden Rennen würden ein klares Bild liefern: "Man muss Thailand abwarten - und dann Europa."
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