MotoGP-Paddock Inside: Wachstum ja, aber 44 Rennen sind über dem Limit

Die MotoGP steuert auf ihr Limit zu - 44 Rennen bedeuten Dauerstress für Fahrer und Teams - Liberty Media will das generelle Wachstum der Serie fortsetzen

Liebe MotoGP-Fans,

Titel-Bild zur News: MotoGP Start in Sepang

44 MotoGP-Starts in einem Jahr sind so viele wie noch nie zuvor Zoom

wir nähern uns dem Ende einer sehr langen Saison. Mit 22 Rennwochenenden ist es auch das bisher längste Jahr in der Geschichte der Motorrad-Weltmeisterschaft. Seit 2023 stehen zusätzlich Sprints am Samstag im Programm. Damit sind es 2025 insgesamt 44 Rennen - und ich finde, das ist schon etwas über dem Limit.

Es gibt zwar keine Tripleheader mehr, sondern hauptsächlich Doubleheader, aber trotzdem sind die Erschöpfung und die Müdigkeit aller Beteiligten spürbar. Das gilt besonders für die Mechaniker, die aus Sicherheitsgründen fehlerfrei arbeiten müssen.

Körperlich und mental steckt die lange Saison auch den Fahrern in den Knochen. "Ich merke, dass ich müde bin", sagt in Portimao beispielsweise Alex Marquez. "Nach 20 Rennen beginnt der Körper, diesen Druck zu spüren."

Es ist nicht allein der prall gefüllte Kalender mit 22 Veranstaltungen, sondern vor allem das seit 2023 geltende Format. Am Freitag steht im Prinzip ein Qualifying an, am Samstag folgt das reguläre Qualifying, anschließend der Sprint und schließlich der Grand Prix am Sonntag.

Die Fahrer müssen von Beginn an ans Limit gehen. Es besteht kaum noch Zeit, in Ruhe in ein Wochenende zu finden, am Motorrad und am Fahrstil zu arbeiten und sich konzentriert vorzubereiten. Von den Fahrern wird permanent das absolute Limit verlangt.

"Diese Intensität ist ziemlich hoch", sagt Miguel Oliveira. "Man sieht ja, welche Art von Verletzungen wir in dieser Saison haben und wie viele Stammfahrer nicht in der Startaufstellung stehen. Bei der Anzahl an Rennen, die wir haben, ist das sicherlich ein Faktor."

Man muss natürlich jeden Sturz, jeden Unfall und jede Situation isoliert voneinander betrachten. Aber ich finde schon, dass es einen Zusammenhang zwischen dem aktuellen Format und den zahlreichen verletzungsbedingten Ausfällen gibt.

In diesem Jahr waren bisher nur in Barcelona und in Misano alle 22 Stammfahrer dabei. Und das ist kein gutes Zeichen und sollte die Verantwortlichen zum Nachdenken bringen, denn das Format zwingt die Fahrer dazu, an einem Rennwochenende öfter zu riskieren als noch vor einigen Jahren.

Kalender wird nicht mehr schrumpfen

Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta hat mehrfach betont, dass 22 Wochenenden das Limit sind und es keine weiteren Veranstaltungen geben wird. Trotzdem finde ich, dass selbst das schon etwas über dem Limit ist - und 44 Einzelrennen auch zu einer Übersättigung der Fans führen.

Früher blieben einem viele Szenen aus den vergangenen Grands Prix im Gedächtnis. Aber Hand aufs Herz, bei so vielen Rennen vergisst man einfach Details, die sich im vergangenen Jahr im Sommer oder in diesem Jahr im Frühling abgespielt haben.

Vermutlich geht es vielen von euch ähnlich wie mir. Ich bezweifle jedoch, dass sich daran etwas unter Liberty Media ändern wird, denn der Formel-1-Kalender umfasst mittlerweile schon 24 Veranstaltungen.

Grundsätzlich finde ich es gut, wenn sich viele Länder und Rennstrecken für die Formel 1 und die MotoGP interessieren, aber beide Kalender sind meiner Meinung nach zu sehr aufgebläht - auf Kosten der Gesundheit der Fahrer, der Mechaniker und praktisch aller Beteiligten.


Fotostrecke: Die Vertragslaufzeiten der aktuellen MotoGP-Strecken

Persönlich würde ich mir eine Rotation wünschen, wo es geografisch Sinn macht. Fünf MotoGP-Rennen auf der Iberischen Halbinsel sind klar zu viel. Man könnte zum Beispiel auch Spielberg und Brünn im jährlichen Tausch machen, oder Mugello und Misano oder Sepang und Mandalika.

So ließe sich die Zahl der Rennen etwas verringern und zugleich Raum für neue Länder schaffen, wie im nächsten Jahr Brasilien. Sodass es maximal 18 bis 20 Rennen gäbe. Auch die Kalender würden durch unterschiedliche Rennstrecken in jedem Jahr etwas anders aussehen.

Aber das wird nicht passieren. Die Dorna hat noch vor der abgeschlossenen Übernahme durch Liberty Media die Verträge mit Jerez, Barcelona und Valencia bis 2031 verlängert. Es besteht also kein Bestreben, die Rennen in Spanien zu reduzieren oder jährlich rotieren zu lassen.

Liberty Media steigert Gewinn im dritten Quartal

Anfang November hat Liberty Media die Finanzzahlen für das dritte Quartal 2025 veröffentlicht. Der Konzern, zu dem seit Juli neben der Formel 1 auch die MotoGP zählt, meldete für seine "Formula One Group" Einnahmen in Höhe von 1,085 Milliarden US-Dollar.

Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 911 Millionen. Erstmals kamen in diesem Quartal Umsätze aus der MotoGP (inklusive der Superbike-WM) hinzu, die nach der Übernahme von Dorna Sports im Sommer mit 169 Millionen Dollar zum Konzernumsatz beigetragen haben.

Laut Ezpeleta schließt die MotoGP-Saison mit "Rekordbesucherzahlen, steigenden TV-Quoten, wachsendem digitalen Engagement und mehr Followern in den sozialen Medien". Dieses Wachstum soll in den kommenden Jahren fortgesetzt werden.

Marc Marquez, Carmelo Ezpeleta

Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta mit Weltmeister Marc Marquez in Motegi Zoom

Der Spanier sagt weiter: "Wir arbeiten daran, neue Zielgruppen zu erreichen und gleichzeitig die Bindung zu bestehenden Fans zu vertiefen. Wir sind überzeugt, dass die langfristigen Chancen enorm sind." Aber wäre das nicht auch mit etwas weniger Rennen möglich?

Das Motto ist klar: Geld regiert die Welt. In Misano wurde ein neues Protokoll für die Hymne eingeführt. Die Fahrer müssen nun vorne mit geschlossener Lederkombi Aufstellung nehmen. Bei Hitzerennen ist das so kurz vor dem Start eine weitere, unnötige Belastung.

Marc Marquez fand in Misano deutliche Worte: "Ich meine, sie verlangen immer mehr und mehr von uns. Irgendwann werden wir explodieren. Aber wir entscheiden das nicht." Kritische Worte, denen ich mich anschließe.

Euer


Gerald Dirnbeck

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