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MotoGP-Zukunft von Bagnaia: Näher am Abschied als am Verbleib bei Ducati
Francesco Bagnaia gibt sich gelassen, doch hinter den Kulissen sendet Ducati klare Signale - Warum der Abschied für ihn näher ist als die Vertragsverlängerung
(Motorsport-Total.com) - Trotz der Ruhe, die Francesco Bagnaia in den vergangenen Tagen im Hinblick auf seine Chancen auf eine Vertragsverlängerung bei Ducati ausgestrahlt hat, deuten die Signale aus den Chefetagen des Herstellers darauf hin, dass der Italiener einem Teamwechsel näher sein könnte als einem Verbleib in Rot.
© Ducati
Francesco Bagnaia ist für Ducati offenbar nicht mal mehr zweite Wahl Zoom
In einem so entscheidenden Moment wie diesem, in dem der Fahrermarkt in vollem Gange ist, dringen Informationen in der Regel mit erheblicher Verzögerung an die Öffentlichkeit - genau so, wie es die Hauptbeteiligten, Teams wie Fahrer, beabsichtigen.
Das jüngste Beispiel für diese "Verzögerung" zeigte sich bei Ducatis Teampräsentation in Madonna di Campiglio, bei der Bagnaia eine der zentralen Figuren war.
Die Gelassenheit, die der zweifache Weltmeister an den Tag legte, als er auf die Möglichkeit einer Verlängerung seines aktuellen Vertrags angesprochen wurde, der mit dieser Saison ausläuft, passt nicht vollständig zu den Aussagen des Ducati-Managements.
Ducati mit Marquez so gut wie einig
Vom Unternehmenschef Claudio Domenicali bis hin zum Teammanager Davide Tardozzi betonten alle, dass die Fortsetzung mit Marc Marquez oberste Priorität habe.
"Die Verlängerung mit Marc hat für uns Priorität, genauso wie es bei Pecco der Fall war, als er Weltmeister wurde. Es ist ein komplexer Vertrag, und es gibt viele Dinge zu berücksichtigen. Aber wir sind mit ihm zufrieden und er ist mit uns zufrieden, also werden wir gemeinsam eine Lösung finden", sagte Domenicali.
Tardozzi ergänzte: "Sobald wir wissen, ob Marc sich für eine Fortsetzung entscheidet oder nicht, werden wir über den zweiten Fahrer nachdenken. Klar ist: Wenn Marc sich entscheidet zu gehen, dann wird unsere Priorität sein, Pecco zu verlängern."
Trotz der Vorsicht, die beide walten lassen, ist davon auszugehen, dass eine Verlängerung des Vertrags des amtierenden Champions nahezu als sicher gelten kann. Ähnlich eindeutig sind die Signale rund um Bagnaia, die darauf hindeuten, dass er weiter von einer Verlängerung entfernt ist als von der Suche nach Alternativen.
Teamkollege muss Abstriche hinnehmen
Das liegt nicht nur an zweideutigen Aussagen wie denen von Domenicali und Tardozzi. Ducatis klare offizielle Haltung, Marquez als Priorität zu betrachten, hat weitere Konsequenzen, die gegen Bagnaia sprechen, nicht zuletzt auch finanziell.
Denn als Marquez 2025 zum Werksteam stieß, tat er dies aus einer deutlich schwächeren Position als heute, was dazu führte, dass er die angebotenen Bedingungen und Zahlen praktisch ohne Verhandlungen akzeptierte. Die Situation ist nun eine völlig andere, nachdem er die vergangene Saison dominierte und die Referenz war.
Marquez hat seine Position gestärkt und wird diesen Vorteil in den Gesprächen mit Ducati nutzen - einem Hersteller, der finanziell nicht die gleiche Schlagkraft wie Yamaha oder Honda besitzt. Leidtragender wird sein nächster Teamkollege sein, der gezwungen sein wird, das zu akzeptieren, was ihm angeboten wird.
Wenn man bedenkt, dass Bagnaia seinen aktuellen Vertrag als Weltmeister unterschrieben hat, lässt sich erahnen, dass er nicht bereit wäre, eine drastische Verschlechterung seiner Konditionen hinzunehmen, wie sie nun offenbar im Raum steht.
Die Gräben zwischen Bagnaia und Ducati
Doch Bagnaias Einbruch im Verlauf der vergangenen Saison sorgte innerhalb von Ducati für Spannungen, die kaum zu verbergen waren. Der Fahrer stellte wiederholt die Fähigkeiten der Ingenieure infrage, da er der Meinung war, sie könnten ihm das fehlende Gefühl für die Front seiner Desmosedici GP25 nicht erklären.
Diese ungelöste Reibung zog sich bis zum Jahresende hin, bevor beide Seiten in die Winterpause gingen, um sich auf das Kommende vorzubereiten, nicht nur auf der Strecke, sondern auch in den Büros, und das im Vorfeld eines der bedeutendsten Fahrermärkte der jüngeren Geschichte, bei dem mit vielen Wechseln gerechnet wird.
"Ich bin entspannt, was meine Vertragsverlängerung angeht. Ich will einfach gut in die Saison starten und mich darauf konzentrieren. Es gibt viele Fahrer, deren Verträge auslaufen, und es wird wichtig sein, den Fokus auf die Meisterschaft zu behalten", sagte Bagnaia beim Launch, angesprochen auf seine Zukunft.
Allerdings sollte niemand glauben, dass der zweifache Weltmeister darauf setzt, Ducati in den ersten Rennen der Saison zu überzeugen. Manager wie Experten sind sich einig, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass bis zum Saisonauftakt alle Werksteams ihre Aufstellungen für Jahre 2027 und 2028 bereits festgelegt haben.
Acosta als zweiter Ducati-Pilot schon fix?
Unter dieser Prämisse liegt der Schluss nahe, dass Domenicali, Gigi Dall'Igna und Co. bereits eine Entscheidung getroffen haben. Und genau hier gewinnen die Worte an Bedeutung, die Aprilia-CEO Massimo Rivola in der vergangenen Woche äußerte.
Rivola ging beinahe selbstverständlich davon aus, dass Marquez' Garagennachbar Pedro Acosta sein würde. Das stieß bei Dall'Igna auf Missfallen. "Was bei mir ankam, war, dass Rivola mehr über Ducati als über Aprilia gesprochen hat", sagte er.
Unter Berücksichtigung all dessen scheint klar, dass Ducatis Dilemma darin besteht, entweder Bagnaia zu verlängern oder Acosta zu verpflichten, der bereit wäre, nahezu jede Bedingung zu akzeptieren, um eines der roten Motorräder zu fahren - ein Risiko, das dem ähnelt, das Marquez vor ein paar Jahren eingegangen ist.
Die Verpflichtung Acostas würde Ducati einen hochklassigen Nachfolger für den Zeitpunkt sichern, an dem Marquez sich zurückzieht. Aber opfert man dafür wirklich Bagnaia, den immer noch erfolgreichsten Fahrer in der Geschichte Ducatis, ohne ihm die Chance zu geben, zu beweisen, dass seine Saison 2025 eine Ausnahme war?
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