Folge uns jetzt auf Instagram und erlebe die schönsten und emotionalsten Momente im Motorsport zusammen mit anderen Fans aus der ganzen Welt
MotoGP-Fahrer hinterfragen Umgang mit Sepang-Unfall: "Glaubwürdigkeitsverlust"
Der schwere Moto3-Unfall von Sepang beschäftigt weiter das Fahrerlager - Fahrer mahnen mehr Sorgfalt an - Auch über Kommunikation und Verantwortung
(Motorsport-Total.com) - Fast zwei Wochen nach dem schweren Moto3-Unfall von Noah Dettwiler und Jose Antonio Rueda in Sepang bleibt das Thema im MotoGP-Paddock allgegenwärtig. Beide Fahrer mussten wiederbelebt werden, befinden sich dank der raschen medizinischen Versorgung jedoch auf dem Weg der Besserung. Rueda ist bereits nach Barcelona zurückgekehrt und auch Dettwiler kann zur weiteren Behandlung zurück in die Schweiz reisen.
© Hazrin Yeob Men Shah/Icon Sportswire via Getty Images
Noah Dettwiler und Jose Antonio Rueda haben den schweren Unfall überlebt Zoom
Trotzdem stellen sich einige im Paddock die Frage, welche Lehren aus diesem Unfall und dem Umgang damit gezogen werden sollten. Zum Beispiel wurde kurz nach dem Unfall gemeldet, dass beide Fahrer bei Bewusstsein waren - obwohl beide Herzstillstände erlitten hatten.
"Ich möchte diejenigen, die Entscheidungen treffen müssen, bitten, dies mit mehr Sorgfalt und Ruhe zu tun", findet Francesco Bagnaia. "Denn manchmal verstehe ich nicht, dass man eine Mitteilung veröffentlicht, die besagt, die Fahrer seien nach drei oder vier Minuten bei Bewusstsein."
"Und dann hören wir, dass beide einen Herzstillstand erlitten haben. Ich finde, das ist ein Glaubwürdigkeitsverlust, und so etwas brauchen wir nicht. Manchmal ist es besser, die Dinge mit mehr Bedacht anzugehen und auf die Fahrer zu hören."
"Auf alle Fahrer, nicht nur auf die MotoGP-Fahrer, auch auf die Moto3-Fahrer. Es ist schwierig, in solchen Momenten Entscheidungen zu treffen, und zum Glück bin ich nicht derjenige, der sie treffen muss. Aber wie ich sagte: Wenn man auf andere hört, kann das manchmal helfen."
Seit einiger Zeit zeigt die Dorna-Regie Wiederholungen von Stürzen erst, wenn klar ist, dass sich der Fahrer keine sehr schweren und lebensbedrohlichen Verletzungen zugezogen hat. In Sepang wurden sofort Replays gezeigt, auch die Onboard-Aufnahme von Rueda.
War das ein grober Fehler und muss darüber gesprochen werden? "Ja, auf jeden Fall", findet Fabio Di Giannantonio. "Bei den letzten schweren Unfällen wurden Wiederholungen gestoppt. Ich möchte an das Gute im Menschen glauben und denke, das war ein Versehen."
"Vielleicht dachte der TV-Mitarbeiter, es sei nicht so ernst. Ich möchte das glauben, weil die Szene, soweit ich weiß, nur einmal gezeigt wurde." Doch einmal veröffentlichte Bilder bleiben im Internet. Vom Sepang-Unfall gibt es unzählige Videos auf YouTube und auf anderen Plattformen.
"Das ist sicher ein Punkt, den man verbessern sollte. Solche Bilder sollten nicht geteilt werden", sagt Di Giannantonio. "Ich habe mich gerade aufgewärmt, das Handy geöffnet und sofort vier oder fünf Videos des Unfalls aus verschiedenen Perspektiven gesehen."
"Mit den heutigen Smartphones ist es unglaublich leicht, alles festzuhalten und zu verbreiten. Informationen verbreiten sich sofort, von überall her. Deshalb werde ich niemandem gezielt Vorwürfe machen."
Di Giannantonio erinnert an seinen Unfall mit Martin
Ein weiterer Aspekt, über den diskutiert wird, ist, ob man das Moto3-Rennen über eine verkürzte Distanz überhaupt hätte starten müssen. Bagnaia sprach schon in Malaysia klar und deutlich, dass das aus seiner Sicht ein Fehler war.
"Es ist schwer, wieder auf die Strecke zu gehen, wenn man solche Bilder gesehen hat, ohne zu wissen, wie es dem Kollegen geht", sagt Di Giannantonio. "Wenn man konsequent ist, dürfte man erst wieder fahren, wenn der Betroffene zu hundert Prozent außer Gefahr ist."
Der VR46-Fahrer spricht in diesem Zusammenhang einen Unfall an, in den er selbst in dieser Saison verwickelt war. In Katar stürzte Jorge Martin unmittelbar vor ihm. Di Giannantonio konnte nicht mehr ausweichen und traf Martin mit dem Vorderreifen im Rücken.
© Gold & Goose Photography/Getty Images
Fabio Di Giannantonio erinnert an seinen Unfall mit Jorge Martin Zoom
"Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Ich fuhr die letzten Runden einfach mechanisch, ohne klaren Kopf. Das sollte man vermeiden. Aber dann dürften auch Moto2-Fahrer nicht fahren, denn wir sind alle Menschen. Wir sind Fahrer, aber auch Menschen."
"Deshalb ist es schwer zu sagen, wo die Grenze liegt. Wir sind alle in einem ähnlichen Alter. Vielleicht hätte man das ganze Rennen absagen sollen. Es ist schwierig." Dettwiler und Rueda sind 20 Jahre alt. Pedro Acosta ist nur ein Jahr älter.
Acosta: Moto3-Rennen hätte nicht gestartet werden sollen
Der KTM-Fahrer vertritt eine klare Meinung zum verkürzten Moto3-Rennen: "Dieses Rennen hätte niemals stattfinden dürfen. Klar, die Show muss weitergehen - aber die MotoGP ist die eigentliche Show. Das ist die Königsklasse, auf die alle warten."
"Und wir sind alt genug, um das Persönliche beiseitezuschieben und einfach das Rennen zu fahren, danach kann man über alles nachdenken. Aber es ist nicht nötig, dass Kinder in so einer Situation fahren müssen."
"Ich weiß, dass es für die Teams schwer ist, auch finanziell - so eine lange Überseetour, und dann nicht zu fahren. Aber es ist nicht notwendig. Wenn jemand die Verantwortung für die Show übernehmen muss, dann die MotoGP-Klasse."
"Vielleicht auch Moto2, aber Moto3 auf keinen Fall. MotoGP und Moto3 sind nicht dasselbe - nicht dieselben Fahrer, nicht dieselbe Meisterschaft, nicht dieselbe Bühne. Wenn jemand die Verantwortung für die Show trägt, dann sollte es die MotoGP sein", so Acosta.
© Getty Images AsiaPac
Laut Pedro Acosta war es falsch, das Moto3-Rennen zu starten Zoom
An jedem Grand-Prix-Wochenende findet am frühen Freitagabend das Treffen der Sicherheitskommission statt. Es ist davon auszugehen, dass darüber gesprochen wird, wie die Verantwortlichen mit dem Unfall umgegangen sind.
"Das ist ein Detail, über das man diskutieren kann", sagt Franco Morbidelli und betont: "Das Wichtigste ist klar. Ich will mich da gar nicht in Diskussionen verlieren, weil das Entscheidende ist: Diese Jungs leben! Alles andere, was man hätte sagen oder tun sollen, ist egal."
"Ich will nur wissen, dass sie lebend zu ihren Familien zurückgebracht wurden. Das war ein so schwerer Unfall, dass wir alle besorgt waren. Jeder fuhr das Rennen mit dem Gedanken an die beiden, besonders an Noah. Alle waren in dieser Stimmung."
"Aber wenn die Geschichte gut ausgeht, dann sollte man froh sein. Wer kleine Fehler analysieren will, soll das tun - aber mit dem Wissen im Herzen, dass am Ende das Richtige getan wurde. Denn diese beiden Jungs leben!"

Neueste Kommentare
Erstellen Sie jetzt den ersten Kommentar